Weiterbildung von Helmtaucher-Muggels

Rund ums Helmtauchen!

Weiterbildung von Helmtaucher-Muggels

Beitragvon Lothar » So 25. Apr 2021, 14:20

Hallo liebe Helmtauchers,
angelegentlich einer Übersetzung eines Artikels von Fabio Vitale über russische Tauchhelme für die übernächste TH habe ich gemerkt, dass ich nur lückenhaft weiß, was Helmtauchen ist. Das wird den anderen Helmtaucher-Muggels in der HTG genauso gehen.
Da Ihr sowieso auch langsam am Eintrocknen seid in diesen Lock-Down-Zeiten, könntet Ihr uns Muggels doch weiterbilden, z.B. anhand von Fragen, die Muggels hier stellen. Ich hätte vorerst so 10 Fragen brennend auf den Nägeln, die ich schrittweise (damit nicht alles durcheinander kommt) hier stellen würde.
Und es wäre nett und hilfreich, wenn Ihr die hier beatworten könntet (möglichst ohne gegenseitige Zerfleischungen wegen Meinungsunterschieden aber gerne mit Meinungsvielfalt).
Meine ersten Fragen wären:

1. Die ersten Taucherhelme waren ja offene Helme (Gebrüder Deane usw.).
Die Kälteschutzanzüge dazu, waren die nass oder trocken (ev. gab's ja beides) und wenn trocken, wie war die Belüftung des Anzugs?

2. Was ist das Motiv, heute noch mit Helm zu tauchen (aktuelle Produktion z.B. Desco, Russland usw.) gegenüber dem Tauchen mit Trocki, VGM, Wasserpfeife, Schutzhelm? Was sind die Vorteile?

3. Ich kenne Helmanzüge mit Schlauchversorgung und mit Kreisel am Mann. Gibt es auch unabhängige Anzüge mit offener Versorgung (Luft...Heliox)? Wenn nein, warum nicht?

So, das wäre mal die Initialisierung. Feuer frei.
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Re: Weiterbildung von Helmtaucher-Muggels

Beitragvon Lothar » Mo 26. Apr 2021, 08:40

Moin,
Dieter Harfst hat per Mail geantwortet, was ich hier mal stellvertretend einstelle:
############
Ich schaffe es immer noch nicht ins Forum zu kommen – macht auch nix!
Warum Helmtauchen? Alle, die meine Biografie gelesen haben, wissen, dass ich die von mir so genannte „Gummischeiße“ nicht mag. Vielleicht auch darum, weil ich im Helm „groß“ geworden bin und der Drägerhelm mir an der Herrenbrücke in Lübeck das Leben rettete. Mit „Gummischeiße“ wäre ich schon in der Hölle!!!
#############

Mmmh, was hat Dich gerettet?
Die harte Hülle um Dein Köpfchen?
Gruß, Lothar
p.s. Deine Biographie könntest Du mir mal schicken, büdde.
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Re: Weiterbildung von Helmtaucher-Muggels

Beitragvon Helmtaucher » Mo 26. Apr 2021, 15:19

Hallo Lothar,

ich will mal versuchen, Deine Fragen zu beantworten. Andere mögen mich korrigieren:

Zur ersten Frage kann ich Dir nicht wirklich was sagen. Mit dieser Zeit hab ich mich nicht wirklich befasst.

Zur zweiten Frage: Die Helmtaucherei hat zwei entscheidende Eigenschaften: Erstens ist der Taucher über einen Schlauch mit Luft versorgt. Das ermöglicht wesentlich längere Tauchzeiten (bis zu mehreren Stunden) und ist im Falle einer Verunfallung des Tauchers auch wesentlich sicherer. Wie bei der Vollgesichtsmaske wird der Taucher auch dann noch mit Atemgas versorgt, wenn er z.B. durch Ohnmacht oder einen Krampf nicht mehr in der Lage ist, ein Mundstück im Mund zu behalten. Außerdem ist der Luftvorrat praktisch nicht begrenzt, was auch ein wesentliches Sicherheitsmerkmal darstellt.

Außerdem ist der Kopf durch den Helm gegen Beschädigung von außen geschützt, was gerade auch bei Bautauchern sehr wichtig ist, genau wie bei ihren Kollegen an Land.

Frage 3: Kreislaufgeräte sind bei modernen Helmtauchern nicht mehr üblich. Die letzten hier eingesetzten Geräte waren die DM20/DM40 Geräte von Dräger. Heute wird mit Helmen praktisch ausnahmslos schlauchversorgt getaucht. Die modernen Kreislaufgeräte sind für das rauhe Berufstauchen viel zu fehleranfällig, und Kreislaufgeräte wie sie beim Militär eingesetzt werden sind entweder zu sehr beschränkt in der Tauchtiefe und auch zu aufwändig im Betrieb. Offene Systeme sind nicht gebräuchlich, weil die Tauchzeiten viel zu begrenzt sind, da der Luftverbrauch beim anstrengenden Berufstauchen mit der schweren Ausrüstung relativ hoch ist.

Ich hoffe, Dir etwas geholfen zu haben!

Gruß Thomas
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Re: Weiterbildung von Helmtaucher-Muggels

Beitragvon Lekies » Mo 26. Apr 2021, 15:39

zur ersten Frage,) bei den offenen Helmen war häufig eine Lederjacke an den Helm angenietet. Die Helme selbst hatten in der Regel kein Auslassventil, sondern die zugeführte Luft entweicht unten aus der Jacke unterhalb des Leibgurtes. Unten nass oben (relativ) trocken.

zur dritten Frage), es gibt durchaus noch moderne Kreislaufgeräte für die Offshore Taucherei. Wird aber nur bei sehr großen Tauchtiefen eingesetzt, weil da selbst ein Doppelzehn nur für ein paar Minuten reicht. Sieht dann etwa so aus: http://www.therebreathersite.nl/SemiClo ... _mk_iv.htm
oder auch als cooles video:
https://www.youtube.com/watch?v=djBGGWHqwvA
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Re: Weiterbildung von Helmtaucher-Muggels

Beitragvon Helmtaucher » Mo 26. Apr 2021, 16:35

Hallo Volker,

die Kreislaufsysteme in Deinen beiden Links dienen aber nur entweder als Bailout, wenn aus irgendeinem Grund die Gaszufuhr über den Schlauch nicht mehr funktioniert, oder um die Verwendung des teuren Heliums zu strecken, indem man das Gas immer wieder durch den Scrubber im Backpack führt und nur das verbrauchte Gasgemisch ersetzt. In beiden Fällen ist der Taucher mit dem Schlauch (Umbilical) mit der Taucherglocke bzw. mit der Oberfläche verbunden.

Gruß Thomas
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Re: Weiterbildung von Helmtaucher-Muggels

Beitragvon Gottfried » Di 27. Apr 2021, 08:10

Grüß Gott aus dem Süden,
zu Frage 2: Helmtauchausrüstungen werden nicht nur in Russland weiterhin gefertigt sondern auch in China und Korea. Meines Erachtens ist das eine reine Kostenfrage und die Möglichkeit einfacher Reparaturen am Kupferhelm und Ausrüstung (Luftversorgung über "Maler-Kompressor etc.).
Die amerikanischen Helme dürften aber eher für Sammler gefertigt werden.

Gottfried
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Re: Weiterbildung von Helmtaucher-Muggels

Beitragvon Lekies » Di 27. Apr 2021, 09:18

Helmtaucher hat geschrieben:Hallo Volker,

die Kreislaufsysteme in Deinen beiden Links dienen aber nur entweder als Bailout, wenn aus irgendeinem Grund die Gaszufuhr über den Schlauch nicht mehr funktioniert, oder um die Verwendung des teuren Heliums zu strecken, indem man das Gas immer wieder durch den Scrubber im Backpack führt und nur das verbrauchte Gasgemisch ersetzt. In beiden Fällen ist der Taucher mit dem Schlauch (Umbilical) mit der Taucherglocke bzw. mit der Oberfläche verbunden.

Gruß Thomas


Moin Thomas,
Autonomes Tauchen, egal ob mit Helm, Vollgesichtsmaske, Schnorchel, Kreisel oder Luftversorgung ist heutigentags in der gewerblichen Taucherei so oder so nicht mehr zulässig! Von daher kann ein Kreislaufgerät im gewerblichen Einsatz eigentlich nur als Bailout eingesetzt werden.

Liebe Grüße aus dem sonnigen Norden
Volker
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Re: Weiterbildung von Helmtaucher-Muggels

Beitragvon Lothar » Di 27. Apr 2021, 14:20

Hallo,
na, da ist doch schon einiges zusammengekommen, was ich so nicht wusste.
Aber es wirft auch weitere Fragen auf, die ich eigentlich gar nicht gesehen hatte.

4. Ist "Helmtauchen" nur das mit Metall/Kupferhelm oder das, wo man eine etwas größere geschlossene Hülle um den Kopf hat, die mit dem Anzug verbunden ist (wo man also den Kopf drin bewegen kann, die auch aus Kunststoff sein kann), also im Gegensatz zur VGM, die relativ fest am Kopf sitzt und mit ihm bewegt wird, manchmal gar nicht mit dem Anzug verbunden ist? Der Helm könnte ja auch einfach ein nasser Plastik-Schutzhelm sein.

5. Wird eigentlich noch zwischen "schwerem" und "leichtem" Tauchen unterschieden im professionellen Tauchen (von 1-at-Anzügen abgesehen), Schuhe oder Flossen? Und wo wäre die Grenze bzw. der Unterschied?

6. Darf kein professioneller Taucher (wie Volker sagte) mehr autark tauchen (natürlich außer militärischen)? Gibt's dafür 'ne Tiefengrenze?

7. Beim schlauchversorgten Tauchen in größeren Tiefen (ich kann mir gar nicht vorstellen, wie man in 120 m die Versorgungsleitungen hinter sich her schleppen kann) muss das Atemgas doch sicher gedrückt werden. Ist dann im Helm ein Demandsystem oder immer noch Freeflow? Wenn Demand, braucht der Taucher doch eigentlich ein Mundstück, oder wie wird das gemacht?

8. Gibt's bei Heliox eine Rückführung des ausgeatmeten Gases, oder geht das auch einfach ins Wasser?

Entschuldigt, mir wär's auch lieber, man könnte beim Bier drüber sprechen.
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Re: Weiterbildung von Helmtaucher-Muggels

Beitragvon Lothar » Di 27. Apr 2021, 18:58

Die Dänen haben gerade schöne Bilder zum DM40-Injektor, wie er wohl heute noch bei den Helium-Helmen verwendet wird, in ihrer neuen Zeitung.
Dass einfach das Anatmen ohne Mundstück im Helm reicht, um den Injektor anzuschmeißen, wundert mich zwar etwas.
Aber es muss ja wohl funktionieren.
Was die verflixten 6 bzw. 10 Zyklen bei den Russen-He-Helmen sind, hab' ich aber immer noch nicht kapiert.
Das hängt doch nur vom Atmen ab, oder gibt's da doch noch über die Leitung einen Druckstoß für den Injektor 6 oder 10 Mal/min?
Strömt da ständig wenig Atemgas durch den Injektor oder sitzt da noch ein Demand-Regler?
Morgen übersetze ich mal den dänischen Artikel.
dm40-injektor01.jpg

dm40-injektor02.jpg
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Re: Weiterbildung von Helmtaucher-Muggels

Beitragvon Lothar » Di 27. Apr 2021, 19:33

Ich hab'doch noch 'ne Rohübersetzung laufen lassen.
Wen's interessiert...
dm40-injektor.pdf
(119.73 KiB) 33-mal heruntergeladen
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Re: Weiterbildung von Helmtaucher-Muggels

Beitragvon Lekies » Di 27. Apr 2021, 19:33

Der Umwälzzyklus wird nicht durch die Atmung getriggert. Vielmehr entsteht an der Venturidüse durch das ausströmende Atemgas im Steuerrohr ein Überdruck. Schön im unteren Bild links in der Schemazeichnung dargestellt. Im Strömungsrohr reißt das aus der Vorratsflasche strömende Gas an der Seite die Umgebungsluft / gas mit und erzeugt so die Umwälzung des Gases. Dabei ist es von der Gestaltung der Venturidüse abhängig wie wirksam das umgebende Gas mitgerissen wird. Die haben die Ausführung offenbar so optimiert, dass das Volumen im Helm und Anzug ca. 10 statt bisher 6 mal pro Minute umgewälzt wird.
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Re: Weiterbildung von Helmtaucher-Muggels

Beitragvon Lothar » Di 27. Apr 2021, 19:50

Ok, das war wieder ein wichtiger Verständnisschritt.
Aber warum ist dann im DM40 der CO2-Anstieg ein Problem (Eure Diskussion in WhatsApp), wo doch x-Mal/pro Minute durch den Injektor mit frischem Atemgas gespült wird?
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Re: Weiterbildung von Helmtaucher-Muggels

Beitragvon Lekies » Di 27. Apr 2021, 20:21

Tja, weil Theorie und Praxis nunmal manchmal Welten trennen...
Der Helm und vor allem der Bereich im Anzug sind eben leider kein ideal belüftetes Behältnis, in dem sich das Gas ideal umwälzen lässt. Da bilden sich unbelüftete "Taschen" z.B. in den Ärmeln und die Luft im Unterzeug lässt sich auch nicht ohne weiteres austauschen. Aber vor allem ist CO2 schwerer als Luft und sinkt nach unten und im Anzug steigt dann sukzessive der Pegel immer höher, wenn die Umwälzung nicht perfekt funktioniert. Natürlich spielt es zum Beispiel auch noch eine Rolle, wie dicht der Kalk gepackt ist und dass die Venturidüse 100%ig sauber ist, wenn sich z.B. durch Oxidation der Querschnitt ändert, gibts Probleme... Viele Faktoren die da zusammenspielen
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