Nachbau des Tauchanzugs von Peter Kreeft

Diskussionen und Berichte zu historischen Nachbauten und deren Erprobung

Re: Nachbau des Tauchanzugs von Peter Kreeft

Beitragvon Frog » Mo 1. Apr 2019, 17:26

Hallo Franz
Mir fällt dazu eine weiche Flaschenbürste mit stabilen Draht ein mit der man die Vaseline in den Schlauch bringen könnte.
Mache das in etwa mit meinen Probenahmenrohren 1/2 Zoll 2 Meter ,um sie zu reinigen.
Wenn ich dran denke mach ich morgen mal nen Foto von meiner Konstruktion.;)
Gruß Uwe
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Re: Nachbau des Tauchanzugs von Peter Kreeft

Beitragvon Frog » Di 2. Apr 2019, 04:39

Allerdings sehe ich da ein Problem an den Stellen wo die innenliegende Spirale sitzt.
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Re: Nachbau des Tauchanzugs von Peter Kreeft

Beitragvon Franz » Di 2. Apr 2019, 06:19

Hallo Uwe,

in einem der Schläuche ist die Spirale verbogen, dort wird es Probleme geben. Ein dritter Schlauch mit stärkerem Messingdraht ist in Arbeit, Drahtdurchmesser 2 mm. Der Schlauch sollte nächste Woche hier sein. Er kann für die Sprachverbindung verwendet werden, da er von außen druckbelastet wird. Den anderen Schlauch mit 1,5 mm Spirale können wir zur Beatmung verwenden, er steht unter Innendruck. Die Lederschläuche werden wohl nur im Museum ausgestellt. Wenn wir sie dicht bekommen, sollten die Schläuche auch im Wasser ausprobiert werden. In Leipzig verwenden wir wieder Michas Gartenschläuche.

Gruß,
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Re: Nachbau des Tauchanzugs von Peter Kreeft

Beitragvon Franz » Do 4. Apr 2019, 16:05

Lederfans,

Frau Barthold hat auf meinen Beitrag vom Montag den 1. April, geantwortet:

„Ich möchte Ihnen dazu raten bei Vaseline zu bleiben. Das Rapsöl liegt bei Raumtemperatur flüssig vor und wird bei den Druckverhältnissen nicht abdichten sondern bestimmt verdrängt. Sie können die Vaseline neben der Wärmezufuhr alternativ auch mit einem unpolaren Lösungsmittel verdünnen (n-Hexan). Achten Sie dabei entsprechend auf den Arbeitsschutz! Das Lösungsmittel ist gut flüchtig. Wenn der Schlauch sich nach dem Befüllen an einem gut belüfteten Ort befindet wird das Lösungsmittel schnell abdampfen und die Vaseline sich entsprechend in der Faserstruktur verfestigen und abdichten. Dann sollte nach einigen Tagen des Abdampfens für den Taucher auch keine Gefahr bestehen. Am besten arbeiten Sie draußen".

Man muß die richtigen Leute fragen. . .

Also, Vaseline verdünnen, den Schlauch damit füllen, etwas Druck drauf geben bis die Mischung aus den Nähten kommt. Danach die verdünnte Vaseline herauslaufen lassen. Den Schlauch senkrecht einige Tage in die Sonne hängen lassen bis der Lösungsmittelgeruch verschwunden ist.

Das hat man damals zu Zeiten von Peter Kreeft, mit ziemlicher Sicherheit nicht so gemacht. Das Schlauchleder wurde wohl vor dem Nähen mit Fett und Pech getränkt und danach mit dem Eskimostich um die Spirale genäht.

: )
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Re: Nachbau des Tauchanzugs von Peter Kreeft

Beitragvon Franz » Do 18. Apr 2019, 12:52

Bericht
Testtauchgang Kreeft, 16. April 2019, Leipzig Sachsentherme.

Hallo Zusammen!

Unser Nachbau funktioniert!

Teilnehmer:
Ulf Barthel
Ralf Deuerling
Uwe Gläser
Christian Horn (Taucher)
Michael Müller
Anne Paschen DMM
Franz Rothbrust
Lothar Seveke
Stehen alle in der Liste?

Tauchdauer ca. 15(?) Minuten, maximale Tauchtiefe 3,8 m (Beckenboden).
Luftversorgung wie beim ersten Testtauchgang. Zusätzliche 1 l Pressluftflasche mit Ventilanschluß am Anzug als Bailoutmöglichkeit.

Anzug
Er war problemlos anzuziehen. Der weite Schnitt war von Vorteil. So konnte sich der Anzug in Nähe der Kauschen direkt, ohne zu ziehen, an den Körper legen. Das sieht man gut an den Beinkauschen auf dem Foto unten. An den Hosenträgern brauchts oben noch ein paar Löcher. Nach dem Tauchgang waren 0,25 bis 0,5 l Wasser in den Stiefeln.
Im Bereich des Helms und den Schultern entwich viel Luft aus den Nähten. Die Vaseline wurde kurz nach dem Abtauchen durch den relativen Überdruck (ca. 0,025 bar) aus den Nähten gedrückt. Es muß ein festeres Dichtmittel verwendet werden, welches elastisch bleibt, nicht brüchig wird. Ich bin dazu in Kontakt mit Frau Barthold. Sie hätte einige Vorschläge. Nach Ostern wissen wir mehr.

Anbauteile
Helmfenster und Schlauchanschlüsse funktionierten einwandfrei, waren dicht. Das Schnabelventil vom Luftablaß und das Rückschlagventil im Helm taten ebenfalls ihre Dienste.

Sprechverbindung
Sie funktioniert nur an der Oberfläche. Mit zunehmender Tauchtiefe steht die Helmmembran unter Druck und kann kaum vibrieren.

Gewichte
Es wurden zwei Bleigurte mit je 5 kg kreuzweise getragen. So bleib der Helm auf den Schultern. Die Gewichte hingen unter den Achseln. Zusammen mit den Schuhen (je 10 kg) war der Taucher optimal ausgebleit. Summe der Gewichte 30kg. Ein Schulterpolster war wegen dem Helmrahmen aus Rundstäben, notwendig.

Luftablaß
Dieser hat in geringerer Tiefe funktioniert. Nach einigen Minuten entwich die meiste Atemluft aus den Nähten des Helms.

Schuhe
Es müssen noch ein paar Löcher in die Fersenriemen gestanzt werden. Sie sollten zusätzlich durch einen Gurt oder ein Seil gehalten werden, das durch die Fersenlasche gezogen und vorn verschlossen bzw, verknotet wird.

Kauschen
Diese waren dicht. Vor dem Zusammenbau wurden die entsprechenden Stellen nochmal dünn mit Vaseline bestrichen. An den Stiefeln genügt eine Schnur, die zweimal um die Kausche gewickelt wird. An der Bauchkausche wurden zwei getrennte Leinen (4 mm Hanfseil) umgebunden. Es wurde ein „Zugknoten“ mit zwei halben Schlägen verwendet: https://www.youtube.com/watch?v=h1pr_9BB66A
Ein halber Schlag mit Slip wird genügen, so kann man den Knoten leichter lösen.

Kreeft-Replik003#.jpg
Christian auf Tiefe. Foto: Michael Müller


Herzlichen Dank an alle Helfer vorort. Das lief wie am Schnürchen.

Franz
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Re: Nachbau des Tauchanzugs von Peter Kreeft

Beitragvon Lothar » Do 18. Apr 2019, 16:08

Tauchzeit anhand der Fotos: 20.16 bis 20.23 Uhr
Mir kam's auch länger vor.
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Re: Nachbau des Tauchanzugs von Peter Kreeft

Beitragvon Franz » Mo 22. Apr 2019, 15:58

Hai!

Die nächsten Schritte:

Helm
Dieser muß besser abgedichtet werden. Frau Barthold arbeitet an einer authentischen, elastischen Dichtmasse, die unsere Anforderungen erfüllt. Sie gibt nächste Woche verschiedene Empfehlungen ab.
Der Anzug war hier in Nestadt relativ dicht, hat nirgendwo hörbar abgeblasen. Bei Raumtemperatur ist die Vaseline dickflüssig wie Honig. Im Schwimmbad dagegen, ist sie fast davongelaufen, Raumtemperatur 28 Grad. . . .

Vorführung in Stralsund
Christian Horn hat vorgeschlagen im Tauchcontainer die Szene aus der historischen Abbildung "Tab 1" nachzustellen. Die Idee hat allen gefallen.
Dazu braucht es noch einiges an Vorbereitung und Organisation. Das ist derzeit im Gange.

Gewichte
Rob Krul gießt die beiden Achselgewichte.

Gruß,
Franz
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Re: Nachbau des Tauchanzugs von Peter Kreeft

Beitragvon Franz » Mi 24. Apr 2019, 13:56

Hallo Zusammen!

Hier eine Anleitung zum Binden der Bauchkausche.

Zugknoten 1#.jpg

Zwei solcher Seile sind notwendig. Es kann auch etwas länger als 170 cm sein. Die Seilenden am besten mit Sekundenkleber gegen ein Aufdrehen sichern. Authentischer ist natürlich ein Bänsel.


Zugknoten 2#.jpg


Anleitung: https://www.youtube.com/watch?v=h1pr_9BB66A

a) Die Hose am Umfang der Bauchkausche mit Vaseline leicht einfetten. An den Nähten vorne und hinten etwas mehr Fett auftragen.
b) Jacke überziehen.
c) Das erste Seil um die Kausche legen und nur leicht festziehen. Es werden sich falten an einigen Stellen bilden. Diese können seitlich weggezogen werden (wichtig).
d) Den Zugknoten festziehen und mit einem halben Schlag sichern. Das Seil muß stramm sitzen.
e) Das zweite Seil um 180 Grad verdreht umbinden. Es sollte neben dem ersten Seil liegen, sich nicht mit ihm überschneiden.

In einem der Ersatzteilkoffer liegen Eiscremehölzchen. Diese kann man verwenden um das Seil etwas anzuheben wenn der halbe Schlag erst nachträglich angelegt wird.

Die Beinkauschen werden ebenso gebunden. Hier reicht 1 Seil, das zweimal um die Kausche gewickelt wird. Dessen Länge ist anders als jene oben.

Gruß,
Franz
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Re: Nachbau des Tauchanzugs von Peter Kreeft

Beitragvon Franz » Mo 29. Apr 2019, 06:07

Hallo!

Der Abstand zwischen der Helmoberkannte und dem unteren Ende des langen Luftablaßschlauchs beträgt 45 cm. So entsteht im Helm ein relativer Überdruck von etwa 45 cm Wassersäule oder 0,045 bar. Aus diesem Druck ergibt sich rechnerisch eine Zugbelastung an den senkrechten Helmnähten von 0,42 kg pro Zentimeter.
Ein 2 cm breiter eingefetteter Lederstreifen mit Naht wurde versuchsweise mit 2 kg Zuggewicht belastet. Das entspricht 1 kg pro Zentimeter und ist mehr als das doppelte der tatsächlichen Zugbelastung beim Tauchen. Der Lederstreifen hing 12 Stunden im Wasser ohne zu reißen. Der Salzgehalt des Wassers entsprach dem der Ostsee bei Stralsund: 1 %. Gerissen sind die Fäden bei einer Zugbelastung von 5 kg/cm. Das Leder riß nicht aus.

L1230519#.jpg
Versuchsaufbau mit einem 2 kg Dräger Klemmblei in "Ostseewasser"

Wir sind mit unserer Konstruktion also auf der sicheren Seite.

Gruß,
Franz
Zuletzt geändert von Franz am Di 30. Apr 2019, 10:22, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Nachbau des Tauchanzugs von Peter Kreeft

Beitragvon oxydiver » Di 30. Apr 2019, 06:40

Hallo Franz,

ich sehe da auch überhaupt keine Probleme. Es wäre schön wenn der "historische" Balg noch fertig werden würde. Ich hab eben mal in meinen Unterlagen gekramt. Ich finde wir hatten es 2017 schon ziemlich genau getroffen :-)

Vergleich 2017-2019.jpg


Gruß Micha
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Re: Nachbau des Tauchanzugs von Peter Kreeft

Beitragvon Franz » Mo 13. Mai 2019, 10:35

Hallo Micha,

stimmt, das Prinzip hatten wir schon nach wenigen Wochen erkannt. Der ganze Rest war Detailarbeit . . .

Der neue Schlauch ist eingetroffen. Die 2 mm Messingdraht-Spirale ist deutlich stabiler und somit viel besser für unsere Zwecke. Der Schlauch ist zwar schwerer, trotzdem sehr biegsam.

Wir müssen noch einen Weg finden, ihn abzudichten. Mal abwarten, wie in Stralsund die Versiegelung der Helmnähte funktioniert.

Schönen Gruß,
Franz
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Re: Nachbau des Tauchanzugs von Peter Kreeft

Beitragvon Frog » Di 14. Mai 2019, 19:50

hier die Ankündigung des Ozeaneum für die Vorführung zum int. Museumstag.

https://www.ozeaneum.de/ozeaneum-news/p ... und-heute/
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Re: Nachbau des Tauchanzugs von Peter Kreeft

Beitragvon Frog » Di 21. Mai 2019, 04:41

ein erster Bericht der Ostsee-Zeitung

https://www.ostsee-zeitung.de/Vorpommer ... r-Ozeaneum
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Re: Nachbau des Tauchanzugs von Peter Kreeft

Beitragvon Tauch-Info-Büro » Di 21. Mai 2019, 22:20

19. Mai 2019: Internationaler Museumstag in Stralsund
Tja, so schnell wie die regionale Presse bin ich natürlich nicht, dafür aber genauer:

Teilnehmer
HTG: Ulf Bartel, Uwe Gläser, Christian Horn, Udo Lehmann und Norbert Gierschner.
Sicherungstaucher: auch „Vorführer von Sporttauchertechnik“ vom Tauchclub Stralsund Frank Strebelow und Jonas Stuth. Berufstaucher Detlef Gerstenberg.
Deutsches Meeresmuseum: Dr. Thomas Förster (Kurator für Maritimes Kulturerbe), Andreas Kuhl (Marketing), Diana Meyen (Pressesprecherin).
UW-Fotografie: Roland Obst.
Medien: Ostsee-Zeitung und die Fernsehsender NDR 1, Stralsund-TV und MV 1.
Schnuppe-Figurentheater: mit der Taucherpuppe Jaques und Birgit Schuster.
Und natürlich ein routinierter Kranführer sowie noch allerlei andere, hier aber leider nicht namentlich angeführte Helfer! Sorry. Den Tauchcontainer stellte das Tauchcenter Magdeburg (http://www.Tauchturm-Magdeburg.de) zur Verfügung.

Kreeft’sche Tauchermaschine
Im Wesentlichen in der in Leipzig eingesetzten Bauversion. Neu: Bleigewichte, „Kupferbarren“, der Bergungshaken, die „getarnte“ (Christian: Kreefts-Brotbeutel) Notluftversorgung.

Aktionen
So gegen 11 Uhr stieg Christian mit der Kreeft‘schen Tauchermaschine in den Tauchcontainer (ca. 15 min Tauchzeit), nachmittags wagte es Uwe noch einmal. Dazwischen führten Ulf und Udo Tauchgänge mit den klassischen Helmtauchergeräten vor. Im Laufe des Tages evtl. 200...300 Zuschauer?

Aus den aufgezeichneten Kommentaren
Christian
Der Anzug ließ sich gut anzuziehen und bot ausreichend Platz, man kann auch mit Neopren-Füßlingen einsteigen. Hat alles wunderbar funktioniert. Nur ohne Schutzanzug (ich hatte allerdings einen Body an) ist der Anzug innen recht klebrig und es gab Bedenken, ob es dann wegen des Unterzeugs nicht Probleme beim Ausziehen gibt. War aber das war nicht der Fall. Der Verschluss mit dem Fensterrahmen war auch okay. Bei der hohen Außentemperatur war es im Anzug recht schwitzig. Eine Mütze wäre gut, damit einem der Schweiß nicht über das Gesicht läuft.
Beim Eintauchen ins Wasser spürte ich sofort Wasser in die Beine einlaufen, es stieg bis zur Hüfte. Aber als es dann die Luftblase verdrängte, war das vorbei. Auch hatte ich das Gefühl, dass über die Kopfhaube Luft entwich, wie viel kann ich nicht sagen.
Ansonsten hatte ich zu viel Auftrieb, ich hätte noch mehr Blei gebraucht oder das Blei hätte anders am Körper befestigt werden müssen. Besser wäre die Befestigung mit den gekreuzten Gurten gewesen. Nach Franz sind es 2 x 6 kg gewesen, aber es war noch zu wenig. Also Tauchen mit dem Anzug ist möglich, solange man die Luftblase im Anzug aufrechterhält.
Das Bergen der Kupferbarren war möglich. Ich habe nach zwei Versuchen mit dem Haken eine Schlinge um den Barren legen können, damit wurde er dann nach oben gezogen. Alle Arbeiten habe ich in aufrechter Position erledigt, aber mit etwas weniger Auftrieb wäre es einfacher gewesen. Trotzdem, die Bergung hat funktioniert. Und das galt es ja zu beweisen.
Uwe
Der vom ersten Tauchgang noch nasse Anzug ließ sich etwas schwieriger anziehen. Dafür habe ich aber nicht einen so großen Wassereinbruch wie Christian gehabt. Etwa einen halben Liter würde ich schätzen, was nach dem Tauchgang aus den Füßlingen des Anzugs kam. Angenehm fand ich durchaus den Atemkomfort (hatte ich nicht erwartet).
Unangenehm war der rutschige Sitz der Bleilatschen. Trotz mehr Blei war der Auftrieb noch enorm. Ich musste ordentlich Luft ablassen, um unter Wasser laufen zu können. Das Ventil hat zu Beginn des Tauchgangs permanent abgeblasen, sodass ich es mit den Fingern zugehalten habe. Nach einiger Zeit hat es dann aber prima funktioniert. Das Ventil hat selbstständig geöffnet und geschlossen, so wie es eben sein sollte!
Die Gewichte unter den Achseln empfand ich nicht störend. Allein das schmale Seil der Gewichte hat unangenehm auf Schultern und Hals gedrückt. Wie Christian habe auch ich unbemerkt ein Gewicht verloren.
Ulf
Also wir haben immer noch die Undichtheiten im Taucherhelm, das muss noch einmal bearbeitet werden. Das bisherige Abdichten mit Birkenpech und dem Tape hat bisher nur geringe Erfolge gezeigt. Wir brauchen für weitere Tauchgänge noch anderes. Das Flatterventil verklebt immer noch, wenn es nicht verklebt, ist es ständig geöffnet. Alles in allem waren wir eine knappe halbe Stunde unter Wasser und die Kreeft’sche Tauchermaschine hat relativ gut funktioniert, was wir hiermit ja beweisen wollten und konnten.
Thomas
Meine Einschätzung zur Kreeft‘schen Tauchermaschine: Es ist ein sehr gutes Projekt mit der Historischen Tauchergesellschaft, hat etwas länger gedauert, war aber aus meiner Sicht ein Erfolg. Die Tauchmaschine ist doch wesentlich besser nachgebaut worden als wir sie in der Sammlung hatten. Wie jetzt weiter, werden wir sehen. Es gab den ersten Tauchgang in Leipzig, dann hier im Container in Stralsund - und es würde mich noch interessieren, wie sich das Gerät im Freiwasser verhält, also dass wir es in den Regionen einsetzen, wo Kreft auch unterwegs war. Ich denke da an einen Einsatz im Herbst von Zingst oder Prerow aus. Das könnte man die Seebrücke nutzen, auch um vernünftige Filmaufnahmen zu bekommen, um einen kleinen Film für uns zu produzieren.
Auch hat sich gezeigt, das Birkenpech zur Helmdichtung wenig gebracht hat, hier müssen wir noch einmal nacharbeiten und man wird ihn wahrscheinlich nicht ganz dicht bekommen wird. Das wird auch bei der ursprünglich Kreeft‘schen Tauchmaschine so gewesen sein - mit aus meiner Sicht der Konsequenz, dass man später zu geschlossenen Helmen, auch aus Kupfer, überging.
Auch haben wir ein großes Interesse daran, die Zusammenarbeit mit der HTG fortzusetzen. Zum einen haben wir Bestände an Taucherartikeln, die wir in Zusammenarbeit mit der der HTG genauer bestimmen möchten - und das man evtl. auch über weitere Projekte nachdenkt.
Aus meiner Sicht wäre natürlich interessant die ganze Bernsteintaucherei in der Ostsee, dass man evtl. die dabei verwendeten Geräte nachbaut. Ein anderer Punkt wäre eine Taucherglocke, von der evtl. eine Replik als Nachbau anfertigt. Zum anderen haben wir hier eine relativ große Sammlung an Druckkammern, mit der man sich auch beschäftigt könnte.
Es würde mich also sehr freuen, weiterhin mit der HTG zusammenarbeiten zu können.
Aus unserer Sicht wollen wir auch weiter recherchieren zu Kreeft. Wir gehen davon aus, dass wir im Stralsunder Stadtarchiv weitere Unterlagen finden. Leider ist es gerade geschlossen und dadurch kann momentan auf deren Bestände nicht zugegriffen werden. Aber wir werden weiter recherchieren, ob man noch weitere Informationen zu Kreeft findet. Es gibt hier auch eine sehr interessante Akte zum schwedischen Tauch- und Bergungswesen von 1868, die werden wir noch einmal durchforschen - ebenfalls in Zusammenarbeit mit der HTG. Fazit: Aus meiner Sicht eine gelungene Zusammenarbeit, die auch weiter fortgesetzt werden sollte.
Thomas, Ulf, Norbert
So, daher vielen Dank, erst einmal das Geschehen sacken lassen. Ich bin froh, dass alles wie besprochen über die Bühne gegangen ist, ohne Tauchunfälle oder mit den Leuten um und unter dem Kran herum. War eine spaßige Aktion, wenn es euch gefallen hat, auch gut. Vielen Dank.
Aber auch wir danken, dass wir hier zu Gast sein durften. Es war, auch mit freundlicher Unterstützung von Petrus, ein sehr schöner gelungener Tag.

Nachbemerkung N.G.
Die letzten Bilder sollten eigentlich die ersten sein! Habe ich deshalb nachher nummeriert.
Bekanntlich ist spätestens seit „Manche mögen es heiß“ ein geflügeltes Wort: „Nobody is perfect“! Also bitte ergänzen und korrigieren - und Pardon für nicht Gesagtes, was aber hier hätte noch erwähnt werden müssen…
Meine Bilder dazu stehen im Archiv der HTG. Hier nun der Link, mit dem jeder (auch ohne Archivzugang) sich diese Bilder herunterladen kann:
https://www.dropbox.com/sh/ypbcgw16k5pa ... 384va?dl=0
Weitere Bilder wird Roland Obst zur Verfügung stellen. Er hat direkt im Tauchcontainer fotografiert. Kann ich natürlich nicht toppen…
Dateianhänge
DSC_0273.JPG
7. Kreeft-Taucher Uwe
DSC_0262.JPG
6. Helmtaucher Ulf
DSC_0236.JPG
5. Helmtaucher Udo, von den "Medienvertretern belauert"
DSC_0206.JPG
4. Christian "Kreeft" bei der Barrenbergung
DSC_0197.JPG
3. Udo, der wichtige Mann mit der Luft
DSC_0192.JPG
2. Thomas, Ulf und Kreeft-Taucher Christian
DSC_0166.JPG
1. Die Ruhe vor dem Sturm
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Re: Nachbau des Tauchanzugs von Peter Kreeft

Beitragvon Franz » Mi 22. Mai 2019, 21:43

Hallo Zusammen,

als erstes meinen Dank an alle Beteiligten. Ohne engagierte Teamarbeit wäre das nicht möglich gewesen.

Es gehört schon ein gewisser Mut dazu, ist ein Wagnis vor breitem Publikum einen weiteren Testtauchgang zu unternehmen. Auch wenn nicht alles 100%-tig geklappt hat, wir haben wieder hinzugelernt. Das ist garnicht anders zu machen. Es handelt sich zwar um einen historischen Nachbau, aber genaugenommen leisten wir Pionierarbeit Richtung Vergangenheit. Wir entwickeln eine geschlossene lederne Helmtauchausrüstung, tasten uns experimentell an verlorenes Wissen heran. Die bestehenden Probleme sind sicher auf die eine oder andere Weise zu lösen.

Gruß,
Franz
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Re: Nachbau des Tauchanzugs von Peter Kreeft

Beitragvon Franz » Do 23. Mai 2019, 06:26

Hallo Zusammen:

Hier einige erste Gedanken.

Wasserdichtigkeit
Bei einem der Tauchgänge war wohl die Kausche nicht richtig dicht. Die eingedrungene Wassermenge beim anderen Tauchgang ist akzeptabel. Vielleicht hilft es, wenn innen entlang der Nähte nochmal nachgefettet wird. Wir sollten auf ein Fett mit geringerer Viskosität umsteigen. Das Leder selbst ist wasserdicht.

Luftdichtigkeit Helm
Dazu kann ich von hier wenig sagen. Das Dichtmittel scheint nicht richtig zu haften oder ist brüchig?

Gewichte
Es hat sich gezeigt, daß ein dichterer Helm deutlich mehr Auftrieb hat. Die benötigte Bleimenge müssen Christian und Uwe abschätzen, zweimal 8kg vielleicht.
Wenn die Gewichte unter den Achseln unbequem zu tragen sind, sollten wir uns überlegen, auf die Y-Gurte mit klassischen Brust- und Rückengewichten umzusteigen. Die existierenden Bleiplatten können dazu verwendet werden. Zusätzliches Gewicht hängen wir auf den Platten mit an.

Schuhe
Mit der Größe müssen wir leben. Waren die Halteriemen fest genug angezogen? Jetzt wissen wir, warum Schuhe besser sind als Sandalen. . .

Luftablaß
Welchen habt Ihr verwendet, kurz oder lang? Soll am unteren Ende noch ein Gewicht montiert werden?

Lederschläuche
Lassen wir diese erstmal links liegen, bis wir wissen wie der Helm besser abzudichten ist.

Sprachverbindung
Mit nur einer Membran würde sie wenigstens an der Oberfläche oder in geringerer Tiefe funktionieren. Das sollten wir aus bekannten Gründen nicht riskieren.

Gruß,
Franz
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Re: Nachbau des Tauchanzugs von Peter Kreeft

Beitragvon Frog » Do 23. Mai 2019, 20:21

Thema Sprechverbindung
beim untertauchen gab es einen hörbaren Klack .
was meiner Meinung nach von der Membran her kam als diese Druck bekam.
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Re: Nachbau des Tauchanzugs von Peter Kreeft

Beitragvon Franz » So 2. Jun 2019, 06:29

Hallo Zusammen!

In Stralsund waren Uwe und Christian mit 36 kg Blei beschwert. Das reichte jedoch gerade so aus.
Legen wir nochmal 4kg dazu und lassen zwei weitere Bleiplatten gießen:

img536#.jpg
Das existierende Gewicht wiegt 6 kg und ist 22 mm dick. Das Zusatzgewicht wiegt 4 kg und ist 14 mm dick. Durch die beiden 16 mm Bohrungen stecken wir eine Büchse mit einem Innendurchmesser von 10,5 mm für die Schäkelschraube M10.


40 mm Edelstahlschäkel, vielleicht finden wir solche aus Messing:

71ADrxk56ML._SL1000_.jpg


An den 4 Schäkeln befestigen wir die Ledergurte. Deren verstellbare Länge muß noch ermittelt werden.

Mit bleiernem Gruß,
Franz
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Re: Nachbau des Tauchanzugs von Peter Kreeft

Beitragvon Franz » So 2. Jun 2019, 08:16

Am 02.06.2019 um 08:01 schrieb Christian Horn:

> Hallo Franz,
>
> Wir hatten Uwe beim Tauchgang zusätzlich schon 4kg draufgepackt und er sagte, dass es gerade so ging. Wir brauchen definitiv mehr.
>
> Der Taucher braucht zum Arbeiten mehr Standfestigkeit. War damals bestimmt genauso. Somit wurden ihm ja zusätzlich immer „mehr Gewichte angehängt“.
>
> Würde sagen 6kg oder gar 8kg.
>
> Und zusätzlich würde ich mich von den Achselgewichten verabschieden und gekreuzte Gurte (Testtauchgang in Leipzig) verwenden.
>
> Gruß
> Christian



Hallo Christian,

Uwe war mit 36 kg beladen. Mit den beiden neuen 4kg Platten hätten wir 40 kg Blei.
Wenn wir die neuen Platten 6 kg schwer machen, kämen wir in Summe auf 44 kg. Das sind 8 kg mehr als in Stralsund.
Denkst Du das reicht?

Die Achselgewichte wollen wir an gekreuzte 3 cm breite Ledergurte hängen, das wäre im Prinzip wie Leipzig 2.

Gruß,
Franz


Historische Tauchergesellschaft e.V. Historical Diving Society Germany Villenstrasse 6, 67433 Neustadt/ Wstr. Deutschland / Germany Tel: + 49 (0) 6321 80923 Email: franz.rothbrust@historische-tauchergesellschaft.de www.historische-tauchergesellschaft.de
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Re: Nachbau des Tauchanzugs von Peter Kreeft

Beitragvon Franz » Di 4. Jun 2019, 09:23

Hallo Zusammen,

habe mit Dr. Förster telefoniert:

Abdichten des Lederhelms
Dr. Förster ist der Meinung mit der Mischung aus Pech, Terpentin und Vaseline die richtige Dichtmasse gefunden zu haben. Die Viskosität lasst sich steuern und die Masse bleibt elastisch. Sie war erwärmt und mit einem Spatel in die Nähte gedrückt worden. In einem weiteren Versuch sollen die Nähte mit Lederstreifen, die mit der Dichtmasse bestrichen sind, abgedeckt werden. Auch die Nähte im Bereich der Gegenlunge will man so behandeln. Als Termin für diese Arbeiten hat Dr. Förster den Juli genannt. Vorher ist man in Stralsund mit anderen Dingen beschäftigt.
Der Helm wird wohl nie ganz Luftdicht, unabhängig davon ob er aus dickerem Leder oder stärkerem Faden genäht wird. Diese Tatsache könnte damals dazu geführt haben, daß Helme in der Folge aus Kupfer gefertigt wurden.

Gewichte
In Stralsund wurden in Summe 36 kg Blei verwendet, das war deutlich zuwenig. Mit Uwe und Christian habe ich mich dazu per Email ausgetauscht, der Schriftwechsel steht im Forum und wird noch ergänzt. Es sollen nochmal 8 kg hinzugenommen werden. D.h. wir verdoppeln die Achselgewichte. Das ist noch in Diskussion. Dr. Förster ist mit der Herstellung weiterer Gewichte einverstanden. Rob Krul muß vorher die Kosten nennen.

Soweit die Anmerkungen von Dr. Förster.

Unser Projekt zeigt warum in den folgenden Jahren Helmtauchausrüstungen im Detail anders gebaut wurden:
- Undichte Lederhelme führten zum Kupferhelm.
- Die rutschigen Bleisandalen wurden durch Bleischuhe ersetzt.
- Aus den frühen Achselgewichten wurden Brust- und Rückengewichte.

Gruß,
Franz
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Franz
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