Nachbau des Tauchanzugs von Peter Kreeft

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Re: Nachbau des Tauchanzugs von Peter Kreeft

Beitragvon Franz » Di 2. Apr 2019, 06:19

Hallo Uwe,

in einem der Schläuche ist die Spirale verbogen, dort wird es Probleme geben. Ein dritter Schlauch mit stärkerem Messingdraht ist in Arbeit, Drahtdurchmesser 2 mm. Der Schlauch sollte nächste Woche hier sein. Er kann für die Sprachverbindung verwendet werden, da er von außen druckbelastet wird. Den anderen Schlauch mit 1,5 mm Spirale können wir zur Beatmung verwenden, er steht unter Innendruck. Die Lederschläuche werden wohl nur im Museum ausgestellt. Wenn wir sie dicht bekommen, sollten die Schläuche auch im Wasser ausprobiert werden. In Leipzig verwenden wir wieder Michas Gartenschläuche.

Gruß,
Franz
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Re: Nachbau des Tauchanzugs von Peter Kreeft

Beitragvon Franz » Do 4. Apr 2019, 16:05

Lederfans,

Frau Barthold hat auf meinen Beitrag vom Montag den 1. April, geantwortet:

„Ich möchte Ihnen dazu raten bei Vaseline zu bleiben. Das Rapsöl liegt bei Raumtemperatur flüssig vor und wird bei den Druckverhältnissen nicht abdichten sondern bestimmt verdrängt. Sie können die Vaseline neben der Wärmezufuhr alternativ auch mit einem unpolaren Lösungsmittel verdünnen (n-Hexan). Achten Sie dabei entsprechend auf den Arbeitsschutz! Das Lösungsmittel ist gut flüchtig. Wenn der Schlauch sich nach dem Befüllen an einem gut belüfteten Ort befindet wird das Lösungsmittel schnell abdampfen und die Vaseline sich entsprechend in der Faserstruktur verfestigen und abdichten. Dann sollte nach einigen Tagen des Abdampfens für den Taucher auch keine Gefahr bestehen. Am besten arbeiten Sie draußen".

Man muß die richtigen Leute fragen. . .

Also, Vaseline verdünnen, den Schlauch damit füllen, etwas Druck drauf geben bis die Mischung aus den Nähten kommt. Danach die verdünnte Vaseline herauslaufen lassen. Den Schlauch senkrecht einige Tage in die Sonne hängen lassen bis der Lösungsmittelgeruch verschwunden ist.

Das hat man damals zu Zeiten von Peter Kreeft, mit ziemlicher Sicherheit nicht so gemacht. Das Schlauchleder wurde wohl vor dem Nähen mit Fett und Pech getränkt und danach mit dem Eskimostich um die Spirale genäht.

: )
Franz
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Re: Nachbau des Tauchanzugs von Peter Kreeft

Beitragvon Franz » Do 18. Apr 2019, 12:52

Bericht
Testtauchgang Kreeft, 16. April 2019, Leipzig Sachsentherme.

Hallo Zusammen!

Unser Nachbau funktioniert!

Teilnehmer:
Ulf Barthel
Ralf Deuerling
Uwe Gläser
Christian Horn (Taucher)
Michael Müller
Anne Paschen DMM
Franz Rothbrust
Lothar Seveke
Stehen alle in der Liste?

Tauchdauer ca. 15(?) Minuten, maximale Tauchtiefe 3,8 m (Beckenboden).
Luftversorgung wie beim ersten Testtauchgang. Zusätzliche 1 l Pressluftflasche mit Ventilanschluß am Anzug als Bailoutmöglichkeit.

Anzug
Er war problemlos anzuziehen. Der weite Schnitt war von Vorteil. So konnte sich der Anzug in Nähe der Kauschen direkt, ohne zu ziehen, an den Körper legen. Das sieht man gut an den Beinkauschen auf dem Foto unten. An den Hosenträgern brauchts oben noch ein paar Löcher. Nach dem Tauchgang waren 0,25 bis 0,5 l Wasser in den Stiefeln.
Im Bereich des Helms und den Schultern entwich viel Luft aus den Nähten. Die Vaseline wurde kurz nach dem Abtauchen durch den relativen Überdruck (ca. 0,025 bar) aus den Nähten gedrückt. Es muß ein festeres Dichtmittel verwendet werden, welches elastisch bleibt, nicht brüchig wird. Ich bin dazu in Kontakt mit Frau Barthold. Sie hätte einige Vorschläge. Nach Ostern wissen wir mehr.

Anbauteile
Helmfenster und Schlauchanschlüsse funktionierten einwandfrei, waren dicht. Das Schnabelventil vom Luftablaß und das Rückschlagventil im Helm taten ebenfalls ihre Dienste.

Sprechverbindung
Sie funktioniert nur an der Oberfläche. Mit zunehmender Tauchtiefe steht die Helmmembran unter Druck und kann kaum vibrieren.

Gewichte
Es wurden zwei Bleigurte mit je 5 kg kreuzweise getragen. So bleib der Helm auf den Schultern. Die Gewichte hingen unter den Achseln. Zusammen mit den Schuhen (je 10 kg) war der Taucher optimal ausgebleit. Summe der Gewichte 30kg. Ein Schulterpolster war wegen dem Helmrahmen aus Rundstäben, notwendig.

Luftablaß
Dieser hat in geringerer Tiefe funktioniert. Nach einigen Minuten entwich die meiste Atemluft aus den Nähten des Helms.

Schuhe
Es müssen noch ein paar Löcher in die Fersenriemen gestanzt werden. Sie sollten zusätzlich durch einen Gurt oder ein Seil gehalten werden, das durch die Fersenlasche gezogen und vorn verschlossen bzw, verknotet wird.

Kauschen
Diese waren dicht. Vor dem Zusammenbau wurden die entsprechenden Stellen nochmal dünn mit Vaseline bestrichen. An den Stiefeln genügt eine Schnur, die zweimal um die Kausche gewickelt wird. An der Bauchkausche wurden zwei getrennte Leinen (4 mm Hanfseil) umgebunden. Es wurde ein „Zugknoten“ mit zwei halben Schlägen verwendet: https://www.youtube.com/watch?v=h1pr_9BB66A
Ein halber Schlag mit Slip wird genügen, so kann man den Knoten leichter lösen.

Kreeft-Replik003#.jpg
Christian auf Tiefe. Foto: Michael Müller


Herzlichen Dank an alle Helfer vorort. Das lief wie am Schnürchen.

Franz
Zuletzt geändert von Franz am Do 2. Mai 2019, 16:18, insgesamt 6-mal geändert.
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Re: Nachbau des Tauchanzugs von Peter Kreeft

Beitragvon Lothar » Do 18. Apr 2019, 16:08

Tauchzeit anhand der Fotos: 20.16 bis 20.23 Uhr
Mir kam's auch länger vor.
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Re: Nachbau des Tauchanzugs von Peter Kreeft

Beitragvon Franz » Mo 22. Apr 2019, 15:58

Hai!

Die nächsten Schritte:

Helm
Dieser muß besser abgedichtet werden. Frau Barthold arbeitet an einer authentischen, elastischen Dichtmasse, die unsere Anforderungen erfüllt. Sie gibt nächste Woche verschiedene Empfehlungen ab.
Der Anzug war hier in Nestadt relativ dicht, hat nirgendwo hörbar abgeblasen. Bei Raumtemperatur ist die Vaseline dickflüssig wie Honig. Im Schwimmbad dagegen, ist sie fast davongelaufen, Raumtemperatur 28 Grad. . . .

Vorführung in Stralsund
Christian Horn hat vorgeschlagen im Tauchcontainer die Szene aus der historischen Abbildung "Tab 1" nachzustellen. Die Idee hat allen gefallen.
Dazu braucht es noch einiges an Vorbereitung und Organisation. Das ist derzeit im Gange.

Gewichte
Rob Krul gießt die beiden Achselgewichte.

Gruß,
Franz
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Re: Nachbau des Tauchanzugs von Peter Kreeft

Beitragvon Franz » Mi 24. Apr 2019, 13:56

Hallo Zusammen!

Hier eine Anleitung zum Binden der Bauchkausche.

Zugknoten 1#.jpg

Zwei solcher Seile sind notwendig. Es kann auch etwas länger als 170 cm sein. Die Seilenden am besten mit Sekundenkleber gegen ein Aufdrehen sichern. Authentischer ist natürlich ein Bänsel.


Zugknoten 2#.jpg


Anleitung: https://www.youtube.com/watch?v=h1pr_9BB66A

a) Die Hose am Umfang der Bauchkausche mit Vaseline leicht einfetten. An den Nähten vorne und hinten etwas mehr Fett auftragen.
b) Jacke überziehen.
c) Das erste Seil um die Kausche legen und nur leicht festziehen. Es werden sich falten an einigen Stellen bilden. Diese können seitlich weggezogen werden (wichtig).
d) Den Zugknoten festziehen und mit einem halben Schlag sichern. Das Seil muß stramm sitzen.
e) Das zweite Seil um 180 Grad verdreht umbinden. Es sollte neben dem ersten Seil liegen, sich nicht mit ihm überschneiden.

In einem der Ersatzteilkoffer liegen Eiscremehölzchen. Diese kann man verwenden um das Seil etwas anzuheben wenn der halbe Schlag erst nachträglich angelegt wird.

Die Beinkauschen werden ebenso gebunden. Hier reicht 1 Seil, das zweimal um die Kausche gewickelt wird. Dessen Länge ist anders als jene oben.

Gruß,
Franz
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Re: Nachbau des Tauchanzugs von Peter Kreeft

Beitragvon Franz » Mo 29. Apr 2019, 06:07

Hallo!

Der Abstand zwischen der Helmoberkannte und dem unteren Ende des langen Luftablaßschlauchs beträgt 45 cm. So entsteht im Helm ein relativer Überdruck von etwa 45 cm Wassersäule oder 0,045 bar. Aus diesem Druck ergibt sich rechnerisch eine Zugbelastung an den senkrechten Helmnähten von 0,42 kg pro Zentimeter.
Ein 2 cm breiter eingefetteter Lederstreifen mit Naht wurde versuchsweise mit 2 kg Zuggewicht belastet. Das entspricht 1 kg pro Zentimeter und ist mehr als das doppelte der tatsächlichen Zugbelastung beim Tauchen. Der Lederstreifen hing 12 Stunden im Wasser ohne zu reißen. Der Salzgehalt des Wassers entsprach dem der Ostsee bei Stralsund: 1 %. Gerissen sind die Fäden bei einer Zugbelastung von 5 kg/cm. Das Leder riß nicht aus.

L1230519#.jpg
Versuchsaufbau mit einem 2 kg Dräger Klemmblei in "Ostseewasser"

Wir sind mit unserer Konstruktion also auf der sicheren Seite.

Gruß,
Franz
Zuletzt geändert von Franz am Di 30. Apr 2019, 10:22, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Nachbau des Tauchanzugs von Peter Kreeft

Beitragvon oxydiver » Di 30. Apr 2019, 06:40

Hallo Franz,

ich sehe da auch überhaupt keine Probleme. Es wäre schön wenn der "historische" Balg noch fertig werden würde. Ich hab eben mal in meinen Unterlagen gekramt. Ich finde wir hatten es 2017 schon ziemlich genau getroffen :-)

Vergleich 2017-2019.jpg


Gruß Micha
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Re: Nachbau des Tauchanzugs von Peter Kreeft

Beitragvon Franz » Mo 13. Mai 2019, 10:35

Hallo Micha,

stimmt, das Prinzip hatten wir schon nach wenigen Wochen erkannt. Der ganze Rest war Detailarbeit . . .

Der neue Schlauch ist eingetroffen. Die 2 mm Messingdraht-Spirale ist deutlich stabiler und somit viel besser für unsere Zwecke. Der Schlauch ist zwar schwerer, trotzdem sehr biegsam.

Wir müssen noch einen Weg finden, ihn abzudichten. Mal abwarten, wie in Stralsund die Versiegelung der Helmnähte funktioniert.

Schönen Gruß,
Franz
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Re: Nachbau des Tauchanzugs von Peter Kreeft

Beitragvon Frog » Di 14. Mai 2019, 19:50

hier die Ankündigung des Ozeaneum für die Vorführung zum int. Museumstag.

https://www.ozeaneum.de/ozeaneum-news/p ... und-heute/
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