Nachbau des Tauchanzugs von Peter Kreeft

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Re: Nachbau des Tauchanzugs von Peter Kreeft

Beitragvon stg53 » Fr 6. Apr 2018, 10:50

Moin Franz!
Weiß nicht was das jetzt soll. Die Parameter für den Testtauchgang diskutieren wir ja nun nicht erst am heutigen Tag. wenn du das Anforderungsprofil geändert hast, musst du es sagen.
Ich habe in meinen letzten Text ziemlich eindeutig erklärt, dass für mich ein Zeitunterschied von 28-40 Jahren eben nicht eine Lösungssuche um 1800 darstellt.
Wieso soll ich etwas skizzieren, was wir schon durchgekaut haben??? Die gekreuzten Gurte + Bauchgurt waren für das 2. Testtauchen vorgesehen, sie liegen bei mir in der Kiste. Christian, Michael und ich sind ja bis zum abblasen des 2. Testevent davon ausgegangen, diese zu verwenden.
meine Vorstellungen dazu habe ich im Forum und intern dargelegt. 2x 10kg Bleisandalen und dann mit Blei oder Eisenstücken so lange behängen, bis er unten bleibt. lies mal nach, dann siehst du, dass ich da nach dem 1. Test schon meine Gedanken gemacht habe.
#Ulf
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Re: Nachbau des Tauchanzugs von Peter Kreeft

Beitragvon Franz » Fr 6. Apr 2018, 11:41

Ulf,

über den zweiten Testtauchgang habe ich nichts geäußert oder am Anforderungsprofil etwas ändern wollen.

Die Kreuzgurte sind eine übliche Lösung aus der Zeit um 1800 beim Militär und sicher auch anderswo. Kreeft kann das so gemacht haben, wir wissen es nicht. Die Darstellungen von Bikkers und Rouquayrol Denayrouze mit solchen Achsel-Gewichten lassen den Schluß zu, daß es möglich gewesen sein könnte, das Peter K. das eventuel auch so gemacht hat. Jede Lösung für das Gurt und Gewichtssystem, das wir finden wird immer auf Vermutungen beruhen.

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Re: Nachbau des Tauchanzugs von Peter Kreeft

Beitragvon Franz » So 8. Apr 2018, 06:47

Hallo Zusammen!

John Bevan hat interessantes zu frühen Helmtauchergewichtsystemen beigetragen:

1.1 - 18 Goodrich lores.jpg
Deane Gewichte um 1830. Wir können aus bekannten Gründen keinen Bauchgurt verwenden.
a) Es würde mit der Bauchkausche Probleme geben
b) Die Anzugnähte im Bereich der Bauchkausche würden zusätzlich belastet.
c) Wir brauchen ein Gurtsystem, daß Kreefts leichten Lederhelm auf den Schultern hält. Das ist der wichtigste Grund. Der Deane Helm ist aus Kupfer gewesen und war dadurch viel schwerer.
1.1 - 18 Goodrich lores.jpg (79.04 KiB) 1297-mal betrachtet


Weights.jpeg
Deane Gewichte von 1832. Man hat damals wohl schnell gemerkt, daß es besser ist den Helm direkt mit Gewichten zu belasten. Dieses System hat sich im Prinzip bis heute erhalten.


CAD on RG detail 2#.jpg
Die 1832er Variante im Einsatz. Auch hier sieht man, wie auf den Kreeft-Stichen, unrealistische Details. Der Halsdurchmesser am Helm ist viel zu klein.


: )
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Re: Nachbau des Tauchanzugs von Peter Kreeft

Beitragvon Franz » So 15. Apr 2018, 09:40

Hallo!

Hier ein kurzer Zwischenbericht von unseren Baustellen:

- Anzug und Schläuche sind in der Mache.
- Metallteile, die kauschen sind unterwegs zum Lederschneider. Rob macht einen Helmdummy.
- Balg, die Finanzierung steht noch nicht. Drückt mal die Daumen.

Falls der Balg nicht zeitig fertig wird, sollten wir über Alternativen nachdenken. Die Sichtweite im stralsunder Hafenbecken sind nur anderthalb Meter. Tiefer sollte nicht getaucht werden. Wir könnten Michas Testbalg nochmal zu Ehren kommen lassen. . .
Gottfried hat einen alten Feuerwehrbalg, er prüft ob damit ebenfalls gepumpt werden kann.

: )
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Re: Nachbau des Tauchanzugs von Peter Kreeft

Beitragvon Franz » Mi 18. Apr 2018, 10:02

Hallo Zusammen!
Es geht nochmal um die Gewichte. Wir müssen darüber nachdenken, wieviel Blei benötigt wird. Christian war mit 36 kg im Wasser, die haben gerade so gereicht. Der kuglige Helm wird mehr Auftrieb haben, ich schätze so um die 2-3 kg. Er ist am Umfang größer geworden, dafür am Halsdurchmesser kleiner. Die Kauschen wiegen 3 kg. Helmfenster und Schlauchanschlüsse werden etwas mehr wiegen als beim Testanzug, da sie aus Messing sind, schätzungsweise 2 kg. Der Mehrauftrieb des Helms wäre damit ausgeglichen. Da Christians 36 kg zu wenig waren, sollten wir in Summe auf 38 kg Bleigewicht zu gehen:

- 10 kg für jede Bleisandale
- 7 kg für jedes Achselgewicht
- 2 x 2 kg Zusatzgewichte zum Anhängen.

Zeichnung Achselgewicht mit Zusatzgewicht:
img171# Kopie.jpg
Die 2 kg Gewichte werden der einfachheithalber rund mit einem seitlichen Loch für einen Tampen, mit dem binden wir sie ans Achselgewicht.
Das Achselgewicht bekommt ein entsprechendes Loch oben in der Mitte. So können wir den Nachbau je nach Bedarf tarieren. Peter K. würde sagen: "behängen". . . .


Mit 38 kg Gruß,
: )
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Re: Nachbau des Tauchanzugs von Peter Kreeft

Beitragvon Franz » Di 24. Apr 2018, 15:15

Freundeskreis wasserdichter Ledernähte!

Gottfried Keindl hat im Vogtland eine historische Pechsiederei entdeckt:

http://www.pechpiering.de/

Ich hatte mit Herrn Piering bereits ein längeres Gespräch, er hätte mehrere Problemlösungen für uns parat.
Es geht darum ein historisch identisches Dichtmaterial zu finden, daß in die Nahtlöcher gepresst werden kann.
Füher verwendete man dazu "Schusterpech", wie mir Herr Piering fachkundig erklärt hat. Es ist unter "Produkte" - "Spezialpeche"
zu finden.

Pech.jpg
Schusterpech
Pech.jpg (39.74 KiB) 1203-mal betrachtet


Mit dichtem Gruß,
: )
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Re: Nachbau des Tauchanzugs von Peter Kreeft

Beitragvon oxydiver » Sa 28. Apr 2018, 04:50

Moin Franz,

gepechter Faden wird ja schon lange bei der Schuhherstellung verwendet um wasserdichte und bei Feuchtigkeit haltbare Nähte zu produzieren..... Ein Verwandter war Schuster uns saß immer wenn ich Ihn besuchte in einer winzigen Holzhütte im Hinterhof. An der Wand hingen alle möglichen Geräte, Leder und Werkzeuge lagen umher. Es roch nach Leder. Auch ein Klumpen Pech lag immer griffbereit. Als Kind holte ich mir immer dort "Pechdraht" bzw, "Pechband" um an selbstgebastelten Angelruten die Ringe anzuwickeln :-)

Sollte also funktionieren, allerdings wurde der Pechdraht eben mit Handahle vernäht.

Gruß Micha

Der aus der "Schuhmetropole" der DDR kommt.
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Re: Nachbau des Tauchanzugs von Peter Kreeft

Beitragvon Franz » So 29. Apr 2018, 10:41

Hallo Micha,

dann liegen wir also richtig, haben zum Glück Pech. . .
Unser Lederschneider kann mit seinen Maschinen keinen Pechdraht verarbeiten, daher muß hinterher das Pech in die Fadenlöcher gedrückt werden. Mit dem Bügeleisen nochmal heiß hinterher, damit alles hineinzieht. Die meisten Nähte werden von innen abgedichtet, damit sie von außen besser trocknen können. Die Helmnähte macht ein Sattler von Hand, die können nur von außen versiegelt werden.

img177 ##.jpg
So wird unser Nachbau über Wasser aussehen. Hier erstmal mit zwei Luftablässen.
Jener auf der Schulter könnte auch rechts daneben auf der Brust montiert sein.


: )
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Re: Nachbau des Tauchanzugs von Peter Kreeft

Beitragvon Franz » Mi 2. Mai 2018, 16:52

Freunde der wasserdichten Ledernaht!

Schusterpech, habe dazu mit einem Sattlermeister telefoniert. Damit wurden früher die einzelnen "Seelen" eines Leinen- oder Hanffadens konserviert. Danach wurde der Faden durch Wachs gezogen. Das Leder mußte gut eingefettet werden, aufquellen, damit es kein Wasser einzog. Aus Kostengründen müssen wir maschinell vernähen und können keinen so präparierten Faden verwenden. Das Dichtmittel muß danach aufgetragen und in die Fadenlöcher gepresst werden.

Herr Piering, von der Pechsiederei rief an. So einfach wie wir uns das vorstellen wird’s nicht funktionieren. Er meint Wurzelteer, und einige andere Werkstoffe wären geeigneter als Schusterpech. Ich erzählte ihm vom kreeftschen Originalrezept, dass Micha bei Stelzner entdeckt hatte: Pech, Terpentin, Schweineschmalz und Wasser. Das könnte auch funktionieren, wobei Terpentin ein weiter Begriff sei. Wir haben uns darauf geeinigt, dass er vom Lederschneider Nahtmuster bekommt und danach etwas für uns zusammenstellt.

Das muß alles mit Dr. Förster abgestimmt werden, der ist zurzeit bei Unterwasserausgrabungen auf den Philippinen beschäftigt und erst Ende Mai wieder in Stralsund. Ich kann ihn per Email nicht erreichen. Das Abdichten der Nähte wird also noch ordentlich Zeit in Anspruch nehmen.

Die Metallteile werden Ende Mai bis Mitte Juni fertig. Erst dann kann der Lederschneider den Anzug fertig machen. Die beiden Lederschläuche sind bereits genäht, sie kommen in den nächsten Tagen per Post.

: )
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Re: Nachbau des Tauchanzugs von Peter Kreeft

Beitragvon Franz » Mo 7. Mai 2018, 08:53

Freunde,

schaut mal, die Schläuche sind eingetroffen. Sie sind erstaunlich elastisch. . .

L1200426#.jpg

L1200429#.jpg


: )
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