Nachbau des Tauchanzugs von Peter Kreeft

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Re: Nachbau des Tauchanzugs von Peter Kreeft

Beitragvon Lekies » Mi 30. Aug 2017, 11:43

die Altvorderen waren Freunde schlichter Lösungen. Wenn's denn ein Hör- Sprechschlauch werden soll, würde ich den lederhelm entsprechend durchbrechen und innen einen sehr steilen Blechtrichter am Durchbruch fixieren. Den Trichter könnte man dann mit einer dünnen Blechmembrane verschließen, das wäre dann druckstabil und einfach zu fertigen.

bei dem Helm hier kann man sehen, wie groß die Sprechmembrane ist, das ist der zerknitterte Teil, hier hat der Wasserdruck ganze Arbeit geleistet.

https://shop.kusera.de/WebRoot/Store21/ ... kaufen.jpg

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Re: Nachbau des Tauchanzugs von Peter Kreeft

Beitragvon Franz » Do 31. Aug 2017, 07:48

Kreeftianer!

Mit der Sprechmembran bin ich gestern Abend ins Bett und mit der Luftablaßdüse wieder aufgestanden. . .

Könnte das auch so gewesen sein?

img914#.jpg
Zum Sprechen oder Hören muß die Luftzufuhr und Abfuhr kurz unterbrochen werden um das Zischen zu beenden. Kreeft hätte nur mit seiner Backe gegen den Düsenausgang drücken müssen um den Luftablaß zu schließen. Bei einem Durchmesser von 2 mm mit einer Fläche von 3 mm², zögen bei einem Unterdruck von -1 bar/cm², 30g an der Stelle . . . Bei geringerer Tauchtiefe wären es deutlich weniger. Kreeft käme höchstens mit einem kleinen Knutschfleck an die Oberfläche. Der Düsenausgang könnte auch über einen mit Federkraft offen gehaltenen Verschlußdeckel zugedrückt worden sein. Das vermindert das Hautverletzungsrisiko. Wenn ich an meinem Staubsauger den Schlauch mit der Hand abdecke, zieht es ordentlich ohne weh zu tun, da kann eigentlich nichts passieren.

Die verkleinerte Ablassdüse zusammen mit oben skizzierter Idee wäre m. E. die eleganteste Lösung. Eine Kombination zwischen Hörrohr, Flüstertüte und Luftablaß. Wie sich das auf den CO² Anteil im Helm auswirkt, muß vorher überprüft werden.
Wir sollten mehrere der angedachten Möglichkeiten ausprobieren. So umtauchten wir eine mögliche Diskussion um die Authentizität unserer Konstruktion.
: )
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Re: Nachbau des Tauchanzugs von Peter Kreeft

Beitragvon oxydiver » Do 31. Aug 2017, 08:36

Wie die Sprechmembran genau im Kupferhelm eingebaut war sieht man auch im "Stelzner".

Helmmembran_Stelzner.jpg


Nebenbei steht dort auch noch Klingerts Rezept zum Wasserdichtmachen von Leder :-)

Lederanzug_Stelzner.jpg


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Re: Nachbau des Tauchanzugs von Peter Kreeft

Beitragvon Franz » Do 31. Aug 2017, 09:06

Hallo Zusammen!

Juhu, wir kommen der Sache näher und näher. . . Vielleicht ist bei P. Schott und seiner "Technischen Curiosa" noch mehr zu finden?

Statt Pech, können wir Unterbodenschutz verwenden, dieser entspricht Pech. Wir werden dann mit etwas weniger Terpentin auskommen als wenn richtiges Pech flüssiger gemacht werden müsste. Das müssen wir noch ausprobieren.

: )
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Re: Nachbau des Tauchanzugs von Peter Kreeft

Beitragvon oxydiver » Do 31. Aug 2017, 11:00

Noch etwas zum Lederanzug. Hier könnte man sich sicher etwas zur Technologie der Herstellung eines wasserdichten Ledertauchanzuges an Hand eines Originales aus den Anfänge des 18ten Jahrunderts abgucken, also älter als der Kreeftsche Anzug:

https://museum-of-artifacts.blogspot.de ... tence.html

Das Material ist Kalbsleder, genäht mit gewachstem Faden und mit einer Pechmischung gedichtet.

OG1.jpg


Die gibt es auch als Replik:

https://www.youtube.com/watch?v=aMitKdwF9fA

https://www.youtube.com/watch?v=U8cWiEXf2lk

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Re: Nachbau des Tauchanzugs von Peter Kreeft

Beitragvon Franz » Do 31. Aug 2017, 16:25

Micha,

die Videos sind interessant. Man sieht wie das Leder genäht wurde.

Die riesige Kopfhube ist über einen Ring (Kausse) befestigt. Innen hat sie ein Gerüst. Das Netz über der Haube hält die Nähte beisammen.
Der Anzug hat viel Volumen, entsprechend hängt viel Blei daran. Der Einstieg ist von vorn.

Was ist da auf dem Rücken zu sehen, eine Art Schnabelventil?


Bis Sonntag Abend bin ich in Borena Hora ohne Emailzugang. . .

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Re: Nachbau des Tauchanzugs von Peter Kreeft

Beitragvon Franz » Mo 4. Sep 2017, 09:30

Hallo Zusammen!

Eben habe ich mit Friedrich Högner telefoniert:

Balg
Den hat er im Baumarkt gekauft, dieser konnte bis 2,5 bar Druck liefern. Die Luftlieferleistung hat bis zu einer Tauchtiefe von 5m gereicht.

Schläuche
Es wurden ½“ Gartenschläuche verwendet.

Gewicht
Die Schuhe mit je 8,5 kg waren zu schwer beim Laufen. Die im Divemaster genannten 19kg für beide Schuhe plus 10 kg Bleigurt sind zuviel.

Sprachrohr
Wenn er unter Wasser laut genug gebrüllt hat, haben die oben gehört, dass da einer schreit, zu verstehen war nichts. In die andere Richtung hat die Sprachverständigung ebenfalls nicht funktioniert. Das Luftzischen hat alles übertönt. Zudem hat das Überdruckventil die Verständigung gestört.

Helm
Im Helm war an der Lufteinlaßseite ein einfaches Schnabelventil eingebaut. An der Auslaßseite im Schlauch ein Überdruckventil Marke Eigenbau, bestehend aus einer kleinen Feder mit Dichtscheibe, montiert.

Friedrich wünscht uns viel Erfolg beim Bau und ist gerne zu weiteren Auskünften Bereit. Er meinte abschließend, dass er Glück hatte, dass unter Wasser nichts passiert ist.

Wer mit ihm Kontakt aufnehmen will, kann von mir die Emailadresse haben.

Gruß,
: )
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Re: Nachbau des Tauchanzugs von Peter Kreeft

Beitragvon Franz » Mo 4. Sep 2017, 17:21

Hallo Miteinander!

Am Wochenende habe ich in Borena Hora Peter Dick getroffen. Er war über unser Kreeft Projekt einigermaßen von Richard Walsby informiert worden.
Ich habe ihm den Zeitzeugenbericht geschildert. Peter meinte, daß der Autor zum Schutz der Idee einiges an Detailinformation zurückgehalten hat. Das sei damals üblich gewesen, da es keinen wirksamen Patentschutz gab. Wir können mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit davon ausgehen, daß es mehr als ein technisches Geheimnis zu wahren galt.
Wir besprachen noch die Ausatemschlauch-Problematik. Peter bezweifelt, daß Kreeft damals ein Überdruckventil verwendet hat und tippt auf den hängenden Schlauch. Die Deans haben drei Jahrzehnte später ebenfalls das Prinzip verwendet.
Meines Erachtens kann das auch anders gewesen sein, wenn Kreeft den hängenden Schlauch nicht kannte. Dieser war eine einfache raffinierte Konstruktion, die nur von jemand erdacht werden kann, der Taucherfahrung hat, wie das damals bei den Glockentauchern der Fall war. Ich versuche mir vorzustellen, wie ein taucherischer Laie den Luftabfluß bändigen würde. Die Verkleinereung des Luftausgangs ist da sehr naheliegend. Sprech- bzw. Hörrohre waren damals ebenfalls gebräuchlich.

Peter hat seine Unterstützung angeboten, er hat eine Dokumentation zum Bau historischer Schläuche, die er uns zur Verfügung stellt.

: )

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Re: Nachbau des Tauchanzugs von Peter Kreeft

Beitragvon oxydiver » Di 5. Sep 2017, 07:34

Moin Experimentalarchäologen,

das Überdruckventil hat ja meines Erachtens auch einen anderen Nachteil, es muss vorher auf die Zieltauchtiefe eingestellt werden, sonst hatt man trotzdem zuviel oder zuwenig Luft im Anzug, oder?
Es muss ja nicht unbedigt ein hängender Schlauch sein, auch ein Rückschlagventil unterhalb des Helmes tut es, in Verbindung mit der Sprechmembran, auch (solange man aufrecht stehen bleibt :-))

Gruß Micha
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Re: Nachbau des Tauchanzugs von Peter Kreeft

Beitragvon Franz » Di 5. Sep 2017, 11:35

Hallo Micha,

ja, das Ventil muß nach Tauchtiefe immerwieder justiert werden. Högner stellte sein Ventil nicht ein, "es hat halt funktioniert", wie er sagte und er gab zu, Glück gehabt zu haben.
In Borena Hora wurde ein Sprechschlauch ausgestellt, der an ein Mundstück angeschlossen ist. Das Schlauchende muß sich der "angesprochene" Taucher, an die Schläfe halten.

L1190264.JPG
L1190263.JPG


: )
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