hist. Aufzeichnungen/Pläne Tauchcenter la Raffa Almeria

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hist. Aufzeichnungen/Pläne Tauchcenter la Raffa Almeria

Beitragvon Pino R. P. Brenner » Fr 28. Okt 2022, 01:15

Guten Tag,
Ich bin auf der Suche nach Informationen bzgl. des Tauch- Centers/ Hotels „la Raffa", welches Hans Hass in Andalusien- nahe Almeria, geplant haben soll. Es wurde nie umgesetzt, könnte für uns aber einige interessante Daten für aktuellen Projekte liefern. Selbstverständlich interessiert uns auch generell die lokale Historie dahinter.
Ich bin selbst seit einigen Jahren Forschungstaucher und zusammen mit meiner NGO Ambiente Europeo kreieren wir jedes Jahr viele Projekte die dem Schutz der Meere gelten. Ganz im Auftrag eines meiner Kindheitsidoles Hans Hass :) Ich hoffe ihr könnt mir weiterhelfen und ich bin wirklich für jegliche Informationen dankbar.

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Pino R. P. Brenner
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Re: hist. Aufzeichnungen/Pläne Tauchcenter la Raffa Almeria

Beitragvon Franz » Sa 29. Okt 2022, 13:58

Hallo Pino,

ich schicke dir die Emailadresse eines unserer Mitglieder, das sich auf Hans Hass spezialisiert hat, in einer persönlichen Nachricht in diesem Forum.
Zu dem Tauchcenter habe ich irgendwo Entwurfszeichnungen gesehen. Das Thema ist interessant und wir könnten einen Artikel in unserer Zeitschrift "TauchHistorie" dazu veröffentlichen.

Gruß,
Franz
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Re: hist. Aufzeichnungen/Pläne Tauchcenter la Raffa Almeria

Beitragvon Pino R. P. Brenner » Mo 31. Okt 2022, 01:31

Hallo Franz,
vielen Dank für deine schnelle Antwort und das Vermitteln deines Kontaktes. Ich bin sehr gespannt darauf was wir herausfinden werden. Sehr gerne können wir gemeinsam alles zusammentragen um einen Artikel zu unterstützen/ formen - Ich werde vor Ort noch weiter recherchieren und vielleicht interessiert euch ja auch, wie solche historischen Ereignisse unsere Projekte in der Gegenwart inspirieren.
LG aus Andalusien
Pino
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Re: hist. Aufzeichnungen/Pläne Tauchcenter la Raffa Almeria

Beitragvon Franz » Mo 31. Okt 2022, 14:25

Hallo Pino,

viel Erfolg bei der Recherche. Ich höre mich hier in Deutschland ebenfalls danach um.
Das wird sicher interessant.

Gruss,
Franz
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Re: hist. Aufzeichnungen/Pläne Tauchcenter la Raffa Almeria

Beitragvon MJung » Mi 2. Nov 2022, 08:25

Hallo,
der Name lautet "La Parra".
Hier die Passage dazu aus meiner Biografie über Hans Hass:

..... Diese Überlegungen bewogen Hans Hass, sich gemeinsam mit seinem Weg¬genossen Eibl-Eibesfeldt um eine Verbindung zwischen biologischen und touristischen Bestrebungen zu bemühen. An der Südküste Spaniens wurde ihnen 1974 die Gelegenheit zu einem praktischen Versuch geboten. In der Nähe von Almeria stand das 4-Sterne-Erholungs- und Freizeit¬zentrum "La Parra". Dabei handelte es sich um einen grossen Hotel¬komplex mit einer Tauchschule, der auf Initiative des deutschen Finanzberaters Jürgen Amann errichtet worden war. In einem 10 Meter tiefen Tauchturm konnte auch bei ungünstigem Wetter die Ausbildung durchgeführt werden. Im La Parra-Club sollte nach den Vorstellungen von Hass eine bio¬logisch orientierte Tauchschule und ein internationales Zentrum für Meeres¬¬schutz¬¬bestrebungen entstehen. Gleichzeitig sollte La Parra eine Aktionsbasis für die VBMU werden. Wenn dieses Vorhaben erfolgreich sein würde, wollte Hass weitere Zentren an tropischen Küsten einrichten. Um diese Ziele weiter¬verfolgen zu können gründete er noch 1974 in Wien die "Gesel¬lschaft zur Förderung der aquatischen Öko¬technik".
Hass gliederte der Tauchschule ein biologisches Labor an, wo die Schüler in Vorträgen, Diskussionen und wissenschaftlich orientierten Tauchgängen unter der Obhut eines Fachbiologen darüber aufgeklärt wurden, was es im Meer al¬les zu sehen und zu beachten gibt. Für Nichtsportler, ältere Gäste und Kinder wurde zudem ein Programm zusammengestellt, das "bio¬logische Spazier- und Schnorchelgänge" im flachen Wasser anbot. Grund¬idee war dabei, den Touristen ein neues, mehr auf Meeresschutz be¬dachtes Mensch-Meer-Verhältnis, ein besseres Tourist-Meer-Verhältnis, zu ver¬mitteln. Die Tauch¬schüler sollten mit biologischer Forschung vertraut ge¬macht werden und mit der so vielseitigen Problematik der Ökologie und Evolution. Im Meer vor dem Hotel sollten künstliche Unter¬wasser¬strukturen entstehen: Riffe aus Kunststoff, an Bojen auf dem Meeresgrund befestigte "Unterwasserbäume" aus Seilen und Stangen und als besondere Attraktion ein Unterwasserhaus in 10 Meter Tiefe, in dem Fortgeschrittene auch eine Nacht verbringen konnten.
Mit dem Unterwasserhaus hatte es eine ganz besondere Bewandnis. Hans Hass hatte es gemeinsam mit dem öster¬reich¬ischen Architekten Professor Karl Schwanzer (bekannt geworden durch die Planung des BMW-Hauses neben dem Olympiagelände München) entworfen, mit dem er auch schon 1973 ein Seminar über Unter¬wasser¬häuser an der Technischen Hochschule in Wien ab-gehalten hatte. Dieses Haus stützte sich auf die Erfahrungen, die bei den ameri¬kanischen und französischen Versuchs¬reihen mit "Sea-Lab" und "Pre¬continent" erzielt wurden. Das Unterwasserhaus vor Almeria sollte das erste in der Welt sein, das auch Touristen offensteht und ausser¬dem bereits den Weg einer modernen Unter¬wasser¬architektur auf¬¬¬zeigt. Das erste Unter-wasserhotel der Welt sollte nur von unter Wasser her zugäng¬lich sein und 12 Taucher be¬herbergen können. Es war beabsichtigt, darin Film¬vorführungen und Diskussionen über Themen der Meeres¬-forsch¬ung und über Meeresschutz sowie über die mannigfachen Wunder des Meeres und deren heutige Gefährdung abzuhalten. Nächtliche Aus¬flüge in die umliegenden Unterwassergärten waren geplant, auch Unter¬¬wasser¬konzerte. Unter Wasser überträgt sich der Schall unmittelbar auf den ganzen Körper, ein Erlebnis besonderer Art. Durch das "Fühlen" der Musik und der Schwere¬losig-keit sollte dem Besucher Abstand zur "normalen" Welt ver¬mittelt werden, und zugleich auch ein vertieftes Er¬lebnis der Meeres¬natur.
Aber Hans Hass verfolgte mit dem Unterwasserhaus noch eine andere Ziel¬¬¬setzung: Unterwasserhäuser hatten sich für die neue Technik des Sättigungs¬tauchens als wichtig erwiesen. Von solchen Häusern aus, in denen Taucher Wochen und Monate leben, können bis in 500 m Tiefe Unter¬wasserarbeiten ausgeführt werden. Hier in Almeria ergab sich die Mög¬lich¬keit, an einer grossen Taucherzahl zu untersuchen, wie ein solches Unter¬wassergästehaus zukünftig eingerichtet und dimensioniert sein muss, um den angeborenen menschlichen Verhaltensweisen bestmöglich zu ent¬sprechen. Somit war also in Almeria neben ökologischer auch ethologische Forschung auf dem Gebiet der Humanethologie vorgesehen.
Im Umkreis des Unterwasserhauses war die Errichtung künstlicher Strukturen geplant. Für die Intensivierung der Besiedlung freier Meeres¬räume - ein für künftiges Sea-Farming bedeutsames Problem - ist es wichtig, für Fische und andere Meerestiere künstliche Versteck¬möglich¬keiten zu schaffen. Bei der ständigen Bevölkerungsvermehrung in aller Welt ist die Nahrungsgewinnung aus dem Meer ein besonders wichtiges Problem. Nun ist das weite offene Meer ziemlich fischlos - weit-gehend des¬halb, weil es dort für Tiere keinen Schutz gibt. Zu solchem Zweck hat man bereits an manchen Küsten Autowracks ins Meer versenkt, in denen sich dann Meerestiere an¬siedelten, oder aus Beton "Unterwasser¬ställe" errichtet. All das führt jedoch nur zu verbesserten Lebensbedingungen auf dem Meeresboden selbst - ändert aber nichts an den freien Räumen. Hass schwebte für diese Räume eine weniger kost¬spielige, neue Methode vor, die er vor Almeria erproben wollte. Von einem Betongewicht führte ein Nylon¬seil zur Oberfläche, wo es durch eine Kunststoffboje getragen wird. An diesem senkrecht hoch¬führenden Seil sollten Kunststoffgebilde ver¬schie¬dener Form und Gestalt befestigt werden - bürstenartige Gebilde, Platten, Röhren und ähnliches. Ins¬gesamt erinnern diese Strukturen an Tange, wie sie an der kali¬fornischen Küste aus grosser Tiefe empor¬wachsen. Hass vermutete, dass sich zwischen solchen Strukturen Fische und andere Meeresorganismen ansiedeln würden, und es interessierte ihn auch, welche Art von Struktur (Form und Farbe) von den einzelnen Arten bevor¬zugt wird. Auch durch Plastik¬folien gebildete, künstliche Höhlen auf dem Grund sollten errichtet werden. Taucher, die selbst einen Unter¬wasser-"Baum" entwerfen und pflanzen wollten, sollte dies gegen Be¬zahlung der Materialkosten möglich sein. Die das Unter¬wasser¬haus um¬geben¬den Unterwasser-"Wälder" sollten so nicht nur dem Unter-wasser¬foto¬grafen neue bizarre Motive bieten und dem Unterwasser¬künstler von Morgen vielleicht ein neues Medium ästhetischer Gestaltung, sondern auch dem Biologen ein interessantes Experimentierfeld. Das Meeres¬gebiet vor dem La Parra-Club und dem Cabo de Gata sollte bis in eine Tiefe von 50 Metern zum Natur¬schutz¬gebiet erklärt werden, um den Biologen und den Unter-wasser¬touristen ungestörtes Forschen zu ermög¬lichen.
Schon die ersten Presseinterviews, in denen Hass seine Pläne be¬kannt¬¬gab, hatten eine ausserordentliche Resonanz - weit über die spanische Grenze hinaus. Das spanische und deutsche Fernsehen, die BBC in Eng¬land, die CBS in den USA und andere Stationen wollten Sendungen über und aus dem Unterwasserhaus bringen, viele Zeitungen wollten ihre Ver¬treter nach Almeria senden. Das Hotel und die Tauchschule wurde Anfang Juni 1974 er¬¬öffnet und der Gedanke einer Symbiose zwischen Biologie und Touris¬mus überall gutgeheissen.
In der bio¬logischen Forschungssta¬tion sollen auch Studenten arbeiten, die den Unter¬¬wasser¬park betreuten, wissen¬schaftlich arbeiteten und auch den Gästen für Fragen zur Verfügung ste¬hen. Eine besondere Forschungs¬auf¬gabe sollte es sein, das Verhalten der Fische in diesen künstlich ge-schaffenen Riffstrukturen zu untersuchen. Einer der ersten der in dieser natur¬¬wissenschaftlich orientierten Tauchschule tätigen Biologen war Werner Katzmann vom österreichischen Bundes¬¬-institut für Gesundheits¬wesen und Umweltschutz. Ihm folgten weitere Lehr¬kräfte der Wiener Uni-versität. Die Resonanz auf die Bestrebungen der Wissen¬¬schaftler war sehr gut, und viele der dort aus¬gebildeten Taucher wurden für die Belange des Meeres¬schutzes sensibilisiert und so zu Mitstreitern für die Erhaltung der Unter¬wasserwelt. Hass gewann die Erkenntnis, dass eine Partnerschaft zwischen Biologie und Tourismus nicht nur für beide Seiten förderlich sondern geradezu not¬wendig ist. Um den Sporttauchern die biologische Denk¬weise sowie die Probleme des Meeresschutzes näherzu¬bringen, und bei ihnen Interesse und Ver¬ständnis zu wecken, schrieb Hans Hass gemein¬sam mit Werner Katz¬mann noch 1975 das Buch "Der Hans-Hass-Tauch¬führer: Das Mittelmeer".
Leider musste schon knapp ein Jahr später der Betrieb der biologisch ori¬entierten Tauchschule eingestellt werden: Ein spanischer Admiral hatte dem Hotel "La Parra" überraschend die Genehmigung mit der fadenschei¬nigen Begründung entzogen, durch "die meeresbiologischen Arbeiten würde die Verteidigungsbereitschaft der spanischen Küste in Frage ge¬stellt". Die wahre Ursache für die unfreundliche Absage der spanischen Regierung kam nie an das Tageslicht, aber man kann vermuten, dass ge¬wisse Regierungskreise im Hinblick auf die Beliebtheit der Unterwasser¬jagd in der spanischen Bevölkerung keine allzu starke Meeresschutzlobby, die möglicherweise einen Konflikt verursachen kann, vor ihrer Haustür dulden wollte.

Gruß

Michael Jung
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