Nachbau des Tauchanzugs von Peter Kreeft

Diskussionen und Berichte zu historischen Nachbauten und deren Erprobung

Nachbau des Tauchanzugs von Peter Kreeft

Beitragvon Franz » Di 15. Aug 2017, 09:17

Hallo Zusammen!

Das Deutsche Meeresmuseum „Nautineum“ in Stralsund hat angefragt, ob wir den historischen Tauchanzug von Peter Kreeft originalgetreu nachbauen können um dessen Funktion mit einem Tauchversuch zu beweisen.
Auf der Webseite des Meeresmuseums gibt es Informationen zu Kreeft und seinem Anzug:

http://www.365entdeckungen.de/index.php ... teDiff=162

Der Nachbau in Stralsund ist jedoch aus modernen Werkstoffen hergestellt und daher nicht authentisch. Unsere Replik soll mit den damals zur Verfügung stehenden Materialien und technischen Möglichkeiten, hergestellt werden. Der Anzug hat funktioniert, wie ein Zeitzeugenbericht belegt. Die größte Herausforderung wird sein, einen wasserdichten Tauchanzug aus Leder herzustellen. Das kann ein Fachbetrieb nach unseren Vorgaben übernehmen.

Zur Realisierung wird das Museum ein Budget bereitstellen. Der Anzug wird in Stralsund und anderen Museen ausgestellt. Über das Projekt wird die Presse berichten. Es ist zudem eine wunderbare Möglichkeit die Historische Tauchergesellschaft einer breiten Öffentlichkeit bekannt zu machen.

Für den Bau müssen wir eine Arbeitsgruppe zusammenstellen, die den Anzug in Abstimmung mit dem Museum plant und baut. Am Ende steht ein Tauchversuch. Wer an diesem interessanten Projekt interessiert ist, möge sich bitte bei mir melden.

Für das Projekt haben sich bereits mehrere Teilnehmer gemeldet. Wir wollen die Rekonstruktion hier im Forum abhandeln, damit alle informiert sind.

Gruß,
Franz

lossy-page1-800px-Kreeft_Taucher.TIF.jpg
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Re: Nachbau des Tauchanzugs von Peter Kreeft

Beitragvon Franz » Di 15. Aug 2017, 09:27

Hallo Miteinander,
Dr. Förster vom Deutschen Meeresmuseum hat sich per Email gemeldet. Warum die Fotos seitwärts verdreht und manche kopfstehnd hier im Forum abgebildet werden, ist mir ein Rätzel.

Gruß,
Franz

Lieber Herr Rothbrust, lieber Ulf,

ich freue mich sehr, dass sich die Historische Tauchergesellschaft des spannenden Themas - der Rekonstruktion der Kreeftschen Tauchmaschine annehmen möchte.

Anbei habe ich einige Fotos zum Zustand der derzeitigen Rekonstruktion beigefügt, die sich bei uns im NAUTINEUM befindet. Der Anzug ist aus Kunstleder gefertigt und entsprechend verklebt. Auch die Aussteifung des Kopfteils, das Sichtfenster, die Luftzufuhr wurden mit modernen Materialien ausgeführt.

Mit dem Projekt würde ich gerne folgende Ziele verfolgen:

- Nachbau der Kreeftschen Tauchmaschine mit den historisch genutzten Materialien (Leder, verlötete Kupferelemente ...)
- Dokumentation - und filmische Begleitung des Nachbaus
- publikumswirksamer Test des Nachbaus im Stralsunder Hafen und an einem Schiffswrack vorm Darß
- Präsentation der Tauchmaschine in der Sonderausstellung "Europa und das Meer" im Deutschen Historischen Museum Berlin und danach im Nautineum / Deutschen Meeresmuseum

Das Deutsche Historische Museum benötigt den Nachbau zum Juni 2018.

Wichtig wäre, dass wir schnell den Kostenrahmen des Nachbaus bestimmen. Ich würde Mittel über unseren Förderverein, Berufstaucherfirmen und Tauchartikelhersteller einzuwerben. Auch das Deutsche Historische Museum würde sich an der Finanzierung beteiligen. Wäre aus Ihrer Sicht eine Kostenkalkulation bis Ende September 2017 realistisch?

Ich hätte noch eine weitere Bitte. Im Herbst 2017 wollen wir die Vitrine mit den historischen UW-Kameras neu gestalten und mit entsprechenden Texten versehen. Ich würde mich sehr freuen, wenn Sie uns da unterstützen könnten.


Mit besten Grüßen

Thomas


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Re: Nachbau des Tauchanzugs von Peter Kreeft

Beitragvon Franz » Di 15. Aug 2017, 09:32

Hier die restlichen Fotos von Dr. Förster:

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Re: Nachbau des Tauchanzugs von Peter Kreeft

Beitragvon Franz » Di 15. Aug 2017, 10:09

Hallo Zusammen,

Michael Jung hat zum Tauchanzug von Kreeft ein kleines Buch verfasst: "Meeresgrundwanderer".
Die Scans sind nur für den vereinsinternen Gebrauch zur Rekonstruktion bestimmt. Besonders wichtig ist der Zeitzeugenbericht auf den ersten Seiten. Er liefert eine einigermaßen genaue beschreibung von Kreefts Konstruktion. Hier ein Auszug mit dem Zeitzeugenbericht. Die Abbildungen vergrößern sich wenn man draufklickt:

img874.jpg
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img877.jpg
img878.jpg
img879.jpg
img880.jpg


Die PDF vom ganzen Buch ist zu groß um hier eingestellt zu werden. Der "Meeresgrundwanderer" enthält weitere sehr wichtige Informationen zum Tauchanzug. Interessenten schicke ich die PDF vom ganzen Buch per Email direkt zu.

Gruß,

Franz
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Re: Nachbau des Tauchanzugs von Peter Kreeft

Beitragvon Franz » Di 15. Aug 2017, 14:08

Hallo Miteinander!

Nach intensivem Studium des Zeitzeugenberichts, glaube ich, daß das Projekt zu realisieren ist, der Anzug funktioniert hat.

Zunächst sollten wir uns mit den einzelnen Komponenten befassen, damit wir die Funktion verstehen und bis Ende September einen Kostenvoranschlag ausarbeiten können. Ob wir den Anzug bis Juni nächsten Jahres bauen können, wird sich zeigen. Ich bin guter Hoffnung.

Lederanzug
Den Anzug mit Oberteil bzw. Busseruhn (6) mit Kopfhaube, Beinkleider (13) & Stiefel (14), muß ein Fachbetrieb nach unseren Vorgaben anfertigen. Gottfried Keindl hat einen Weißgerber an der Hand, der wasserfestes Leder herstellt. Vielleicht können wir auch echte Lederstiefel verwenden. Einen Sattlerbetrieb, der Leder wasserdicht vernähen kann, müssen wir noch finden. In Norwegen wurde eine Replik aus Leder wasserdicht vernäht, dort können wir uns Rat holen.

Metallteile
Schrauben mit Mutter (1 & 2), das „Auge (Fenster 19), Gestäbe des Busseruhns (5), Kaussen (10 & 11), diese Teile lassen wir in einer Schlosserei aus Messing oder Kupfer fertigen. Die Frontscheibe kann aus Glas geschnitten werden.
David Dekker hat Bleisohlen (12) im Angebot.
Aus dem Text geht hervor, daß der Taucher mit zusätzlichen Gewichten behangen worden ist um abtauchen zu können. Hier können wir uns mangels Vorlage, an den amerikanischen Helmtauchausrüstungen orientieren.

Luftschläuche (16 & 17)
Das größte Problem sehe ich in der Herstellung der Pressluftschläuche aus Kupferdraht und Leder. Es gibt vielleicht Vorlagen in Museen nach denen wir uns richten können. Ich fürchte die Schläuche werden ziemlich steif sein und wir Probleme mit den Handhabung beim Unterwassereinsatz haben werden.

Blasebalg (3) und Trichter am Sprachrohr (4)
Ein großer Blasebalg sollte sich auftreiben lassen. Den Sprachtrichter lassen wir anfertigen.

Sicherheit
In dem Anzug von Kreeft kann man ertrinken wenn etwas schief läuft. Daher muß es eine zweite Luftversorgung geben, die der Taucher selbst bedienen kann. Sicherheitstaucher als Begleitung verstehen sich von selbst.

Generelle Funktion
Die Luftzufuhr über den Schlauch (17) kann mit entsprechenden Rückschlagventilen so funktioniert haben.
Der sog. Abluftschlauch (16) macht Kopfzerbrechen. Aus tauchphysikalischen Gründen kann er nicht nach oben offen gewesen sein, sonst wäre es nicht möglich gewesen, einen der Wassertiefe entsprechenden Luftdruck im Anzug aufzubauen. Wenn er als Sprachrohr gedient hat - dafür spricht der Augenzeugenbericht - muß er am Kopfteil mit einer druckfesten Membran verschlossen gewesen sein. Die Membran könnte auch oben am Trichter gesessen haben, das halte ich aber eher für unwahrscheinlich.

Somit ist das Problem der Abfuhr der Ausatemluft noch offen. Ich sehe derzeit die folgenden Möglichkeiten:

1) Eine Kombination zwischen einer Sprechmembran und einem Ausatemventil. Ich fürchte die Justierung durch den Taucher wäre kompliziert und die Sprechverbindung bei weitem nicht so gut wie beschrieben.

2) Ein separates Ausatemventil am Kopfteil, welches vom Taucher justiert werden konnte. Darüber ist im Augenzeugenbericht nichts zu lesen. Das kann aus Geheimhaltungsgründen Absicht gewesen sein.

3) Eine dritte Leitung für die Ausatemluft aus dem Kopfteil nach unten führend. Ganz so wie es bei den ersten englischen Helmen gemacht wurde und im HDS UK Logo zu sehen ist. . .

Im Augenzeugenbericht wird am Ende ausdrücklich darauf hingewiesen, dass „diese wenigen Worte keineswegs auf Vollständigkeit Anspruch machen . . . diese Blätter nur zur Befriedung der schnell entstehenden Wißbegierde des Nichtkenners und Nichtgelehrten dienen sollen“. Das kann ebenso für die Zeichnungen gelten. Zudem gab es Geheimhaltung, so hat Kreeft laut Zeugenbericht im vorletzten Absatz, als „einziges Geheimnis“ nicht verraten, wie er den Anzug 100% wasserdicht gemacht hat. Es könnte ohneweiteres noch ein zweites, sicher viel wichtigeres Geheimnis um die Ausatmung gegeben haben.
Das Problem mit der Abfuhr der Ausatemluft müssen wir glaubhaft und nachvollziehbar lösen bevor mit dem Bau begonnen wird. Dr. Förster lässt in den Stralsunder Archiven nach weiteren Berichten zum Tauchgang von Kreeft suchen. Vielleicht finden sich noch Hinweise.

Was meint Ihr?

: )
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Re: Nachbau des Tauchanzugs von Peter Kreeft

Beitragvon oxydiver » Mi 16. Aug 2017, 05:55

Hallo Franz,

genau das Problem der grundsätzlichen Funktion hatten wir (Ulf, Lothar und ich)bereits bei unserem Besuch im Museum diskutiert. Man muss ja zumindest sovie Druck im Helm erzeugen das er nicht volläuft. Das müsste man zu aller erst ausprobieren. Dazu könnte ein primitiver "Eimerhelm" ohne alles dienen. Der Rest ist dann relativ unproblematisch,eher ein finanzielles und Zeitproblem.
Überlegung: Ob bei genügend grosser Luftzufuhr auch unterschiedliche Schlauchquerschnitte /Öffnungen den Druch afbauen könnten? Zumindest müsste der Anzug dann relativ dicht sein damit er nicht sofort volläuft....

Gruß Micha
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Re: Nachbau des Tauchanzugs von Peter Kreeft

Beitragvon Franz » Mi 16. Aug 2017, 07:07

Hallo Micha,
stimmt, wenn der Ausatemschlauch ein kleinerer Innendurchmesser hatte als als jener für die Luftzufuhr, hätte sich im Kopfteil Druck aufbauen können. Auf die Idee bin ich gestern Abend noch beim Einschlafen gekommen. Kreeft konnte den Druck über die Sprechverbindung "regeln" indem er den Mann am Blasebalg anwies mehr oder weniger fest zu pumpen. Ob das so funktionien konnte, muß ausprobiert werden. Der Druck im Kopfteil ist durch die Pumpbewegung schwankend, strapaziert sicher die Trommelfelle. Jedenfalls würde diese Lösung mit den Kupferstichen übereinstimmen, auf denen kein, wie auch immer geartetes Überdruckventil, zu sehen ist.

: )
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Re: Nachbau des Tauchanzugs von Peter Kreeft

Beitragvon Franz » Mi 16. Aug 2017, 08:13

Moin Micha,

den Müllerschen-Durchflußsteuerungsgedanken habe ich in einem ersten Kleinversuch im Regenwasserfaß überprüft :

L1190147#.jpg

L1190149#.jpg

Es gelang problemlos mit Lungenkraft den "Helm" mit Luft zu füllen, auch bei gleich großem Schlauchquerschnitt. "Tauchtiefe" 20 cm, Helmvolumen 0,5 Liter. Dabei mußte jedoch konstant ordentlich Atemluft nachgeliefert werden.
Sobald der Abluftschlauch etwas abgeknickt wurde, füllte sich mein kleiner Helm sehr viel schneller und ich mußte weniger pusten. . .

Unter Labor- bzw. Regenwasserfaßbedingungen funktioniert das also. Der nächste Schritt wäre ein transparentes 10l-Gefäß, möglichst mit Blasebalg im Schwimmbad auf 4 Meter Tiefe. . . Oooder, Du nutzt die Gelegenheit in Rovinj um das auszuprobieren, das sollte bei deinem bastlerischen Genie und Improvisationstalent kein Problem sein. . . Putzeimer, Gewichte, Gartenschlauch, Pressluftanschluß. . . .

: )
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Re: Nachbau des Tauchanzugs von Peter Kreeft

Beitragvon УГК-1 GER » Mi 16. Aug 2017, 12:37

Moin,

da gab es mal was...
Irgendwann, so um 1979/80 bin ich bei New England Divers in L.A. über Produkte gestolpert, die so ähnlich funktionieren (Free Flow Prinzip):

http://www.divedesco.com/P/38/DESCOPoolCleaningMask

http://www.divedesco.com/P/31/DESCOAirHat

Links leider auf US-Englisch.

Eine Pumpe pumpt Luft im Dauerdruck in Maske bzw. Helm. Die Luftzufuhr besitzt ein Rückschlagventil (Falls das Gebläse ausfällt bzw. der Blasebalg im Saugmodus ist)
Über ein einstellbares (air hat) bzw. festes Ausblasventil (pool cleaning mask) geht der Überdruck ins Wasser.
Das System funktioniert in geringen Wassertiefen (angeblich bis 30 ft/9 m).
Habe es (pool cleaning mask) auch mal in einem Aquarium als Zuschauer in Aktion gesehen.

Bedeutet für den Nachbau: In Zu- und Abluft müssen Rückschlagventile vorhanden sein, die ein Entlüften durch Überdruck in der Saugpause des Blasebalgs verhindern.

Interessant ist der historische Hinweis, das der Taucher an der Oberfläche gehört werden konnte, ein Hinweis, dass die Kommunikation auch umgekehrt funktionierte, fehlt.
Lässt darauf schließen, dass ein ständiger Luftzug nach oben im "Höhrrohr" vorhanden gewesen sein muss.

Tarieren: Als Besitzer eines KV-Tauchanzuges (UGK-1) ist mir das ständige Fahrstuhlfahren, wenn zuviel bzw. zuwenig Luft im Anzug ist, durchaus ein Begriff.
"Fußläufig" mit Bleisohlen ist das natürlich nicht so gravierend, sollte aber berücksichtigt werden.

Gruss

Hajo
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Re: Nachbau des Tauchanzugs von Peter Kreeft

Beitragvon Josef » Mi 16. Aug 2017, 14:42

Moin,
zum Thema Schlauch, Blasebalg und Telefon hier auch mal ein Bild von der Nachbarbaustelle. Dieses Teil ist in den Museen öfter zu finden, da immerhin ca. 6000 Stück davon produziert wurden. Ich gehe davon aus, das zumindest in Berlin (in jedem Fall im Feuerwehrmuseum) Originale vorgehalten werden. Man kann durchweg drüber nachdenken, zumindest den Blasebalg zweckzuendfremden und auch mal genauer auf den Schlauch zu schauen.
Gruß
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Der Königsche Rauchhelm
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Re: Nachbau des Tauchanzugs von Peter Kreeft

Beitragvon Franz » Do 17. Aug 2017, 06:57

Hajo, Josef,

danke für die wervollen Hinweise!

Pool cleaning Mask: auf ähnliche Art tauchten Le Preur, Fernandez und andere. Somit hätten wir die grundsätzliche Funktion der Beatmung bei Kreeft geklärt: Zu Neudeutsch "constant Flow". Wie das im Detail funktioniert haben könnte, müssen wir uns noch übelegen.

Blasebalg: Josef, könntest du in den Feuerwehrmuseen nachfragen, ob dort noch ein funktionierender Balg zur Verfügung stände? Oder eine Vorlage für den Nachbau? In den Museen weiss man sicher, wie um 1800 Lederschläuche gemacht wurden, vielleicht gibt es noch genähte Originale, die wir als Vorlage nehmen können. . .
lederschlauch#.jpg
Dieser alte Feuerwehrschlauch ist genietet. Jene aus Leder müssen ähnlich ausgesehen haben. Ich nehme an, die Schäuche von Kreeft waren dünner, 1" vieleicht. . .?

: )
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Re: Nachbau des Tauchanzugs von Peter Kreeft

Beitragvon Franz » Fr 18. Aug 2017, 10:23

Hallo Zusammen,

Richard Walsby verfolgt unser Projekt aus England und hat eine Nachricht geschickt:

Hello Franz,
This seems to be an excellent project. I wish you every success with it.
I don't know if you know of it already, but you might find some useful information in this book:
SPETER, Max. Die “Buss(e)ru(h)n” - Gewand-Taucher-Maschine Peter Kreefts in Barth (1800–1805). Ein verschollener Blase­balg­Frischluft-Tauchapparat. 3 p., 4 fig. (Kreeft-Broschüre, Dräger-Hefte) Lübeck: 1937.
Good Luck
Richard Walsby


Hat jemand die Drägerhefte von 1937?

: )
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Re: Nachbau des Tauchanzugs von Peter Kreeft

Beitragvon Franz » Fr 18. Aug 2017, 16:12

Uwe,

Recht hast Du, das ist eine Herausforderung! In der HTG gibt es genügend Fachkompetenz, ich zweifle kein Bißchen am Erfolg,

Ich zähle auf deine Mitarbeit, denn Du kennst dich mit geschlossenen Anzügen bestens aus. Mache dir bitte Gedanken, welche Maße der Anzug haben sollte. Einer deiner Anzüge kann als Maßvorlage dienen. Ich glaube nicht, daß er so eng geschnitten war, wie in der Schnittzeichnung zu sehen. Er muß groß genug sein, das man mit 1,85 m Körpergröße noch hineinpasst. Da der Lederanzug auf Bauchhöhe und unter den Knieen geteilt ist, können wir ihn in der Länge etwas variabel anlegen.

Es gibt noch viel zu tun bevor es an den Bau gehen kann. Am Wochende mache ich mal die ersten Skizzen.

"Wir schaffen das"
: )
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Re: Nachbau des Tauchanzugs von Peter Kreeft

Beitragvon Franz » So 20. Aug 2017, 16:23

Freunde,

hier die erste Detailskizze zu den Luftanschlüssen "2".

Po 8-169 S.9.jpg
Die Luftanschlüsse sind im Detail nicht klar erkennbar, mehrdeutig gezeichnet. Dazu schrieb der Augenzeuge: An beiden Enden dieser Schläuche ließ Herr Kreeft zwei starke hohle Messingschrauben (Fig. 1) befestigen, deren eine einer er, bevor er in die Tiefe hinabstieg, in der im Buseruhn zur Seite angebrachten Mutter (Fig 2) und am anderen Ende einen 3 bis 4 Fuß langen Blasebalg (Fig 3) einschrauben ließ.


Luftanschluß.jpg
So könnten die Luftanschlüsse im Prinzip ausgesehen haben (Die Zeichnung vergrößert sich beim Draufklicken). Die Konstruktion folgt weitgehend dem Text. Die Nummerierung ist anders aufgebaut als in der historischen Zeichnung. Den Schlauchinnendurchmesser von 1" habe ich angenommen. Der Knickschutz (3) und der Innenflansch (12) wurden aus technischen Gründen hinzugenommen.
Aus Sicherheitsgründen müssen wir für den Tauchversuch Rückschlagventile anbauen.

Bitte schaut mal drüber, Anregungen werden gerne angenommen.

: )
Franz
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Re: Nachbau des Tauchanzugs von Peter Kreeft

Beitragvon УГК-1 GER » So 20. Aug 2017, 18:54

Moin Franz,

habe mal ein wenig in Deiner Zeichnung herumgemalt:
Wenn Du den Stutzen von Teil 11 innen ein wenig kürzt, könnte ein Lederlappen (Teil 15, neu) drüberfallen (Die gute alte Gartenpumpe lässt grüßen).
Bei Unterdruck würde sich der Lederlappen vor die Öffnung legen, bei Überdruck die Öffnung freigeben.
Als Schutz könnte man evtl. ein Messing/Kupferblech als Schutz drüberbauen (Teil 16, neu).
Ein unauffälliges Rückschlagventil.

Gruss

Hajo


Luftanschluß modifiziert.jpg
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Re: Nachbau des Tauchanzugs von Peter Kreeft

Beitragvon Franz » So 20. Aug 2017, 20:54

Moin Hajo,
danke, die Idee mit dem Lederlappen ist gut, so hätte die Lufteinlaßseite aussehen können. Ob Kreeft das mit dem Lederlappen so gemacht hat, wissen wir nicht. Ich nehme an, daß es damals nur im Balg ein Rückschlagventil gab, denn es wurde im Augenzeugenbericht nichts dergleichen erwähnt. Die Stutzen (11) sind m.E. eh zu lang und ich rätzle warum sie damals so eingezeichnet wurden? Bei einem Druckabfall wären die Stutzen nach innen gewandert und hätten Kreefts Kopf eingeklemmt oder verletzt.
Dann war da noch die Sprechverbindung nach oben, ein Rückschlagventil hätte die Schallübertragung unterbrochen. Peter Kreeft lebte demnach nicht ungefährlich ohne Rückschlagventile im Lederhelm. Dieser war durch das "Gestäbe" ein relativ festes Gebilde, ein Druckabfall wäre, wie in einem Kupferhelm, gefährlich gewesen. Ob authentisch oder nicht, wir sollten für den Tauchversuch auf jeden Fall Ventile verwenden.

: )
Franz
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Re: Nachbau des Tauchanzugs von Peter Kreeft

Beitragvon Franz » Mo 21. Aug 2017, 06:38

Hallo Zusammen,

hier der Bericht aus dem "Divemaster" über Friedrich Högner und sein Kreeft-Nachbau von 2001. Ich werde versuchen Högner zu kontaktieren.

Hoegner-Kreeft#.jpg


Gruß,
Franz
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Re: Nachbau des Tauchanzugs von Peter Kreeft

Beitragvon Franz » Mo 21. Aug 2017, 08:35

Freunde,

hier läuft ein Versuch mit 1,5 mm dickem Rindsleder, außen glatt, innen rau, beidseitig mit Juchtenfett eingerieben.

L1190154##.jpg

Seit einer Stunde ist noch kein Tropfen Wasser durchgedrungen. . . Ich halte euch auf dem Laufenden,

: )
Franz

Nach 7 Stunden, immernoch kein Tropfen durchgedrungen. Die raue Seite ist noch völlig trocken.
Nach 12 Stunden dito.
Nach 22 Stunden immernoch alles trocken. . .
Nach 36 Stunden ist das Leder auf der rauen Seite kaum merklich feucht, es hängen keine Wassertropfen dran.
Nach 72 Stunden immernoch dicht, versuch beendet.
Aus Sportsgeist steht der Versuchsaufbau nach einer Woche immernoch: dicht!
Zuletzt geändert von Franz am Mo 28. Aug 2017, 08:44, insgesamt 3-mal geändert.
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Re: Nachbau des Tauchanzugs von Peter Kreeft

Beitragvon Franz » Di 22. Aug 2017, 05:37

Hallo miteinander!

In dieser Abbildung sieht man wie in einem Blasebalg die Rückschlagventile gemacht wurden. In der Mittes der Lederlappens sitzt eine runde Scheibe, die als Verstärkung dient und verhindert, daß der Lappen in die Öffnung gedrückt wird. Zudem hält die Scheibe den Lappen eben.

Zusammengesetzter_Blasebalg.png


: )
Franz
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Re: Nachbau des Tauchanzugs von Peter Kreeft

Beitragvon Franz » Di 22. Aug 2017, 06:47

Freunde,

wie konstruieren wir das Frontfenster?

Po 8.169 S8#.jpg
Um das Fenster ist ein Flansch gezeichnet, darauf sind dunkle Punkte zu sehen. Das könnten Nieten sein. . .?


Po 8-169 S.9#.jpg
Hier ist nicht zu erkennen wie die Scheibe befestigt wurde.


Helmfenster#.jpg
Ein genietetes oder angeschraubtes Frontfenster könnte so gemacht worden sein. Schrauben wären in unserem Fall besser, da man sie lösen oder nachspannen kann. Für die Testtauchgänge bauen wir ein normales Helmfenster ein.

Für den Tauchversuch sollten wir aus Sicherheitsgründen ein schnell öffenbares Fenster einbauen. Im Falle eines Wassereinbruchs würde es zu lange dauern bis die Jacke ausgezogen ist. Das heisst, wir brauchen zwei Fenster, ein genietetes oder verschraubtes fürs Museum, das zweite aufschraubbare zum Tauchen.

: )
Franz
Zuletzt geändert von Franz am Di 29. Aug 2017, 16:59, insgesamt 2-mal geändert.
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