Nachbau des Tauchanzugs von Peter Kreeft

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Re: Nachbau des Tauchanzugs von Peter Kreeft

Beitragvon oxydiver » So 21. Jan 2018, 08:08

Zur Info:
Alle Interessenten machen die Terminabstimmung zum Testtauchen in der Whatsappgruppe.
Micha
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Re: Nachbau des Tauchanzugs von Peter Kreeft

Beitragvon Franz » Mo 22. Jan 2018, 08:39

Freunde des historischen Nachbaus!

Folgt man dieser Darstellung, sollte unser Lederanzug so geschneidert werden:

Po 8-169 S.9b.jpg

Anzug 1a.jpg
So entspricht der Anzug weitgehend der Vorlage. Er ist nicht so eng geschneidert wie um 1800 dargestellt, sonst bekommen wir Probleme beim Anziehen. Die Beinkauschen befinden sich laut Zeitzeugenbericht "unter den Knien in den Hosen". Mit der Kausche in der Hose könnte es Probleme geben wenn unser Taucher in die Hocke geht, da zwei Lagen Leder die Kniee umschließen. Aber wann geht ein helmtaucher mal in die Hocke? Die Zeichnung ist nicht maßstabsgerecht.

Anzug 1#.jpg
Hier mit den Kauschen in den Stiefeln.


Über das Einbinden der Kauschen müssen wir uns noch Gedanken machen. Es gäbe zwei Möglichkeiten:

1)
Ein dünnes Seil wird zweimal um die Kausche gewickelt und stramm verknotet. Der Knoten muß leicht zu öffnen sein. Mehrere solcher Seile oder dicken Schnüre werden um 180 Grad versetzt angebracht, so addiert sich die Druckkraft auf die Kausche. Das oberste Seil verhindert das Öffnen der darunterliegenden Knoten. Die Knoten können wir, wenn nötig, mit einem darüberliegenden Gürtel schützen.

2)
Seil mit angepasster Länge (doppelter Umfang plus einige cm). Die Enden werden über Haken und Öse verbunden. Straff gezogen wird mit einem Seilspanner. Zwei solcher Spannseile pro Kausche sollten es schon sein.

Vielleicht fällt uns noch eine dritte Variante ein. Laut Zeitzeugenbericht wäre Methode „1“ naheliegend.

Schlauchlänge
Aus Kostengründen hatte ich Dr. Förster zweimal 4 Meter vorgeschlagen, diese reichen für die Ausstellung im Museum aus. Wir verlängern die Schläuche mit 1" PVC-Schlauch nach Bedarf zum tauchen.

Mit dreifach kreeftigem Tauchergruß,
: )
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Re: Nachbau des Tauchanzugs von Peter Kreeft

Beitragvon stg53 » Di 23. Jan 2018, 08:52

Moin Kreftianer und andere Bublemaker!
Die Hose sollte gerade so eng wie möglich geschnitten werden. Wir machen einen Testtauchgang von max 10 Minuten dauer. Das Leder hat einen Isolationsfaktor, dass darunter nur ein dünner Unterzieher (Fleece o.ä.) getragen werden muss. Die Hose in Franz´Entwurf gibt unserem KTA den Charme eines ABC-Schutzanzug aus Armeebeständen, aber nicht dem, eines historischen Tauchanzugs. Das An- und Ausziehen wird durch die Beinkauschen wesentlich erleichtert. Das ist in meinen Augen auch der einzige Grund, warum an den Beinen überhaupt Kauschenverbindung platziert wurden. Eventuell hatte Kreeft damit auch eine universelle Größenverstellung des Anzugs angestrebt - dann hätten aber an den Armen auch solche Kauschen sein müssen.
Den oberen Hosenbund würde ich viel höher ansetzen, minimum 10-12cm über den Bauchnabel. Begründung: ist die Kausche nicht 100% dicht, schwabbert das Leckwasser sofort in die Hose. Ist der Hosenbund höher und die die Hosenträger hochgezogen, sammelt sich das Leckwasser in dieser "Bilge". Vom Prinzip her also Schnitt wie bei einer modernen Wathose.
Es wäre zu überlegen, wie die Kausche im Inneren der Hose fixiert werden kann. Nur durch straffes Einsetzen kann beim Anziehen zu langwierigen Fummeleien führen.
Jacke kann/sollte im oberen Bereich salopp geschnitten sein. Unteres Ende wird ja die Taillierung durch den Durchmesser der Kausche definiert.
Bei allen Größenspielereien immer an zwei Dinge denken: Totraum und unerwünschtes Auftriebsvolumen.

Das dünne Seil würde ich wie einen Takling (siehe Atemregler-Mundstück-Montage) um die Kausche winden. Um ordentlich Zugkraft zum schnüren zu erreichen, muss dazu das Seil allerdings beim ziehen um hölzerne Handgriffe geschlungen werden. Das können einfache Besenstiel-Stücke sein. Kreeft ist noch auf Seglern um die Welt geschippert. Damals wurden zB die Maste und Mastverbindungen auch mit Takling mit-/ und untereinander verbunden.

Wie Franz das mit den 180 Grad meint, verstehe ich nicht.

Gruß
Ulf
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Re: Nachbau des Tauchanzugs von Peter Kreeft

Beitragvon oxydiver » Di 23. Jan 2018, 09:53

Moin Anzugschneider,

ich würde den Lederanzug zwar körpernah aber dem Taucher nun nicht auf den Leib geschneidert herstellen. Lass ihn doch ruhig ein paar Falten bilden, stört doch nicht, es wirkt ja nur der Differenzdruck von Unterkante Luftblase im Helm, sprich Höhe des Auslassventils/Hängeschlauch oder wie man das nun immer nennen will. Das sind bis zum Fuß höchstens 1,5m Wassersäule, an der Bauchkausche vielleicht 0,4m Wassersäule. Da gibt es keine Barotraumen.
Der Hautenge Schitt auf dem historischen Kupferstich ist Fiktion, da müsste man den Taucher in den Anzug einnähen oder er muss Latexähnliche Eigenschaften besitzen :D

Der Auftrieb entsteht in erster Linie durch das Helmvolumen und das Volumen im Schulterbereich, je nach dem wie tief wir das Auslassventil plazieren.

Wirklich passen muss der Anzug auf jeden Fall im Bereich der Kauschen, dort sollten sich keine Falten bilden. Aus dem Grund dürfen die Kauschen auch kein sehr großes Hohlprofil haben, also möglichst flach profiliert sein. Auch die Nähte sollten in diesem Bereich möglichst flach ausgeführt sein.

Man könnte die Kauschen auf dem jeweils nach innen gerichtetem Teil (später überdecktem Teil) der Hose mit Bohrungen versehen und dort an der Hose annähen. Hier könnte am Bauch auch evtl. die Hosenträger (Seile?) angreifen, damit die Hose beim Dichtchnüren halbwegs in der Höhe fixiert ist.

Das Abbinden sollte mittels Takeling und zwei Mann funktionieren (wie schon mal gesagt, mit Naturseil welches bei Nässe schrumpft), wenn man das oft genug herumschlingt dichtet das ab! Der Knoten liegt dann oberhalb der Wicklung und stört nicht.

@Franz , du meinst wahrscheinlich mit den 180 Grad die Versetzung der Knoten bei mehreren Takelingen?

Gruß Micha
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Re: Nachbau des Tauchanzugs von Peter Kreeft

Beitragvon Franz » Di 23. Jan 2018, 10:27

Hai!

180°, ja, damit die Knoten versetzt und nicht an der gleichen Stelle sitzen. Am Knotenpunkt kann es zu Undichtigkeiten kommen.

Unser Testtaucher hat die folgenden Maße:

Größe: 179 cm
Gewicht: 86 kg
Bauchumfang in Bauchnabelhöhe: 96 cm
Schulterumfang: 120 cm

Den Durchmesser/Umfang der Kauschen müssen wir nach seinen Maßen noch festlegen.

Mein Mustertrockentauchanzug beim Sattler ist also viel zu groß. Wir müssen einen Membrantrockentauchanzug zum Maßnehmen nach Hannover schicken. Wer kann einen in der passenden Größe für ein paar Tage zur Verfügung stellen?

Die barthelschen Undichtigkeitsüberlegungen sind in dieser Zeichnung mit aufgenommen:

Anzug 1B.jpg
Was für den Bauch gilt, kann den Knieen nur Recht sein, wir können die Stiefel ebenfalls etwas nach oben verlängern.
Das geht aber nur, wenn die Kauschen in den Stiefeln sitzen.


: )
Franz
Zuletzt geändert von Franz am So 4. Feb 2018, 17:43, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Nachbau des Tauchanzugs von Peter Kreeft

Beitragvon Gottfried » So 28. Jan 2018, 11:47

Bei meinen Besuch bei den historischen Tauchern in Schweden konnte ich eine komplette Ausrüstung von Carlson mit dem sog. Hydranten-Helm, also 4-Bolzen Carlson Helm besichtigen. Dar Anzug ist genauso weit geschnitten wie ein normaler Helmtaucheranzug, Teilung auf Bauchhöhe, Kausche wie wir sie andenken nur der Spannring ist aus Metall mit einen Kniehebelverschluß.
Helm wird mittels kurzer Leinen mit dem Spannring verbunden, was also den Schrittgurt ersetzt.
Bleigewichte werden am Umfang des Spannrings eingehängt.

Vielleicht hilft das weiter
Gruß Gottfried
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Re: Nachbau des Tauchanzugs von Peter Kreeft

Beitragvon Franz » Mo 29. Jan 2018, 18:30

Servus Gottfried,

war das so einer?

1.jpg


Ich habe leider kein besseres Foto.

: )
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Re: Nachbau des Tauchanzugs von Peter Kreeft

Beitragvon Gottfried » Sa 3. Feb 2018, 10:55

Hallo Franz,
genau den Taucheranzug meine ich. Auf deinem Foto sind nur die Leinen nicht befestigt die den Helm ähnlich wie Hosenträger mit dem Gürtel zusammen halten.
An Hand des Fotos sieht man überaus deutlich was passiert wenn diese Leinen nicht befestigt sind - es reisst der Kragen.

Die Schweden haben eine Holzform (wie eine Puppe mit abnehmbaren Armen, etc.) über die die einzelnen Anzugteile gelegt und miteinander verklebt werden.
Finde leider das Foto nicht mehr aber wenn das hilfreich wäre könnten wir ja Kontakt mit den schwedischen Kollegen aufnehmen.

Beste Grüße
Gottfried
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Re: Nachbau des Tauchanzugs von Peter Kreeft

Beitragvon Franz » So 4. Feb 2018, 16:48

Testtaucher!

Beim Testtauchgang müssen konstant in jeder Wassertiefe Blasen aus dem Luftablaß aufsteigen. Nur dann wird genügend Luft geliefert um im Helm den Umgebungsdruck aufzubauen. Christian darf also nur langsam an der Leiter, Stufe für Stufe, absteigen und muß dabei auf einen konstanten Luftabfluß achten, evtl. darauf warten bis es wieder blubbert, bevor er weiter absteigt. Die Abstiegsgeschwindigkeit muß mit zunehmender Tiefe immer langsamer werden, damit die Pumpmannschaft Druck im Helm aufbauen kann. Ist der Druck im Helm zu gering, entweichen keine Blasen, wird sich das Leder zwischen den Stützstäben nach innen wölben. Ihr müsst das von der Oberfläche genau beobachten und kontrollieren. Der Abstieg darf erst dann forgesetzt werden, wenn Luftblasen entweichen. Unser Testaucher darf also auf keinen Fall zu schnell absteigen oder abstürzen! Das muß über die Seilsicherung verhindert werden. Dieses Problem kennen wir aus der Helmtaucherei, Tauchersturz bzw. Blaukommen.
Beim Auftauchen muß die Luft im Helm genügend Zeit haben zu entweichen. Es muß trotzdem dabei etwas gepumpt werden um eine CO² Anreicherung zu vermeiden.

Ich bin gespannt, wie der Testanzug sich im Detail verhält und welche Antworten wir auf noch offene Fragen bekommen:

- Helmdurchmesser?
- Beschlagen der Scheibe, hilft der Schwamm?
- Anzugschnitt, Größe?
- Luftablaß, Schlauch oder Schnabelventil oder Kombination von beidem?
- Gewichte, wieviel kg?
- nötige Schlauchlänge bei 5m Tauchtiefe?
- Funktion und Luftlieferleistung Balg?
- Atemluftqualität?
- Lärm im Helm?
- Ausgleichsgefäß?
- Funktion Sprachrohr (Um ehrlich zu sein, es ist egal ob das gut funktioniert, Hauptsache es gibt keinen Druckabfall)
- alternative Luftversorgung über T-Stück und Pressluftflasche?
- Sicherungsseil?
- Kommunikation zw. Taucher und der Oberflächenmannschaft. Brauchen wir ein Headset zur Sicherheit?
- Sonstiges. . . . ?

Viel Erfolg beim Testen, passt gut auf!

: )
Franz
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Re: Nachbau des Tauchanzugs von Peter Kreeft

Beitragvon stg53 » Mo 5. Feb 2018, 09:50

Moin Kreeftianer!
Test des Prototypen:

wann: 06.02.2018 ab 17:30Uhr
wo: Sachsentherme Leipzig Schongauer Str.19 04329 Leipzig

Achtung! Das Betreten der Schwimmhalle kann, verständlicher Weise, nur in Badekleidung erfolgen. Bitte also Badehose, Badelatschen, T-Shirt und Handtuch mitbringen, sonst geht da nix.
Testtaucher Christian: in Anbetracht der grundsoliden Wassertemperatur von 30 Grad, langt dünner Fleece als Unterzieher völlig aus.

Kurzfristige Koordinierungsfragen bitte direkt tel. oder WA an Michael Müller.

#Ulf
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