Nachbau des Tauchanzugs von Peter Kreeft

Meinungen, Fragen, Diskussionen zu Themen, die in keine der obigen Kategorien passen

Re: Nachbau des Tauchanzugs von Peter Kreeft

Beitragvon Franz » Do 14. Dez 2017, 19:03

Lederfans,

Gottfried Keindl rief an. Er hat ein kurzes Stück Schlauch fertig. Innendurchmesser 15 mm, Messingdrahtdurchmesser 1,5 mm. Fäden und Leder gewachst. Der Schlauch ist bei 0,5 bar luftdicht. Versuchsweise wurde er an eine erste Stufe angeschlossen, 8 bar. . . Er hat im Wasser entlang der Naht gesprudelt, ist aber nicht geplatzt oder aufgerissen. Gottfried will noch einen zweiten Versuch mit besserem Leder durchführen.

: )
Franz
Zuletzt geändert von Franz am Fr 15. Dez 2017, 08:27, insgesamt 1-mal geändert.
Benutzeravatar
Franz
HTG-Mitglied
 
Beiträge: 987
Registriert: Fr 24. Jun 2011, 15:29
Vorname: Franz
Spezielle Interessen: Alte Tauchausrüstungen, Tauchgeschichte. . . .

Re: Nachbau des Tauchanzugs von Peter Kreeft

Beitragvon oxydiver » Do 14. Dez 2017, 22:12

Hallo,

auch von mir wieder ein kleines Update. Ich hab Rückschlagventil und Membrandose im Rohbau fertig. Hab versucht alles möglichst flach zu bekommen. Die Gewindestutzen und das Rückschagventil hab ich aus einer 3/4" Messingkappen gedreht. Die Membrandose ist wirlich das Oberteil einer Verdünnungsdose und hat 100mm Durchmesser. Als Membran werd ich aus Kostengründen mal versuchen ne Bierdose aus Weißblech (wegen löten) zu finden. Die sollen Wandstärken unter 0,1mm haben, muss mal mit nem Magnet in die Kaufhalle gehen. Also Dosenbiertrinker haltet mal Magneten an eure Dosen, dann brauch ich nicht so lange suchen ;)

membran und rückschlag.jpg
membran und rückschlag 1.jpg


Gruß Micha

Der nur Aludosen hat
Benutzeravatar
oxydiver
HTG-Mitglied
 
Beiträge: 504
Registriert: So 16. Okt 2011, 20:53
Wohnort: Sachsen Anhalt
Vorname: Michael
Spezielle Interessen: Eigenbau und Tauchen mit altem Gerät, insbesondere Kreislaufgeräten. Sammlung von DDR Tauchtechnik.

Re: Nachbau des Tauchanzugs von Peter Kreeft

Beitragvon Franz » Fr 15. Dez 2017, 08:45

Hallo Micha!

Deine Konstruktion sieht immer besser aus!

Du kannst evtl. auch den Weißblechboden einer kleinen Gemüsedose verwenden. Weißblechbierdosen, gibt es die überhaupt noch? Hier in der Pfalz sicher nicht, wir trinken nur Wein.

Es gibt 0,1 mm dünnes lötfreudiges Messingblech für ein paar Euro in Ebay:

https://www.ebay.de/sch/i.html?_from=R4 ... acat=12576

0,2 mm Messing sollte dort auch zu finden sein.

Die Membrankapsel sollte auf 0,5 bar Druck geprüft werden bevor damit getaucht wird:

img013.jpg

Am anderen Schlauchende kommt ebenfalls eine Membran hin, stimmts?

Mit kreeftigem Gruß,

Franz

Der nur Wein trinkt
Benutzeravatar
Franz
HTG-Mitglied
 
Beiträge: 987
Registriert: Fr 24. Jun 2011, 15:29
Vorname: Franz
Spezielle Interessen: Alte Tauchausrüstungen, Tauchgeschichte. . . .

Re: Nachbau des Tauchanzugs von Peter Kreeft

Beitragvon Franz » Sa 16. Dez 2017, 08:02

Freundeskreis Sprachschlauch!

Sprachverbindungen per Schlauch zur Wasseroberfläche sind bei einer ganzen Reihe von frühen Tauchpionieren zu finden:

1715 de Beaune, Seite 53. Tauchanzug (1)

1754 Bericht von P. Pocoke Seite 7. Wohl Tauchanzug (2)

1774 Hanmar, Seite 9. Wohl eine modifizierte Taucherglocke nach Triewald (2)

1798 Burlet/Sardu, Seite 15. Tauchanzug mit Blasebälgen (2)

1) Norbert Gierschner, Meine Illustrierte Chronologie der Tauchgeschichte, Bd. 1.
2) Norbert Gierschner, Tauchgeschichte Spezial, Das Archiv, Band 12/2017

Gruß,
: )
Franz
Zuletzt geändert von Franz am Sa 16. Dez 2017, 15:39, insgesamt 1-mal geändert.
Benutzeravatar
Franz
HTG-Mitglied
 
Beiträge: 987
Registriert: Fr 24. Jun 2011, 15:29
Vorname: Franz
Spezielle Interessen: Alte Tauchausrüstungen, Tauchgeschichte. . . .

Re: Nachbau des Tauchanzugs von Peter Kreeft

Beitragvon Franz » Sa 16. Dez 2017, 08:39

Hallo Zusammen,

diesen kleinen Blasebalg mit langem Hebel habe ich ebenfalls bei Norbert im Band 12/2017 Seite 11, gefunden:

img014#.jpg

img0142.jpg
Am PC habe ich ihn senkrecht gestellt und zu einem "Doppelbalg" erweitert. Die blauen Pfeile zeigen die Luftansaugöffnungen mit Rückschlagventilen. Die roten Pfeile den Luftaustritt, hier müssen noch Rückschlagventile dazu.


: )
Franz

Der kreeftig pumpt
Zuletzt geändert von Franz am Sa 16. Dez 2017, 15:45, insgesamt 1-mal geändert.
Benutzeravatar
Franz
HTG-Mitglied
 
Beiträge: 987
Registriert: Fr 24. Jun 2011, 15:29
Vorname: Franz
Spezielle Interessen: Alte Tauchausrüstungen, Tauchgeschichte. . . .

Re: Nachbau des Tauchanzugs von Peter Kreeft

Beitragvon stg53 » Sa 16. Dez 2017, 10:55

Moin Freunde,
im Taucherlehrbuch der k.u.k. Marine (1839) steht, dass es seinerzeit massive Probleme mit Kupferhelmen, in die eine Sprachmembran gelötet war, gab. Anscheinend hatte man bemerkt, dass ursächlich der Wasserdruck, den Außenbereich-Bereich des Helms, der durch die eingelötete Membran vom Druckausgleich abgeschlossen war, deformiert. Ich habe solche stark eingebeulten Helme schon gesehen. Die k.u.k. Marine hat das Problem dahingehend gelöst, dass man neben den importierten, originalen Ludwig von Bremen Helmen, eigene Helme produzierte, die keine Membran eingelötet hatten. jetzt fragt ihr euch, warum ich das alles schreibe, wir haben ja einen flexiblen Taucherhelm. ich denke aber, dass wir ähnliche Probleme bekommen könnten, zumindest bei beidseitig geschlossenem Sprachschlauch. Hier würde das Boyle-Mariottsche Gesetz, schon in geringen Wassertiefen für fulminante Druck/Volumen Veränderungen sorgen...... Beide Schläuche müssen daher auch mit der gleichen Aufmerksamkeit konstruiert und gebaut werden.

@Micha: ja, wir haben in der HTG einen Dräger-Taucherautomaten, den wir im worst-case mittels Y-Stück zur Zuführung der Atemluft verwenden können. Ich bin jedoch der Meinung, dass wir (aus bereits genannten Gründen) den Taucher mit einem Bail Out versorgen sollten. wenn wir hier aus Gründen der Sicherheit Bail-Out einsetzen, dann im modernen Stil. Da wir uns hier sowieso nicht an das original halten, sollte hier die beste und sicherste Methode bevorzugt werden.
Das von dir konstruierte Rückschlagventil ist ok. willst du da noch eine Feder einbauen?

#Ulf
stg53
Beisitzer
 
Beiträge: 78
Registriert: Mo 15. Okt 2012, 12:00
Vorname: Ulf
Spezielle Interessen: Taucherhelme (nur Deutschland)
DDR Tauchtechnik

Re: Nachbau des Tauchanzugs von Peter Kreeft

Beitragvon stg53 » Sa 16. Dez 2017, 11:30

Micha, kannst du das Rückschlagventil nicht von außen zwischen Schlauch und Flansch setzen???
stg53
Beisitzer
 
Beiträge: 78
Registriert: Mo 15. Okt 2012, 12:00
Vorname: Ulf
Spezielle Interessen: Taucherhelme (nur Deutschland)
DDR Tauchtechnik

Re: Nachbau des Tauchanzugs von Peter Kreeft

Beitragvon Franz » So 17. Dez 2017, 12:44

Hallo Zusammen,

der Sprachschlauch drückt mir ebenfalls im Magen. . . Mit einem Wassereinbruch oder dem Ausfall der Balgluftversorgung können wir als Taucher umgehen. Wir tauchen zwar nicht so tief wie die kaiserlichen Marinetaucher, einen plötzlichen Druckabfall im Helm dürfen wir trotzdem nicht riskieren. Der prozentuale Druckabfall ist in geringen Tiefen am höchsten.

Spielen wir mal die Möglichkeiten durch:

A) Membran im Helm, Schlauch oben offen
Totaler Druckverlust bei einem Membranschaden.
Ein Risikofaktor: Membran
Lösung: Richtungsventil hinter der Membran am Helm.

B) Membran am Schlauchende
Totaler Druckverlust bei einem Schlauch- oder Membranschaden.
Zwei Risikofaktoren: Membran & Schlauch
Lösung: Richtungsventil im Helm.

C) Membran am Schlauchende und im Helm.
Mehrere Risikofaktoren je nachdem was passiert.
Lösung: Richtungsventil im Helm.

Wir brauchen also auf jeden Fall ein Klapp- oder Richtungsventil im Helm.
Das stört zwar die Sprachübertragung, Sicherheit geht jedoch vor.

Ein Richtungsventil am Lufteinlaß ist sowieso vorgesehen.

Die Richtungsventile und Membranen müssen auf Druckverlust geprüft werden. Um auf der sicheren Seite zu sein, sollten wir von einer Prüftauchtiefe von 8 bis von 10 Metern ausgehen. Das nach der Prüfung der Sprachschlauch undicht wird oder die Membranen reißen ist sehr unwahrscheinlich. Wie Ulf schon an anderer Stelle angemerkt hat, ist die psychologische Wirkung der zusätzlichen Sicherheit durch Richtungsventile für alle Beteiligten gut.

Wenn wir statt dem Schnabelventil auf der Brust, nur einen hängenden Schlauch verwenden würden, würde bei einem Druckverlust Wasser in den Anzug gesogen. Der Luftdruckverlust könnte jedoch schneller vonstatten gehen als das zähflüssigere Wasser nachfließt. . . . .

Ich habe meine Gartenschlauch-Sahnebecher- Konstruktion nochmal ausprobiert. Sie funktioniert am besten mit nur einer Membran an der Schallquelle. Der Signalmann sollte den Taucher hören können, deshalb wäre Version „A“ am besten/sichersten: Membran und Richtungsventil im Helm, Schlauchende oben offen.

: )
Franz
Benutzeravatar
Franz
HTG-Mitglied
 
Beiträge: 987
Registriert: Fr 24. Jun 2011, 15:29
Vorname: Franz
Spezielle Interessen: Alte Tauchausrüstungen, Tauchgeschichte. . . .

Re: Nachbau des Tauchanzugs von Peter Kreeft

Beitragvon oxydiver » Mo 18. Dez 2017, 07:31

Hallo,

ich für meinen Teil halte die ganzen Fehler Szenarien für übertrieben bei den geplanten Tauchtiefen. Das liegt aber vielleicht daran das ich oft mit selbstgebauten Tauchgeräten tauche. Wenn man von geprüften Bauteilen ausgeht ist das Risiko meiner Meinung nach sehr gering.

Was ich nun wieder für wichtig halte ist eine parallele Lufteinspeisung an der Oberfläche. Die braucht ja nicht aus einem richtigen Taucherautomaten bestehen sondern eine normale erste Stufe mit nachgeschalteten einstellbaren Industrie-Druckminderer reicht (beides hätte ich) Das hat mehrere Vorteile:

1. Falls tatsächlich ein Balg platzt hat man die Notlufteinspeisung
2. Falls die Balgluftversorgung mengenmäßig nicht reicht kann man Luft zuspeisen
3. Es braucht nicht dauernd einer zu pumpen, wenn man unter Wasser in Ruhe Tests am Helm machen will

Luftversorgung.jpg


Das Schläuche platzen oder abspringen schließe ich bei ordentlicher Arbeitsweise und Materialwahl aus. Wir haben dann noch den Sicherungstaucher, klappbares Fenster, abwerfbares Blei und die Sicherheitsleine.
Ulfs Idee mit dem verdeckten Trocki Reißverschluss in der Haube beim Lederanzug finde ich übrigens sehr gut.

@Franz, ein zusätzliches Rückschlagventil im Sprachschlauch können wir machen, dann kann man aber auch die Membran weglassen :D. Da wird man nichts hören. Das Ventil stell ja eine zweite Membran=Wand aus dickem Gummi dar. Ich hätte mehr die Variante mit oben liegender Membran im Sprachtrichter und ein vorgeschaltetes Absperrventil = Kugelhahn favorisiert. Die Membran hätte der Signalmann im Blick und könnte im (unwahrscheinlichen) Notfall den Schlauch manuell absperren.
Der Balg mit dem langen Hebel ist ein super Fund, und wiederspigelt unsere "Nacherfindung". Was bedeutet das Logo B. R.?

@Ulf Das Rückschlagventil der Luftleitung würde ich erst mal so lassen. Ich will meinen Aufwand nicht noch höher treiben, ich müsste ein anders Ventil bauen. Kreeft hatte wohl gar kein Ventil an dieser Stelle, sondern nur das Ventil oben am Balg und das haben wir ja auch noch.

Kurz noch zum Sachstand. Die Haube ist soweit montiert es fehlt nur noch die untere Verklebung mit Abnähern am Spannreifen. Die Membran ist mit Dosenblech verlötet, es gibt tatsächlich kaum Weißblech-Getränkedosen. Die einzige die ich gefunden habe war von Coca Cola, das Blech ist ca. 0,09mm dick, gemessen mit Bügelmeßschraube aber sehr haltbar. Einen Drucktest mache ich noch.

Gruß Micha
Benutzeravatar
oxydiver
HTG-Mitglied
 
Beiträge: 504
Registriert: So 16. Okt 2011, 20:53
Wohnort: Sachsen Anhalt
Vorname: Michael
Spezielle Interessen: Eigenbau und Tauchen mit altem Gerät, insbesondere Kreislaufgeräten. Sammlung von DDR Tauchtechnik.

Re: Nachbau des Tauchanzugs von Peter Kreeft

Beitragvon Franz » Mo 18. Dez 2017, 18:13

Liebe Kreeftler,

Blag
Der Balgenbauer hat sich gemeldet. Zwischen den Jahren bekommen wir sein Angebot. Er rät, daß wir wegen der "Windstößigkeit" der beiden Blagen ein Ausgleichsgefäß dazwischen schalten. Da käme also doch noch ein kleines Faß dazu, die Trommelfelle unsers Testtauchers werden es danken. "Windstößigkeit" . . . die deutsche Sprache kann so schön sein.

Sprachschlauch
Wenn wir die Membran oben am Sprachtrichter mit Absperrhahn einbauen ist das trotzdem nicht sicher, da im Falle eines Membranrisses, der Druck sekundenschnell entweicht. So schnell kann man den Hahn nicht schließen. Die Sprachübertragung wird auf jeden Fall schlecht funktionieren, deswegen sollten wir eine sichere Konstruktion bevorzugen.

Wie wäre es den hiermit?

- Eingelötete Membranen im Helm und am Sprachtrichter des Signalmannes = doppelte Sicherheit.
- Im Helm hinter der Membran eingebautes weit offen stehendes Ventil, das zumacht, wenn ein Luftstrom entsteht.

img015.jpg
Das Ventil sollte so weit offen stehen, daß die Schallwellen "drumherum" können. . .


Der Sprachschlauch ist unser gefährlichstes Teil. Bevor wir an die Realisierung gehen, interviewe ich Peter Jackson dazu um sicher zu sein, daß das auch alles so funktioniert wie angedacht und wir keine Überraschungen erleben.

Ich war bei einem Hörgeräteakustiker der auch taucht. Er will sich die Schallübertragungsproblematik im Sprachschlauch durch den Kopf gehen lassen. Das größte Problem sieht er in der Druckbelastung, die ein freies Schwingen der Membran verhindert.

: )
Franz
Benutzeravatar
Franz
HTG-Mitglied
 
Beiträge: 987
Registriert: Fr 24. Jun 2011, 15:29
Vorname: Franz
Spezielle Interessen: Alte Tauchausrüstungen, Tauchgeschichte. . . .

VorherigeNächste

Zurück zu Sonstiges



Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 2 Gäste

cron