Nachbau des Tauchanzugs von Peter Kreeft

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Re: Nachbau des Tauchanzugs von Peter Kreeft

Beitragvon Franz » Do 6. Jun 2019, 14:07

Freunde der historischen Tauchtechnik!

Hier die Pressebeiträge zur Veranstaltung in Stralsund:

MV1 – Mein Land. Mein Sender: „Flugsimulatoren und historische Tauchmaschinen - Internationaler Museumstag“ (Ab Minute 0:15)
https://youtu.be/AfqASJ8o_Ys

Internationaler Museumstag in der Region (Ab Minute 2:20)
http://www.fas-tv.de/mediathek/8292/Int ... egion.html

Link zur Ausgabe vom Stralsunder Blitz am Sonntag (12.05.) mit Nennung der Tauchmaschine auf der Titelseite:
https://issuu.com/blitzverlag/docs/20190512_11





190508_lifepr_Tauchen damals und heute.pdf
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Im "Nordkurier" steht, wir hätten der ersten Tauchanzug der Welt nachgebaut. Das stimmt natürlich nicht so ganz. . .

Gruß,
Franz
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Re: Nachbau des Tauchanzugs von Peter Kreeft

Beitragvon Franz » Fr 21. Jun 2019, 10:32

Hallo Zusammen!

Es gibt noch eine wichtige Baustelle, die Schläuche. . .

Bei Bergungsarbeiten in 20 m Tiefe an der "Royal George" (1839 - 1842) waren Helmtaucher im Einsatz. Damals konnte man Gummi noch nicht vulkanisieren und so wurden Lederschläuche verwendet. Diese hat man nach einem Rezept von Oberfeldwebel Jenklin Jones mit folgender Mixtur bestrichen: Pech, Bienenwachs und Talg [1]. Diese Dichtmasse sollten wir ausprobieren. Immerhin tauchte man damals bis 20 Meter Tiefe damit. Je nach Ergebnis werden weitere Versuche unternommen.

Hier liegen drei Stück Lederschlauch, zwei mit 1,5 mm Spirale, das Dritte mit einer 2 mm Messingspirale. Einer der 1,5 mm Draht-Schläuche ist nichtmehr zu verwenden, da die Messingspirale stark verformt ist. Dieser kann in kurze Stücke geschnitten werden um verschiedene Dichtmethoden auszuprobieren. Ich warte noch auf das OK aus Stralsund.

Gruß,
Franz

1: Dugan, James: Forscher und Taucher im Meer. Zürich, Diana Verlag, 1969. S. 33 - 37. Norbert Gierschner hat einen Text in seiner "Tauchgeschichte Spezial" Sonderausgabe III 2019, veröffentlicht: Oberst Pasley und die Royal George, Seite 7 -9. In diesem wird auf die Rezeptur hingewiesen.
Zuletzt geändert von Franz am Mo 24. Jun 2019, 16:30, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Nachbau des Tauchanzugs von Peter Kreeft

Beitragvon stg53 » Mo 24. Jun 2019, 14:35

Moin Franz,
die Schläuche sind aus dem selben Material und mit dem gleichen Nahtverfahren wie der KTA vernäht. Ich denke es lohnt nicht damit Testversuche zu machen. Die Nähte bekommt man damit nicht dicht und wie soll mit kurzen Schlauchstücken ein Schlauchdichtetest gemacht werden?
Eine Innenversiegelung kann ich mir zu Kreefts Zeit nicht vorstellen. Vielleicht sollte man das Problem mit spiralförmigen "Wickeln" angehen. Hier sehe ich am ehesten Lösungsansätze die zu befriedigendem Ergebnis führen können.
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Re: Nachbau des Tauchanzugs von Peter Kreeft

Beitragvon Franz » So 30. Jun 2019, 13:17

Wir verwenden vier verschiedene Nähte, je nach Funktion:

img590 #.jpg
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Re: Nachbau des Tauchanzugs von Peter Kreeft

Beitragvon stg53 » Di 2. Jul 2019, 07:41

Moin Franz, das bisherige Verfahren, dünnes Leder, Polymer-Faden und Nahtherstellung mit Maschine hat keine wirklich befriedigenden Ergebnisse erzielt. Die Luft perlt aus den Nahtlöchern. Ich sehe da keinen Unterschied, bei allen 4 Varianten die du aufzeigst, wird der Innendruck die Luft aus dem Schlauch durch die Löcher herauspressen. Je mehr Löcher im Material, desto mehr Undichtheiten gibt es. Zumal das Nähen mit Maschine durch Kreeft ja auch nicht gemacht wurde. Das Leder als solches ist zu dünn und der Polymer-Faden quillt nicht auf. Dadurch wird also kein natürliches verschließen der Nahtlöcher möglich.
Die Spirale sollte zwischen eine Innen- und eine Außenhülle eingebettet werden. Das hätte mehrere Vorteile. Die Spirale sitzt dann fest zwischen den Wandungen, wenn das Dichtmittel zwischen den Wandungen eine gewisse Steifigkeit nach dem aushärten erhalten hat, kann sie nicht so leicht knicken bzw. in sich zusammenfallen, wenn der Schlaucht mal eng gelegt wird oder man darauf tritt. Man könnte dann die Schlauchtüllen dichter, fester und effektiver mit dem geamten Schlauchkonstrukt verbinden.
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Re: Nachbau des Tauchanzugs von Peter Kreeft

Beitragvon Franz » Di 2. Jul 2019, 09:15

Ulf,

aus Kostengründen ließen wir mit der Maschine nähen. Wenn wir dickeres Leder verwenden, wird der Azug steifer. Das ist höchstens am Helm zu machen. Unser dünnwandiger Anzug gibt leichter nach, belastet nicht die Nähte. Die Schläuche müssen dünnwandig sein damit sie biegsam bleiben.

Das Aufquellen des Leders oder eines Naturfadens dichtet die Löcher nicht gasdicht ab. Nach dem Quellen vergrößert sich der Naturfadendurchmesser um ein Zehntel Milimerter vielleicht. Das Leder quillt in dem kleinen Lochdurchmesser nur wenig, da wird kaum "Schließdruck" wirksam. Handgenähte Lederstiefel werden wasserdicht, aber nicht unter Druck gasdicht.

Damals hat man Schafsdärme zusammen mit einer Lederhülle verwendet. Einen solchen könnten wir noch in den Schlauch ziehen. Man bekommt sie in verschiedenen Längen und Durchmessern. Vorher müsste man herausfinden, wie sie konserviert werden und elastisch bleiben.

Ich lebe in der Hoffnung unseren Schlauch mit Pech, Talg und Bienenwächs einigermaßen dicht zu bekommen. Sollte das nicht funktionieren, gehts mit Schafsdarm weiter. . .

Franz
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Re: Nachbau des Tauchanzugs von Peter Kreeft

Beitragvon Franz » Sa 6. Jul 2019, 16:55

Kreeftler!

Peter Dick und Richard Walsby haben sich auf die Suche nach alten Abdichtmethoden für Leder bzw. Lederschläuche gemacht.
Richard wurde fündig. . . . Hier meine Antwort an ihn mit einer Zusammenfassung. Ganz unten die Übersetzung von Richard's Nachricht.

Gruß,
Franz



Hallo Richard,
vielen Dank, einfach wunderbar, dass du die alten Komponenten und das entsprechende Mischungsverhältnis gefunden hast. Vielen vielen Dank.

Wir haben jetzt drei verschiedene Mixturen:

1) Klingert, nach Hermann Stelzner
3 Teile Wasser, 1 Teil Pech, 1 Teil Terpentin, 1Teil Schweinefett.

2) Jenkin Jones
Pech, Bienenwachs und Talg. Mischungsverhältnis unbekannt.

3) James Braidwood
4,5 Liter Rinderfußöl, 0,91 kg Talg, 0,1134 kg Bienenwachs. (Diese krummen Zahlen ergeben sich aus der Umrechnung der englischen Einheiten.)

1 & 3) Diese zwei Mixturen sind dünnflüssig, sie wurden verwendet um die Lederoberfläche zu behandeln.

2) Dickflüssig bis zähflüssig, sollte geeignet sein um die Nähte abzudichten.

So hätten wir verschiedene Mischungen zum Ausprobieren.

Ich werde Euch über den Fortschritt auf dem Laufenden halten.

Mit bestem Dank,

Franz



Hi Richard,

thanks a lot, just wonderful that you found the original mixture and the right components. Thank you very very much.

We now have three different mixtures:

1) Klingert, according to Hermann Stelzner
6 parts water, 2 parts pitch, 2 parts terpintine, 2 parts pig fat.

2) Jenkin Jones
Pitch, beeswax and tallow. Mixing ratio unknown.

3) James Braidwood
4,5 liters neat's foot oil, 0,91 kg tallow, 0,1134 kg bees wax.

1 & 3) These two mixtures will be very fluid, so I guess they were used to treat the leather surface.

2) Viscous, probably to seal the seams.

So we now have different mixtures to play around and try.

I will keep you informed about the progress.

Thanks a lot,

Franz

-------- Weitergeleitete Nachricht --------
Betreff: Re: Royal George
Datum: Fri, 5 Jul 2019 22:03:34 +0100 (BST)
Von: e-mail richard.walsby <richard.walsby@ntlworld.com>
An: Peter Dick <hdtimes@thehds.com>, Franz Rothbrust <franz.rothbrust@historische-tauchergesellschaft.de>


Peter, Franz
I have searched between the years 1750-1830
I have found the attached book, titled On The Construction of Fire-Engines and Apparatus.... by James Braidwood published in 1830 which gives a recipe for making riveted leather fire hoses waterproof:

https://books.google.co.uk/books?hl=en& ... se&f=false

You can find the formula in a note at the bottom of page 25 but the whole of the last paragraph on page 25 together with the first paragraph on page 26 is worth reading. The formula reads
1 gallon of neat's foot oil (ie 4.5 litres; neat's foot oil is derived from the shin bones and feet (not the hooves) of cattle)
2 pounds weight of tallow (ie 0.91 Kg; Tallow is purified beef or mutton fat)
0.25 pounds weight of bees wax (ie 0.1134 kg).
This appears to be the only book containing relevant information out of approx. 200 I have scanned. I hope it proves useful
Richard



On Thu, 4 Jul 2019 at 15:51, Franz Rothbrust < franz.rothbrust@historische-tauchergesellschaft.de> wrote:

Hello Peter!

We are still working on the Kreeft Hoses. When salvaging the Royal Gerorge (1839 - 1842), they used leather hoses which were treated with pitch, beeswax and tallow. This formula is from Jenkin Jones. Is the mixing ratio of these three components known? If not, I will try different mixtures.

Yours aye,
Franz



Übersetzung:

Peter, Franz
Ich habe zwischen den Jahren 1750-1830 gesucht und habe das beigefügte Buch mit dem Titel "Über den Bau von Feuerwehrautos und -Geräten" von James Braidwood aus dem Jahr 1830 gefunden, das ein Rezept für die wasserdichte Herstellung von genieteten Lederschläuchen enthält:

https://books.google.co.uk/books?hl=de& ... cqRFFIfNyg

Sie finden die Formel in einer Notiz am Ende von Seite 25, aber der gesamte letzte Absatz auf Seite 25 zusammen mit dem ersten Absatz auf Seite 26 ist lesenswert. Die Formel lautet
1 Gallone Fußöl (dh 4,5 Liter; Öl wird aus den Schienbeinknochen und Füßen (nicht den Hufen) von Rindern gewonnen)
2 Pfund Talg (dh 0,91 kg; Talg ist gereinigtes Rind- oder Hammelfett)
0,25 Pfund Bienenwachs (dh 0,1134 kg).
Dies scheint das einzige Buch zu sein, das relevante Informationen aus ca. 200 die ich gescannt habe. Ich hoffe, es erweist sich als nützlich
Richard



Am Do, 4. Juli 2019 um 15:51 schrieb Franz Rothbrust <franz.rothbrust@historische-tauchergesellschaft.de>:

Hallo Peter!

Wir arbeiten immer noch an den Kreeft-Schläuchen. Bei der Bergung der Royal Gerorge (1839 - 1842) wurden Lederschläuche verwendet, die mit Pech, Bienenwachs und Talg behandelt wurden. Diese Formel stammt von Jenkin Jones. Ist das Mischungsverhältnis dieser drei Komponenten bekannt? Wenn nicht, werde ich verschiedene Mischungen probieren.

Mit freundlichen Grüßen
Franz
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Re: Nachbau des Tauchanzugs von Peter Kreeft

Beitragvon oxydiver » Di 23. Jul 2019, 06:38

Hallo,
innerhalb dieses Filmchens über das Museum Dumas ist ab min 8:27-9:14 der Tauchgang mit einem nachgebauten Ledertauchanzug (https://le-scaphandrier.blog4ever.com/l ... -de-beauve) zu sehen. Ein Überdruckventil im Helm blubbert, eine Sprachverbindung wird simuliert und der Blasebalg mit Fußbetätigung dargestellt. Wobei das Mädel allerdings gegen keinen bis wenig Druck pumpt, man könnte also denken der hat wirklich einen Brustpanzer darunter....

Video: https://www.facebook.com/jacques.chabbe ... 556358969/

Gruß Micha
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Re: Nachbau des Tauchanzugs von Peter Kreeft

Beitragvon Franz » Di 23. Jul 2019, 08:21

Hallo Micha,

wir hatten mittlerweile über 100 000 Aufrufe zu Kreeft. Eigentlich sind es viel mehr, da 20 000 beim Neuprogramieren verloren gegangen sind.

Hier zwei Fotos vom französischen Anzug, er stand in Barcelona:

L1110358#.jpg

L1110360#.jpg


Der sieht nicht nach druckfestem Oberkörper aus. Ich glaube der Helm wurde offen getragen. Im Bild liegt der Kragen auf den Schultern, beim Tauchen war er sicher innerhalb des Helms als Wasserfang hochgestellt.

Man müsste Kontakt mit der Erbauern aufnehmen. Ich frage in Frankreich mal nach.

Gruß,
Franz
Zuletzt geändert von Franz am Sa 27. Jul 2019, 21:46, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Nachbau des Tauchanzugs von Peter Kreeft

Beitragvon oxydiver » Di 23. Jul 2019, 08:34

Franz,
wenn er offen getragen wurde ist es kein ganz originaler Nachbau. Kann natürlich auch sein das für das Video druckfrei gepumpt wurde und auch die Sprechverbindung nicht echt ist.
Mal sehen ob Du was rausbekommst. Wer versteht was der Kommentator sagt?

Micha
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