Nachbau des Tauchanzugs von Peter Kreeft

Diskussionen und Berichte zu historischen Nachbauten und deren Erprobung

Re: Nachbau des Tauchanzugs von Peter Kreeft

Beitragvon Franz » Mo 13. Mai 2019, 10:35

Hallo Micha,

stimmt, das Prinzip hatten wir schon nach wenigen Wochen erkannt. Der ganze Rest war Detailarbeit . . .

Der neue Schlauch ist eingetroffen. Die 2 mm Messingdraht-Spirale ist deutlich stabiler und somit viel besser für unsere Zwecke. Der Schlauch ist zwar schwerer, trotzdem sehr biegsam.

Wir müssen noch einen Weg finden, ihn abzudichten. Mal abwarten, wie in Stralsund die Versiegelung der Helmnähte funktioniert.

Schönen Gruß,
Franz
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Re: Nachbau des Tauchanzugs von Peter Kreeft

Beitragvon Frog » Di 14. Mai 2019, 19:50

hier die Ankündigung des Ozeaneum für die Vorführung zum int. Museumstag.

https://www.ozeaneum.de/ozeaneum-news/p ... und-heute/
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Re: Nachbau des Tauchanzugs von Peter Kreeft

Beitragvon Frog » Di 21. Mai 2019, 04:41

ein erster Bericht der Ostsee-Zeitung

https://www.ostsee-zeitung.de/Vorpommer ... r-Ozeaneum
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Re: Nachbau des Tauchanzugs von Peter Kreeft

Beitragvon Tauch-Info-Büro » Di 21. Mai 2019, 22:20

19. Mai 2019: Internationaler Museumstag in Stralsund
Tja, so schnell wie die regionale Presse bin ich natürlich nicht, dafür aber genauer:

Teilnehmer
HTG: Ulf Bartel, Uwe Gläser, Christian Horn, Udo Lehmann und Norbert Gierschner.
Sicherungstaucher: auch „Vorführer von Sporttauchertechnik“ vom Tauchclub Stralsund Frank Strebelow und Jonas Stuth. Berufstaucher Detlef Gerstenberg.
Deutsches Meeresmuseum: Dr. Thomas Förster (Kurator für Maritimes Kulturerbe), Andreas Kuhl (Marketing), Diana Meyen (Pressesprecherin).
UW-Fotografie: Roland Obst.
Medien: Ostsee-Zeitung und die Fernsehsender NDR 1, Stralsund-TV und MV 1.
Schnuppe-Figurentheater: mit der Taucherpuppe Jaques und Birgit Schuster.
Und natürlich ein routinierter Kranführer sowie noch allerlei andere, hier aber leider nicht namentlich angeführte Helfer! Sorry. Den Tauchcontainer stellte das Tauchcenter Magdeburg (http://www.Tauchturm-Magdeburg.de) zur Verfügung.

Kreeft’sche Tauchermaschine
Im Wesentlichen in der in Leipzig eingesetzten Bauversion. Neu: Bleigewichte, „Kupferbarren“, der Bergungshaken, die „getarnte“ (Christian: Kreefts-Brotbeutel) Notluftversorgung.

Aktionen
So gegen 11 Uhr stieg Christian mit der Kreeft‘schen Tauchermaschine in den Tauchcontainer (ca. 15 min Tauchzeit), nachmittags wagte es Uwe noch einmal. Dazwischen führten Ulf und Udo Tauchgänge mit den klassischen Helmtauchergeräten vor. Im Laufe des Tages evtl. 200...300 Zuschauer?

Aus den aufgezeichneten Kommentaren
Christian
Der Anzug ließ sich gut anzuziehen und bot ausreichend Platz, man kann auch mit Neopren-Füßlingen einsteigen. Hat alles wunderbar funktioniert. Nur ohne Schutzanzug (ich hatte allerdings einen Body an) ist der Anzug innen recht klebrig und es gab Bedenken, ob es dann wegen des Unterzeugs nicht Probleme beim Ausziehen gibt. War aber das war nicht der Fall. Der Verschluss mit dem Fensterrahmen war auch okay. Bei der hohen Außentemperatur war es im Anzug recht schwitzig. Eine Mütze wäre gut, damit einem der Schweiß nicht über das Gesicht läuft.
Beim Eintauchen ins Wasser spürte ich sofort Wasser in die Beine einlaufen, es stieg bis zur Hüfte. Aber als es dann die Luftblase verdrängte, war das vorbei. Auch hatte ich das Gefühl, dass über die Kopfhaube Luft entwich, wie viel kann ich nicht sagen.
Ansonsten hatte ich zu viel Auftrieb, ich hätte noch mehr Blei gebraucht oder das Blei hätte anders am Körper befestigt werden müssen. Besser wäre die Befestigung mit den gekreuzten Gurten gewesen. Nach Franz sind es 2 x 6 kg gewesen, aber es war noch zu wenig. Also Tauchen mit dem Anzug ist möglich, solange man die Luftblase im Anzug aufrechterhält.
Das Bergen der Kupferbarren war möglich. Ich habe nach zwei Versuchen mit dem Haken eine Schlinge um den Barren legen können, damit wurde er dann nach oben gezogen. Alle Arbeiten habe ich in aufrechter Position erledigt, aber mit etwas weniger Auftrieb wäre es einfacher gewesen. Trotzdem, die Bergung hat funktioniert. Und das galt es ja zu beweisen.
Uwe
Der vom ersten Tauchgang noch nasse Anzug ließ sich etwas schwieriger anziehen. Dafür habe ich aber nicht einen so großen Wassereinbruch wie Christian gehabt. Etwa einen halben Liter würde ich schätzen, was nach dem Tauchgang aus den Füßlingen des Anzugs kam. Angenehm fand ich durchaus den Atemkomfort (hatte ich nicht erwartet).
Unangenehm war der rutschige Sitz der Bleilatschen. Trotz mehr Blei war der Auftrieb noch enorm. Ich musste ordentlich Luft ablassen, um unter Wasser laufen zu können. Das Ventil hat zu Beginn des Tauchgangs permanent abgeblasen, sodass ich es mit den Fingern zugehalten habe. Nach einiger Zeit hat es dann aber prima funktioniert. Das Ventil hat selbstständig geöffnet und geschlossen, so wie es eben sein sollte!
Die Gewichte unter den Achseln empfand ich nicht störend. Allein das schmale Seil der Gewichte hat unangenehm auf Schultern und Hals gedrückt. Wie Christian habe auch ich unbemerkt ein Gewicht verloren.
Ulf
Also wir haben immer noch die Undichtheiten im Taucherhelm, das muss noch einmal bearbeitet werden. Das bisherige Abdichten mit Birkenpech und dem Tape hat bisher nur geringe Erfolge gezeigt. Wir brauchen für weitere Tauchgänge noch anderes. Das Flatterventil verklebt immer noch, wenn es nicht verklebt, ist es ständig geöffnet. Alles in allem waren wir eine knappe halbe Stunde unter Wasser und die Kreeft’sche Tauchermaschine hat relativ gut funktioniert, was wir hiermit ja beweisen wollten und konnten.
Thomas
Meine Einschätzung zur Kreeft‘schen Tauchermaschine: Es ist ein sehr gutes Projekt mit der Historischen Tauchergesellschaft, hat etwas länger gedauert, war aber aus meiner Sicht ein Erfolg. Die Tauchmaschine ist doch wesentlich besser nachgebaut worden als wir sie in der Sammlung hatten. Wie jetzt weiter, werden wir sehen. Es gab den ersten Tauchgang in Leipzig, dann hier im Container in Stralsund - und es würde mich noch interessieren, wie sich das Gerät im Freiwasser verhält, also dass wir es in den Regionen einsetzen, wo Kreft auch unterwegs war. Ich denke da an einen Einsatz im Herbst von Zingst oder Prerow aus. Das könnte man die Seebrücke nutzen, auch um vernünftige Filmaufnahmen zu bekommen, um einen kleinen Film für uns zu produzieren.
Auch hat sich gezeigt, das Birkenpech zur Helmdichtung wenig gebracht hat, hier müssen wir noch einmal nacharbeiten und man wird ihn wahrscheinlich nicht ganz dicht bekommen wird. Das wird auch bei der ursprünglich Kreeft‘schen Tauchmaschine so gewesen sein - mit aus meiner Sicht der Konsequenz, dass man später zu geschlossenen Helmen, auch aus Kupfer, überging.
Auch haben wir ein großes Interesse daran, die Zusammenarbeit mit der HTG fortzusetzen. Zum einen haben wir Bestände an Taucherartikeln, die wir in Zusammenarbeit mit der der HTG genauer bestimmen möchten - und das man evtl. auch über weitere Projekte nachdenkt.
Aus meiner Sicht wäre natürlich interessant die ganze Bernsteintaucherei in der Ostsee, dass man evtl. die dabei verwendeten Geräte nachbaut. Ein anderer Punkt wäre eine Taucherglocke, von der evtl. eine Replik als Nachbau anfertigt. Zum anderen haben wir hier eine relativ große Sammlung an Druckkammern, mit der man sich auch beschäftigt könnte.
Es würde mich also sehr freuen, weiterhin mit der HTG zusammenarbeiten zu können.
Aus unserer Sicht wollen wir auch weiter recherchieren zu Kreeft. Wir gehen davon aus, dass wir im Stralsunder Stadtarchiv weitere Unterlagen finden. Leider ist es gerade geschlossen und dadurch kann momentan auf deren Bestände nicht zugegriffen werden. Aber wir werden weiter recherchieren, ob man noch weitere Informationen zu Kreeft findet. Es gibt hier auch eine sehr interessante Akte zum schwedischen Tauch- und Bergungswesen von 1868, die werden wir noch einmal durchforschen - ebenfalls in Zusammenarbeit mit der HTG. Fazit: Aus meiner Sicht eine gelungene Zusammenarbeit, die auch weiter fortgesetzt werden sollte.
Thomas, Ulf, Norbert
So, daher vielen Dank, erst einmal das Geschehen sacken lassen. Ich bin froh, dass alles wie besprochen über die Bühne gegangen ist, ohne Tauchunfälle oder mit den Leuten um und unter dem Kran herum. War eine spaßige Aktion, wenn es euch gefallen hat, auch gut. Vielen Dank.
Aber auch wir danken, dass wir hier zu Gast sein durften. Es war, auch mit freundlicher Unterstützung von Petrus, ein sehr schöner gelungener Tag.

Nachbemerkung N.G.
Die letzten Bilder sollten eigentlich die ersten sein! Habe ich deshalb nachher nummeriert.
Bekanntlich ist spätestens seit „Manche mögen es heiß“ ein geflügeltes Wort: „Nobody is perfect“! Also bitte ergänzen und korrigieren - und Pardon für nicht Gesagtes, was aber hier hätte noch erwähnt werden müssen…
Meine Bilder dazu stehen im Archiv der HTG. Hier nun der Link, mit dem jeder (auch ohne Archivzugang) sich diese Bilder herunterladen kann:
https://www.dropbox.com/sh/ypbcgw16k5pa ... 384va?dl=0
Weitere Bilder wird Roland Obst zur Verfügung stellen. Er hat direkt im Tauchcontainer fotografiert. Kann ich natürlich nicht toppen…
Dateianhänge
DSC_0273.JPG
7. Kreeft-Taucher Uwe
DSC_0262.JPG
6. Helmtaucher Ulf
DSC_0236.JPG
5. Helmtaucher Udo, von den "Medienvertretern belauert"
DSC_0206.JPG
4. Christian "Kreeft" bei der Barrenbergung
DSC_0197.JPG
3. Udo, der wichtige Mann mit der Luft
DSC_0192.JPG
2. Thomas, Ulf und Kreeft-Taucher Christian
DSC_0166.JPG
1. Die Ruhe vor dem Sturm
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Re: Nachbau des Tauchanzugs von Peter Kreeft

Beitragvon Franz » Mi 22. Mai 2019, 21:43

Hallo Zusammen,

als erstes meinen Dank an alle Beteiligten. Ohne engagierte Teamarbeit wäre das nicht möglich gewesen.

Es gehört schon ein gewisser Mut dazu, ist ein Wagnis vor breitem Publikum einen weiteren Testtauchgang zu unternehmen. Auch wenn nicht alles 100%-tig geklappt hat, wir haben wieder hinzugelernt. Das ist garnicht anders zu machen. Es handelt sich zwar um einen historischen Nachbau, aber genaugenommen leisten wir Pionierarbeit Richtung Vergangenheit. Wir entwickeln eine geschlossene lederne Helmtauchausrüstung, tasten uns experimentell an verlorenes Wissen heran. Die bestehenden Probleme sind sicher auf die eine oder andere Weise zu lösen.

Gruß,
Franz
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Re: Nachbau des Tauchanzugs von Peter Kreeft

Beitragvon Franz » Do 23. Mai 2019, 06:26

Hallo Zusammen:

Hier einige erste Gedanken.

Wasserdichtigkeit
Bei einem der Tauchgänge war wohl die Kausche nicht richtig dicht. Die eingedrungene Wassermenge beim anderen Tauchgang ist akzeptabel. Vielleicht hilft es, wenn innen entlang der Nähte nochmal nachgefettet wird. Wir sollten auf ein Fett mit geringerer Viskosität umsteigen. Das Leder selbst ist wasserdicht.

Luftdichtigkeit Helm
Dazu kann ich von hier wenig sagen. Das Dichtmittel scheint nicht richtig zu haften oder ist brüchig?

Gewichte
Es hat sich gezeigt, daß ein dichterer Helm deutlich mehr Auftrieb hat. Die benötigte Bleimenge müssen Christian und Uwe abschätzen, zweimal 8kg vielleicht.
Wenn die Gewichte unter den Achseln unbequem zu tragen sind, sollten wir uns überlegen, auf die Y-Gurte mit klassischen Brust- und Rückengewichten umzusteigen. Die existierenden Bleiplatten können dazu verwendet werden. Zusätzliches Gewicht hängen wir auf den Platten mit an.

Schuhe
Mit der Größe müssen wir leben. Waren die Halteriemen fest genug angezogen? Jetzt wissen wir, warum Schuhe besser sind als Sandalen. . .

Luftablaß
Welchen habt Ihr verwendet, kurz oder lang? Soll am unteren Ende noch ein Gewicht montiert werden?

Lederschläuche
Lassen wir diese erstmal links liegen, bis wir wissen wie der Helm besser abzudichten ist.

Sprachverbindung
Mit nur einer Membran würde sie wenigstens an der Oberfläche oder in geringerer Tiefe funktionieren. Das sollten wir aus bekannten Gründen nicht riskieren.

Gruß,
Franz
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Re: Nachbau des Tauchanzugs von Peter Kreeft

Beitragvon Frog » Do 23. Mai 2019, 20:21

Thema Sprechverbindung
beim untertauchen gab es einen hörbaren Klack .
was meiner Meinung nach von der Membran her kam als diese Druck bekam.
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Re: Nachbau des Tauchanzugs von Peter Kreeft

Beitragvon Franz » So 2. Jun 2019, 06:29

Hallo Zusammen!

In Stralsund waren Uwe und Christian mit 36 kg Blei beschwert. Das reichte jedoch gerade so aus.
Legen wir nochmal 4kg dazu und lassen zwei weitere Bleiplatten gießen:

img536#.jpg
Das existierende Gewicht wiegt 6 kg und ist 22 mm dick. Das Zusatzgewicht wiegt 4 kg und ist 14 mm dick. Durch die beiden 16 mm Bohrungen stecken wir eine Büchse mit einem Innendurchmesser von 10,5 mm für die Schäkelschraube M10.


40 mm Edelstahlschäkel, vielleicht finden wir solche aus Messing:

71ADrxk56ML._SL1000_.jpg


An den 4 Schäkeln befestigen wir die Ledergurte. Deren verstellbare Länge muß noch ermittelt werden.

Mit bleiernem Gruß,
Franz
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Re: Nachbau des Tauchanzugs von Peter Kreeft

Beitragvon Franz » So 2. Jun 2019, 08:16

Am 02.06.2019 um 08:01 schrieb Christian Horn:

> Hallo Franz,
>
> Wir hatten Uwe beim Tauchgang zusätzlich schon 4kg draufgepackt und er sagte, dass es gerade so ging. Wir brauchen definitiv mehr.
>
> Der Taucher braucht zum Arbeiten mehr Standfestigkeit. War damals bestimmt genauso. Somit wurden ihm ja zusätzlich immer „mehr Gewichte angehängt“.
>
> Würde sagen 6kg oder gar 8kg.
>
> Und zusätzlich würde ich mich von den Achselgewichten verabschieden und gekreuzte Gurte (Testtauchgang in Leipzig) verwenden.
>
> Gruß
> Christian



Hallo Christian,

Uwe war mit 36 kg beladen. Mit den beiden neuen 4kg Platten hätten wir 40 kg Blei.
Wenn wir die neuen Platten 6 kg schwer machen, kämen wir in Summe auf 44 kg. Das sind 8 kg mehr als in Stralsund.
Denkst Du das reicht?

Die Achselgewichte wollen wir an gekreuzte 3 cm breite Ledergurte hängen, das wäre im Prinzip wie Leipzig 2.

Gruß,
Franz


Historische Tauchergesellschaft e.V. Historical Diving Society Germany Villenstrasse 6, 67433 Neustadt/ Wstr. Deutschland / Germany Tel: + 49 (0) 6321 80923 Email: franz.rothbrust@historische-tauchergesellschaft.de www.historische-tauchergesellschaft.de
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Re: Nachbau des Tauchanzugs von Peter Kreeft

Beitragvon Franz » Di 4. Jun 2019, 09:23

Hallo Zusammen,

habe mit Dr. Förster telefoniert:

Abdichten des Lederhelms
Dr. Förster ist der Meinung mit der Mischung aus Pech, Terpentin und Vaseline die richtige Dichtmasse gefunden zu haben. Die Viskosität lasst sich steuern und die Masse bleibt elastisch. Sie war erwärmt und mit einem Spatel in die Nähte gedrückt worden. In einem weiteren Versuch sollen die Nähte mit Lederstreifen, die mit der Dichtmasse bestrichen sind, abgedeckt werden. Auch die Nähte im Bereich der Gegenlunge will man so behandeln. Als Termin für diese Arbeiten hat Dr. Förster den Juli genannt. Vorher ist man in Stralsund mit anderen Dingen beschäftigt.
Der Helm wird wohl nie ganz Luftdicht, unabhängig davon ob er aus dickerem Leder oder stärkerem Faden genäht wird. Diese Tatsache könnte damals dazu geführt haben, daß Helme in der Folge aus Kupfer gefertigt wurden.

Gewichte
In Stralsund wurden in Summe 36 kg Blei verwendet, das war deutlich zuwenig. Mit Uwe und Christian habe ich mich dazu per Email ausgetauscht, der Schriftwechsel steht im Forum und wird noch ergänzt. Es sollen nochmal 8 kg hinzugenommen werden. D.h. wir verdoppeln die Achselgewichte. Das ist noch in Diskussion. Dr. Förster ist mit der Herstellung weiterer Gewichte einverstanden. Rob Krul muß vorher die Kosten nennen.

Soweit die Anmerkungen von Dr. Förster.

Unser Projekt zeigt warum in den folgenden Jahren Helmtauchausrüstungen im Detail anders gebaut wurden:
- Undichte Lederhelme führten zum Kupferhelm.
- Die rutschigen Bleisandalen wurden durch Bleischuhe ersetzt.
- Aus den frühen Achselgewichten wurden Brust- und Rückengewichte.

Gruß,
Franz
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Re: Nachbau des Tauchanzugs von Peter Kreeft

Beitragvon Franz » Mi 5. Jun 2019, 15:50

Hallo Zusammen,

wir haben eine flexible Lösung für die Gewichte gefunden. Diese ist notwendig, da Christian und Uwe von verschiedener Statur sind.

Bestehende Achselgewichte 2 x 6 kg = 12 kg. Dieses Gewicht war für beide Taucher zuwenig.
Für Christian kommen noch 2 x 3 kg dazu. Achselgewichte in Summe 18kg.
Für Uwe weitere 2 x 3 kg. Achselgewichte in Summe 24kg.
Christian taucht mit vier Achselgewichten, Uwe hat sechs Bleiplatten umhängen.

Die Bleiplatten werden aneinandergelegt und von Schäkeln zusammengehalten. Sie sind so leicht zusammenzubauen oder zu demontieren. An den Schäkeln werden verstellbare Schultergurte befestigt.
Da wir jetzt mit mehr Gewicht tauchen, besteht die Gefahr, daß beim Vornüberbeugen, die Gewichte verrutschen und das Gleichgewicht stören. Deshalb wird durch die Schäkel zusätzlich ein Seil gezogen und verknotet, damit die Gewichte unter den Armen bleiben.

img540#.jpg
Das wären Uwe's Bleigewichte.


Wir müssen nochmal 4 Gewichte von je 3 kg gießen lassen. Sie werden je 11 mm dick sein.

Erleichtert,
Franz
Zuletzt geändert von Franz am So 9. Jun 2019, 13:50, insgesamt 6-mal geändert.
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Re: Nachbau des Tauchanzugs von Peter Kreeft

Beitragvon Franz » Mi 5. Jun 2019, 15:58

Apropo Gewichte, schaut mal, DAS sind Bleiplatten:

img539#.jpg

Interessant zu sehen, daß zu der Zeit noch Kauschen verwendet wurden. Welchen Vorteil man sich wohl von dem überbreiten Schulterstück versprach?
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Re: Nachbau des Tauchanzugs von Peter Kreeft

Beitragvon Franz » Do 6. Jun 2019, 14:07

Freunde der historischen Tauchtechnik!

Hier die Pressebeiträge zur Veranstaltung in Stralsund:

MV1 – Mein Land. Mein Sender: „Flugsimulatoren und historische Tauchmaschinen - Internationaler Museumstag“ (Ab Minute 0:15)
https://youtu.be/AfqASJ8o_Ys

Internationaler Museumstag in der Region (Ab Minute 2:20)
http://www.fas-tv.de/mediathek/8292/Int ... egion.html

Link zur Ausgabe vom Stralsunder Blitz am Sonntag (12.05.) mit Nennung der Tauchmaschine auf der Titelseite:
https://issuu.com/blitzverlag/docs/20190512_11





190508_lifepr_Tauchen damals und heute.pdf
(159.81 KiB) 259-mal heruntergeladen



Im "Nordkurier" steht, wir hätten der ersten Tauchanzug der Welt nachgebaut. Das stimmt natürlich nicht so ganz. . .

Gruß,
Franz
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Re: Nachbau des Tauchanzugs von Peter Kreeft

Beitragvon Franz » Fr 21. Jun 2019, 10:32

Hallo Zusammen!

Es gibt noch eine wichtige Baustelle, die Schläuche. . .

Bei Bergungsarbeiten in 20 m Tiefe an der "Royal George" (1839 - 1842) waren Helmtaucher im Einsatz. Damals konnte man Gummi noch nicht vulkanisieren und so wurden Lederschläuche verwendet. Diese hat man nach einem Rezept von Oberfeldwebel Jenklin Jones mit folgender Mixtur bestrichen: Pech, Bienenwachs und Talg [1]. Diese Dichtmasse sollten wir ausprobieren. Immerhin tauchte man damals bis 20 Meter Tiefe damit. Je nach Ergebnis werden weitere Versuche unternommen.

Hier liegen drei Stück Lederschlauch, zwei mit 1,5 mm Spirale, das Dritte mit einer 2 mm Messingspirale. Einer der 1,5 mm Draht-Schläuche ist nichtmehr zu verwenden, da die Messingspirale stark verformt ist. Dieser kann in kurze Stücke geschnitten werden um verschiedene Dichtmethoden auszuprobieren. Ich warte noch auf das OK aus Stralsund.

Gruß,
Franz

1: Dugan, James: Forscher und Taucher im Meer. Zürich, Diana Verlag, 1969. S. 33 - 37. Norbert Gierschner hat einen Text in seiner "Tauchgeschichte Spezial" Sonderausgabe III 2019, veröffentlicht: Oberst Pasley und die Royal George, Seite 7 -9. In diesem wird auf die Rezeptur hingewiesen.
Zuletzt geändert von Franz am Mo 24. Jun 2019, 16:30, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Nachbau des Tauchanzugs von Peter Kreeft

Beitragvon stg53 » Mo 24. Jun 2019, 14:35

Moin Franz,
die Schläuche sind aus dem selben Material und mit dem gleichen Nahtverfahren wie der KTA vernäht. Ich denke es lohnt nicht damit Testversuche zu machen. Die Nähte bekommt man damit nicht dicht und wie soll mit kurzen Schlauchstücken ein Schlauchdichtetest gemacht werden?
Eine Innenversiegelung kann ich mir zu Kreefts Zeit nicht vorstellen. Vielleicht sollte man das Problem mit spiralförmigen "Wickeln" angehen. Hier sehe ich am ehesten Lösungsansätze die zu befriedigendem Ergebnis führen können.
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Re: Nachbau des Tauchanzugs von Peter Kreeft

Beitragvon Franz » So 30. Jun 2019, 13:17

Wir verwenden vier verschiedene Nähte, je nach Funktion:

img590 #.jpg
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Re: Nachbau des Tauchanzugs von Peter Kreeft

Beitragvon stg53 » Di 2. Jul 2019, 07:41

Moin Franz, das bisherige Verfahren, dünnes Leder, Polymer-Faden und Nahtherstellung mit Maschine hat keine wirklich befriedigenden Ergebnisse erzielt. Die Luft perlt aus den Nahtlöchern. Ich sehe da keinen Unterschied, bei allen 4 Varianten die du aufzeigst, wird der Innendruck die Luft aus dem Schlauch durch die Löcher herauspressen. Je mehr Löcher im Material, desto mehr Undichtheiten gibt es. Zumal das Nähen mit Maschine durch Kreeft ja auch nicht gemacht wurde. Das Leder als solches ist zu dünn und der Polymer-Faden quillt nicht auf. Dadurch wird also kein natürliches verschließen der Nahtlöcher möglich.
Die Spirale sollte zwischen eine Innen- und eine Außenhülle eingebettet werden. Das hätte mehrere Vorteile. Die Spirale sitzt dann fest zwischen den Wandungen, wenn das Dichtmittel zwischen den Wandungen eine gewisse Steifigkeit nach dem aushärten erhalten hat, kann sie nicht so leicht knicken bzw. in sich zusammenfallen, wenn der Schlaucht mal eng gelegt wird oder man darauf tritt. Man könnte dann die Schlauchtüllen dichter, fester und effektiver mit dem geamten Schlauchkonstrukt verbinden.
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Re: Nachbau des Tauchanzugs von Peter Kreeft

Beitragvon Franz » Di 2. Jul 2019, 09:15

Ulf,

aus Kostengründen ließen wir mit der Maschine nähen. Wenn wir dickeres Leder verwenden, wird der Azug steifer. Das ist höchstens am Helm zu machen. Unser dünnwandiger Anzug gibt leichter nach, belastet nicht die Nähte. Die Schläuche müssen dünnwandig sein damit sie biegsam bleiben.

Das Aufquellen des Leders oder eines Naturfadens dichtet die Löcher nicht gasdicht ab. Nach dem Quellen vergrößert sich der Naturfadendurchmesser um ein Zehntel Milimerter vielleicht. Das Leder quillt in dem kleinen Lochdurchmesser nur wenig, da wird kaum "Schließdruck" wirksam. Handgenähte Lederstiefel werden wasserdicht, aber nicht unter Druck gasdicht.

Damals hat man Schafsdärme zusammen mit einer Lederhülle verwendet. Einen solchen könnten wir noch in den Schlauch ziehen. Man bekommt sie in verschiedenen Längen und Durchmessern. Vorher müsste man herausfinden, wie sie konserviert werden und elastisch bleiben.

Ich lebe in der Hoffnung unseren Schlauch mit Pech, Talg und Bienenwächs einigermaßen dicht zu bekommen. Sollte das nicht funktionieren, gehts mit Schafsdarm weiter. . .

Franz
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Re: Nachbau des Tauchanzugs von Peter Kreeft

Beitragvon Franz » Sa 6. Jul 2019, 16:55

Kreeftler!

Peter Dick und Richard Walsby haben sich auf die Suche nach alten Abdichtmethoden für Leder bzw. Lederschläuche gemacht.
Richard wurde fündig. . . . Hier meine Antwort an ihn mit einer Zusammenfassung. Ganz unten die Übersetzung von Richard's Nachricht.

Gruß,
Franz



Hallo Richard,
vielen Dank, einfach wunderbar, dass du die alten Komponenten und das entsprechende Mischungsverhältnis gefunden hast. Vielen vielen Dank.

Wir haben jetzt drei verschiedene Mixturen:

1) Klingert, nach Hermann Stelzner
3 Teile Wasser, 1 Teil Pech, 1 Teil Terpentin, 1Teil Schweinefett.

2) Jenkin Jones
Pech, Bienenwachs und Talg. Mischungsverhältnis unbekannt.

3) James Braidwood
4,5 Liter Rinderfußöl, 0,91 kg Talg, 0,1134 kg Bienenwachs. (Diese krummen Zahlen ergeben sich aus der Umrechnung der englischen Einheiten.)

1 & 3) Diese zwei Mixturen sind dünnflüssig, sie wurden verwendet um die Lederoberfläche zu behandeln.

2) Dickflüssig bis zähflüssig, sollte geeignet sein um die Nähte abzudichten.

So hätten wir verschiedene Mischungen zum Ausprobieren.

Ich werde Euch über den Fortschritt auf dem Laufenden halten.

Mit bestem Dank,

Franz



Hi Richard,

thanks a lot, just wonderful that you found the original mixture and the right components. Thank you very very much.

We now have three different mixtures:

1) Klingert, according to Hermann Stelzner
6 parts water, 2 parts pitch, 2 parts terpintine, 2 parts pig fat.

2) Jenkin Jones
Pitch, beeswax and tallow. Mixing ratio unknown.

3) James Braidwood
4,5 liters neat's foot oil, 0,91 kg tallow, 0,1134 kg bees wax.

1 & 3) These two mixtures will be very fluid, so I guess they were used to treat the leather surface.

2) Viscous, probably to seal the seams.

So we now have different mixtures to play around and try.

I will keep you informed about the progress.

Thanks a lot,

Franz

-------- Weitergeleitete Nachricht --------
Betreff: Re: Royal George
Datum: Fri, 5 Jul 2019 22:03:34 +0100 (BST)
Von: e-mail richard.walsby <richard.walsby@ntlworld.com>
An: Peter Dick <hdtimes@thehds.com>, Franz Rothbrust <franz.rothbrust@historische-tauchergesellschaft.de>


Peter, Franz
I have searched between the years 1750-1830
I have found the attached book, titled On The Construction of Fire-Engines and Apparatus.... by James Braidwood published in 1830 which gives a recipe for making riveted leather fire hoses waterproof:

https://books.google.co.uk/books?hl=en& ... se&f=false

You can find the formula in a note at the bottom of page 25 but the whole of the last paragraph on page 25 together with the first paragraph on page 26 is worth reading. The formula reads
1 gallon of neat's foot oil (ie 4.5 litres; neat's foot oil is derived from the shin bones and feet (not the hooves) of cattle)
2 pounds weight of tallow (ie 0.91 Kg; Tallow is purified beef or mutton fat)
0.25 pounds weight of bees wax (ie 0.1134 kg).
This appears to be the only book containing relevant information out of approx. 200 I have scanned. I hope it proves useful
Richard



On Thu, 4 Jul 2019 at 15:51, Franz Rothbrust < franz.rothbrust@historische-tauchergesellschaft.de> wrote:

Hello Peter!

We are still working on the Kreeft Hoses. When salvaging the Royal Gerorge (1839 - 1842), they used leather hoses which were treated with pitch, beeswax and tallow. This formula is from Jenkin Jones. Is the mixing ratio of these three components known? If not, I will try different mixtures.

Yours aye,
Franz



Übersetzung:

Peter, Franz
Ich habe zwischen den Jahren 1750-1830 gesucht und habe das beigefügte Buch mit dem Titel "Über den Bau von Feuerwehrautos und -Geräten" von James Braidwood aus dem Jahr 1830 gefunden, das ein Rezept für die wasserdichte Herstellung von genieteten Lederschläuchen enthält:

https://books.google.co.uk/books?hl=de& ... cqRFFIfNyg

Sie finden die Formel in einer Notiz am Ende von Seite 25, aber der gesamte letzte Absatz auf Seite 25 zusammen mit dem ersten Absatz auf Seite 26 ist lesenswert. Die Formel lautet
1 Gallone Fußöl (dh 4,5 Liter; Öl wird aus den Schienbeinknochen und Füßen (nicht den Hufen) von Rindern gewonnen)
2 Pfund Talg (dh 0,91 kg; Talg ist gereinigtes Rind- oder Hammelfett)
0,25 Pfund Bienenwachs (dh 0,1134 kg).
Dies scheint das einzige Buch zu sein, das relevante Informationen aus ca. 200 die ich gescannt habe. Ich hoffe, es erweist sich als nützlich
Richard



Am Do, 4. Juli 2019 um 15:51 schrieb Franz Rothbrust <franz.rothbrust@historische-tauchergesellschaft.de>:

Hallo Peter!

Wir arbeiten immer noch an den Kreeft-Schläuchen. Bei der Bergung der Royal Gerorge (1839 - 1842) wurden Lederschläuche verwendet, die mit Pech, Bienenwachs und Talg behandelt wurden. Diese Formel stammt von Jenkin Jones. Ist das Mischungsverhältnis dieser drei Komponenten bekannt? Wenn nicht, werde ich verschiedene Mischungen probieren.

Mit freundlichen Grüßen
Franz
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Franz
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Re: Nachbau des Tauchanzugs von Peter Kreeft

Beitragvon oxydiver » Di 23. Jul 2019, 06:38

Hallo,
innerhalb dieses Filmchens über das Museum Dumas ist ab min 8:27-9:14 der Tauchgang mit einem nachgebauten Ledertauchanzug (https://le-scaphandrier.blog4ever.com/l ... -de-beauve) zu sehen. Ein Überdruckventil im Helm blubbert, eine Sprachverbindung wird simuliert und der Blasebalg mit Fußbetätigung dargestellt. Wobei das Mädel allerdings gegen keinen bis wenig Druck pumpt, man könnte also denken der hat wirklich einen Brustpanzer darunter....

Video: https://www.facebook.com/jacques.chabbe ... 556358969/

Gruß Micha
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oxydiver
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