Nachbau des Tauchanzugs von Peter Kreeft

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Nachbau des Tauchanzugs von Peter Kreeft

Beitragvon Franz » Di 15. Aug 2017, 10:17

Hallo Zusammen!

Das Deutsche Meeresmuseum „Nautineum“ in Stralsund hat angefragt, ob wir den historischen Tauchanzug von Peter Kreeft originalgetreu nachbauen können um dessen Funktion mit einem Tauchversuch zu beweisen.
Auf der Webseite des Meeresmuseums gibt es Informationen zu Kreeft und seinem Anzug:

http://www.365entdeckungen.de/index.php ... teDiff=162

Der Nachbau in Stralsund ist jedoch aus modernen Werkstoffen hergestellt und daher nicht authentisch. Unsere Replik soll mit den damals zur Verfügung stehenden Materialien und technischen Möglichkeiten, hergestellt werden. Der Anzug hat funktioniert, wie ein Zeitzeugenbericht belegt. Die größte Herausforderung wird sein, einen wasserdichten Tauchanzug aus Leder herzustellen. Das kann ein Fachbetrieb nach unseren Vorgaben übernehmen.

Zur Realisierung wird das Museum ein Budget bereitstellen. Der Anzug wird in Stralsund und anderen Museen ausgestellt. Über das Projekt wird die Presse berichten. Es ist zudem eine wunderbare Möglichkeit die Historische Tauchergesellschaft einer breiten Öffentlichkeit bekannt zu machen.

Für den Bau müssen wir eine Arbeitsgruppe zusammenstellen, die den Anzug in Abstimmung mit dem Museum plant und baut. Am Ende steht ein Tauchversuch. Wer an diesem interessanten Projekt interessiert ist, möge sich bitte bei mir melden.

Für das Projekt haben sich bereits mehrere Teilnehmer gemeldet. Wir wollen die Rekonstruktion hier im Forum abhandeln, damit alle informiert sind.

Gruß,
Franz

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Re: Nachbau des Tauchanzugs von Peter Kreeft

Beitragvon Franz » Di 15. Aug 2017, 10:27

Hallo Miteinander,
Dr. Förster vom Deutschen Meeresmuseum hat sich per Email gemeldet. Warum die Fotos seitwärts verdreht und manche kopfstehnd hier im Forum abgebildet werden, ist mir ein Rätzel.

Gruß,
Franz

Lieber Herr Rothbrust, lieber Ulf,

ich freue mich sehr, dass sich die Historische Tauchergesellschaft des spannenden Themas - der Rekonstruktion der Kreeftschen Tauchmaschine annehmen möchte.

Anbei habe ich einige Fotos zum Zustand der derzeitigen Rekonstruktion beigefügt, die sich bei uns im NAUTINEUM befindet. Der Anzug ist aus Kunstleder gefertigt und entsprechend verklebt. Auch die Aussteifung des Kopfteils, das Sichtfenster, die Luftzufuhr wurden mit modernen Materialien ausgeführt.

Mit dem Projekt würde ich gerne folgende Ziele verfolgen:

- Nachbau der Kreeftschen Tauchmaschine mit den historisch genutzten Materialien (Leder, verlötete Kupferelemente ...)
- Dokumentation - und filmische Begleitung des Nachbaus
- publikumswirksamer Test des Nachbaus im Stralsunder Hafen und an einem Schiffswrack vorm Darß
- Präsentation der Tauchmaschine in der Sonderausstellung "Europa und das Meer" im Deutschen Historischen Museum Berlin und danach im Nautineum / Deutschen Meeresmuseum

Das Deutsche Historische Museum benötigt den Nachbau zum Juni 2018.

Wichtig wäre, dass wir schnell den Kostenrahmen des Nachbaus bestimmen. Ich würde Mittel über unseren Förderverein, Berufstaucherfirmen und Tauchartikelhersteller einzuwerben. Auch das Deutsche Historische Museum würde sich an der Finanzierung beteiligen. Wäre aus Ihrer Sicht eine Kostenkalkulation bis Ende September 2017 realistisch?

Ich hätte noch eine weitere Bitte. Im Herbst 2017 wollen wir die Vitrine mit den historischen UW-Kameras neu gestalten und mit entsprechenden Texten versehen. Ich würde mich sehr freuen, wenn Sie uns da unterstützen könnten.


Mit besten Grüßen

Thomas


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Re: Nachbau des Tauchanzugs von Peter Kreeft

Beitragvon Franz » Di 15. Aug 2017, 10:32

Hier die restlichen Fotos von Dr. Förster:

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Re: Nachbau des Tauchanzugs von Peter Kreeft

Beitragvon Franz » Di 15. Aug 2017, 11:09

Hallo Zusammen,

Michael Jung hat zum Tauchanzug von Kreeft ein kleines Buch verfasst: "Meeresgrundwanderer".
Die Scans sind nur für den vereinsinternen Gebrauch zur Rekonstruktion bestimmt. Besonders wichtig ist der Zeitzeugenbericht auf den ersten Seiten. Er liefert eine einigermaßen genaue beschreibung von Kreefts Konstruktion. Hier ein Auszug mit dem Zeitzeugenbericht. Die Abbildungen vergrößern sich wenn man draufklickt:

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Die PDF vom ganzen Buch ist zu groß um hier eingestellt zu werden. Der "Meeresgrundwanderer" enthält weitere sehr wichtige Informationen zum Tauchanzug. Interessenten schicke ich die PDF vom ganzen Buch per Email direkt zu.

Gruß,

Franz
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Re: Nachbau des Tauchanzugs von Peter Kreeft

Beitragvon Franz » Di 15. Aug 2017, 15:08

Hallo Miteinander!

Nach intensivem Studium des Zeitzeugenberichts, glaube ich, daß das Projekt zu realisieren ist, der Anzug funktioniert hat.

Zunächst sollten wir uns mit den einzelnen Komponenten befassen, damit wir die Funktion verstehen und bis Ende September einen Kostenvoranschlag ausarbeiten können. Ob wir den Anzug bis Juni nächsten Jahres bauen können, wird sich zeigen. Ich bin guter Hoffnung.

Lederanzug
Den Anzug mit Oberteil bzw. Busseruhn (6) mit Kopfhaube, Beinkleider (13) & Stiefel (14), muß ein Fachbetrieb nach unseren Vorgaben anfertigen. Gottfried Keindl hat einen Weißgerber an der Hand, der wasserfestes Leder herstellt. Vielleicht können wir auch echte Lederstiefel verwenden. Einen Sattlerbetrieb, der Leder wasserdicht vernähen kann, müssen wir noch finden. In Norwegen wurde eine Replik aus Leder wasserdicht vernäht, dort können wir uns Rat holen.

Metallteile
Schrauben mit Mutter (1 & 2), das „Auge (Fenster 19), Gestäbe des Busseruhns (5), Kaussen (10 & 11), diese Teile lassen wir in einer Schlosserei aus Messing oder Kupfer fertigen. Die Frontscheibe kann aus Glas geschnitten werden.
David Dekker hat Bleisohlen (12) im Angebot.
Aus dem Text geht hervor, daß der Taucher mit zusätzlichen Gewichten behangen worden ist um abtauchen zu können. Hier können wir uns mangels Vorlage, an den amerikanischen Helmtauchausrüstungen orientieren.

Luftschläuche (16 & 17)
Das größte Problem sehe ich in der Herstellung der Pressluftschläuche aus Kupferdraht und Leder. Es gibt vielleicht Vorlagen in Museen nach denen wir uns richten können. Ich fürchte die Schläuche werden ziemlich steif sein und wir Probleme mit den Handhabung beim Unterwassereinsatz haben werden.

Blasebalg (3) und Trichter am Sprachrohr (4)
Ein großer Blasebalg sollte sich auftreiben lassen. Den Sprachtrichter lassen wir anfertigen.

Sicherheit
In dem Anzug von Kreeft kann man ertrinken wenn etwas schief läuft. Daher muß es eine zweite Luftversorgung geben, die der Taucher selbst bedienen kann. Sicherheitstaucher als Begleitung verstehen sich von selbst.

Generelle Funktion
Die Luftzufuhr über den Schlauch (17) kann mit entsprechenden Rückschlagventilen so funktioniert haben.
Der sog. Abluftschlauch (16) macht Kopfzerbrechen. Aus tauchphysikalischen Gründen kann er nicht nach oben offen gewesen sein, sonst wäre es nicht möglich gewesen, einen der Wassertiefe entsprechenden Luftdruck im Anzug aufzubauen. Wenn er als Sprachrohr gedient hat - dafür spricht der Augenzeugenbericht - muß er am Kopfteil mit einer druckfesten Membran verschlossen gewesen sein. Die Membran könnte auch oben am Trichter gesessen haben, das halte ich aber eher für unwahrscheinlich.

Somit ist das Problem der Abfuhr der Ausatemluft noch offen. Ich sehe derzeit die folgenden Möglichkeiten:

1) Eine Kombination zwischen einer Sprechmembran und einem Ausatemventil. Ich fürchte die Justierung durch den Taucher wäre kompliziert und die Sprechverbindung bei weitem nicht so gut wie beschrieben.

2) Ein separates Ausatemventil am Kopfteil, welches vom Taucher justiert werden konnte. Darüber ist im Augenzeugenbericht nichts zu lesen. Das kann aus Geheimhaltungsgründen Absicht gewesen sein.

3) Eine dritte Leitung für die Ausatemluft aus dem Kopfteil nach unten führend. Ganz so wie es bei den ersten englischen Helmen gemacht wurde und im HDS UK Logo zu sehen ist. . .

Im Augenzeugenbericht wird am Ende ausdrücklich darauf hingewiesen, dass „diese wenigen Worte keineswegs auf Vollständigkeit Anspruch machen . . . diese Blätter nur zur Befriedung der schnell entstehenden Wißbegierde des Nichtkenners und Nichtgelehrten dienen sollen“. Das kann ebenso für die Zeichnungen gelten. Zudem gab es Geheimhaltung, so hat Kreeft laut Zeugenbericht im vorletzten Absatz, als „einziges Geheimnis“ nicht verraten, wie er den Anzug 100% wasserdicht gemacht hat. Es könnte ohneweiteres noch ein zweites, sicher viel wichtigeres Geheimnis um die Ausatmung gegeben haben.
Das Problem mit der Abfuhr der Ausatemluft müssen wir glaubhaft und nachvollziehbar lösen bevor mit dem Bau begonnen wird. Dr. Förster lässt in den Stralsunder Archiven nach weiteren Berichten zum Tauchgang von Kreeft suchen. Vielleicht finden sich noch Hinweise.

Was meint Ihr?

: )
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Re: Nachbau des Tauchanzugs von Peter Kreeft

Beitragvon oxydiver » Mi 16. Aug 2017, 06:55

Hallo Franz,

genau das Problem der grundsätzlichen Funktion hatten wir (Ulf, Lothar und ich)bereits bei unserem Besuch im Museum diskutiert. Man muss ja zumindest sovie Druck im Helm erzeugen das er nicht volläuft. Das müsste man zu aller erst ausprobieren. Dazu könnte ein primitiver "Eimerhelm" ohne alles dienen. Der Rest ist dann relativ unproblematisch,eher ein finanzielles und Zeitproblem.
Überlegung: Ob bei genügend grosser Luftzufuhr auch unterschiedliche Schlauchquerschnitte /Öffnungen den Druch afbauen könnten? Zumindest müsste der Anzug dann relativ dicht sein damit er nicht sofort volläuft....

Gruß Micha
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Re: Nachbau des Tauchanzugs von Peter Kreeft

Beitragvon Franz » Mi 16. Aug 2017, 08:07

Hallo Micha,
stimmt, wenn der Ausatemschlauch ein kleinerer Innendurchmesser hatte als als jener für die Luftzufuhr, hätte sich im Kopfteil Druck aufbauen können. Auf die Idee bin ich gestern Abend noch beim Einschlafen gekommen. Kreeft konnte den Druck über die Sprechverbindung "regeln" indem er den Mann am Blasebalg anwies mehr oder weniger fest zu pumpen. Ob das so funktionien konnte, muß ausprobiert werden. Der Druck im Kopfteil ist durch die Pumpbewegung schwankend, strapaziert sicher die Trommelfelle. Jedenfalls würde diese Lösung mit den Kupferstichen übereinstimmen, auf denen kein, wie auch immer geartetes Überdruckventil, zu sehen ist.

: )
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Re: Nachbau des Tauchanzugs von Peter Kreeft

Beitragvon Franz » Mi 16. Aug 2017, 09:13

Moin Micha,

den Müllerschen-Durchflußsteuerungsgedanken habe ich in einem ersten Kleinversuch im Regenwasserfaß überprüft :

L1190147#.jpg

L1190149#.jpg

Es gelang problemlos mit Lungenkraft den "Helm" mit Luft zu füllen, auch bei gleich großem Schlauchquerschnitt. "Tauchtiefe" 20 cm, Helmvolumen 0,5 Liter. Dabei mußte jedoch konstant ordentlich Atemluft nachgeliefert werden.
Sobald der Abluftschlauch etwas abgeknickt wurde, füllte sich mein kleiner Helm sehr viel schneller und ich mußte weniger pusten. . .

Unter Labor- bzw. Regenwasserfaßbedingungen funktioniert das also. Der nächste Schritt wäre ein transparentes 10l-Gefäß, möglichst mit Blasebalg im Schwimmbad auf 4 Meter Tiefe. . . Oooder, Du nutzt die Gelegenheit in Rovinj um das auszuprobieren, das sollte bei deinem bastlerischen Genie und Improvisationstalent kein Problem sein. . . Putzeimer, Gewichte, Gartenschlauch, Pressluftanschluß. . . .

: )
Franz
Zuletzt geändert von Franz am Mi 16. Aug 2017, 17:43, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Nachbau des Tauchanzugs von Peter Kreeft

Beitragvon УГК-1 GER » Mi 16. Aug 2017, 13:37

Moin,

da gab es mal was...
Irgendwann, so um 1979/80 bin ich bei New England Divers in L.A. über Produkte gestolpert, die so ähnlich funktionieren (Free Flow Prinzip):

http://www.divedesco.com/P/38/DESCOPoolCleaningMask

http://www.divedesco.com/P/31/DESCOAirHat

Links leider auf US-Englisch.

Eine Pumpe pumpt Luft im Dauerdruck in Maske bzw. Helm. Die Luftzufuhr besitzt ein Rückschlagventil (Falls das Gebläse ausfällt bzw. der Blasebalg im Saugmodus ist)
Über ein einstellbares (air hat) bzw. festes Ausblasventil (pool cleaning mask) geht der Überdruck ins Wasser.
Das System funktioniert in geringen Wassertiefen (angeblich bis 30 ft/9 m).
Habe es (pool cleaning mask) auch mal in einem Aquarium als Zuschauer in Aktion gesehen.

Bedeutet für den Nachbau: In Zu- und Abluft müssen Rückschlagventile vorhanden sein, die ein Entlüften durch Überdruck in der Saugpause des Blasebalgs verhindern.

Interessant ist der historische Hinweis, das der Taucher an der Oberfläche gehört werden konnte, ein Hinweis, dass die Kommunikation auch umgekehrt funktionierte, fehlt.
Lässt darauf schließen, dass ein ständiger Luftzug nach oben im "Höhrrohr" vorhanden gewesen sein muss.

Tarieren: Als Besitzer eines KV-Tauchanzuges (UGK-1) ist mir das ständige Fahrstuhlfahren, wenn zuviel bzw. zuwenig Luft im Anzug ist, durchaus ein Begriff.
"Fußläufig" mit Bleisohlen ist das natürlich nicht so gravierend, sollte aber berücksichtigt werden.

Gruss

Hajo
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Re: Nachbau des Tauchanzugs von Peter Kreeft

Beitragvon Josef » Mi 16. Aug 2017, 15:42

Moin,
zum Thema Schlauch, Blasebalg und Telefon hier auch mal ein Bild von der Nachbarbaustelle. Dieses Teil ist in den Museen öfter zu finden, da immerhin ca. 6000 Stück davon produziert wurden. Ich gehe davon aus, das zumindest in Berlin (in jedem Fall im Feuerwehrmuseum) Originale vorgehalten werden. Man kann durchweg drüber nachdenken, zumindest den Blasebalg zweckzuendfremden und auch mal genauer auf den Schlauch zu schauen.
Gruß
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Der Königsche Rauchhelm
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