9. Die Chronologie der Tauchgeschichte: 1801-1824

Die Anfänge des Tauchens

9. Die Chronologie der Tauchgeschichte: 1801-1824

Beitragvon Tauch-Info-Büro » Sa 9. Nov 2013, 23:34

Wieder der übliche Satz: Ist ja wohl kein echter Forumsbeitrag, ist aber wenigstens etwas. Und vielleicht wisst ihr - zufällig - Berichtigungen oder Ergänzungen? Aber bisher (gutes oder schlechtes Zeichen?) hat sich noch keiner gemeldet. Aber wie die von Folge zu Folge abnehmende Zugriffszahl belegt, schwindet das Interesse an nackten Daten zur Tauchgeschichte. Falls nicht und es den einen oder anderen nur an fehlenden Bildern mangelte, hier wären sie:

• Meine illustrierte Chronologie der Tauchgeschichte, Band I: Zeittafeln und Bilder
256 Seiten DIN A4, ca. 650 Schwarz-Weiß-Abbildungen. 3. bearb. u. erw. Aufl. / Edition 2013. Softcover mit farbigem Einband. ISBN 978-3-937522-45-6, gebundener Ladenpreis € 24,80 (http://www.gierschner.de)
Inhalt: Vorbemerkungen ● Abkürzungen ● Chronologie für die Zeit: 1. Vor Christus ● 2. Nach Christus - 1000 ● 3. 1001-1500 ● 4. 1501-1600 ● 5. 1601-1649 ● 6. 1650-1700 ● 7. 1701-1749 ● 8. 1750-1800 ● 9. 1801-1824 ● 10. 1825-1849 ● 11. 1850-1874 ● 12. 1875-1900 ● 13. 1901-1918 ● 14. 1919-1938 ● 15. 1939-1945 ● 16. 1946-1952 ● 17. 1953-1959 ● 18. 1960-1964 ● 19. 1965-1969 ● 20. 1970-1979 ● 21. 1980-2000 ● Lebensläufe ● Bildnachweise ● Personenregister.


Nun ja, weiter geht es in meiner Chronologie so:

1801
- Robert Fulton sprengt mit der verbesserten Nautilus (Belüftung mit Druckluft, vierflügeliger Propeller) in einer Versuchsvorführung mit der nachgeschleppten Mine eine 12-m-Schaluppe in die Luft.

1802
- William Forder bastelt sich eine Tauchvorrichtung, die aus einem über den Oberkörper reichendem Kupferhelm besteht. Die Atemluft in dieser „Miniglocke“ soll durch Blasebälge ersetzt werden. Über Tauchversuche ist nichts bekannt.

1805
- Bei dem Entwurf des französischen Marinearztes James Fullarton steckt der Taucher in einem kupfernen Luftreservoir wie in einem Fass ohne Boden, aber mit doppelten Wänden. Der Taucher selbst ist mit einem Lederanzug bekleidet, den oben ein Kupferhelm abschließt. Rohre für die ein- und ausgeatmete Luft – mit normalem atmosphärischen Druck – verbinden Helm und Behälter. Mit einer Handpumpe am Behälter soll der Taucher die Luft umwälzen. Das an einem Schwimmer aufgehängte und durch Ösen am Behälter laufende Seil mit einem Grundgewicht soll dem Taucher Ab- und Aufstieg erlauben.
- Von einem Herrn namens Tonkin ist wenig bekannt, nur dass er vielleicht für sich oder für die Braithwaites (>1876) ein einfaches „Panzertauchgerät“ entwarf. Auch Gerätedetails außer einem Bild sind rar: ein kupfernes eiförmiges Oberteil mit Fenster, ledernen Ärmeln und einem Luftschlauch zur Oberfläche. Eiserne Stiefel mit „Gelenken wie bei einem Kettenpanzer überzogen mit starkem Leder und Segeltuch darüber, um das Leder vor Beschädigungen zu schützen“ (Bevan 1996). Die Konstruktion wird bei der Earl of Abergavenny ausprobiert. Anscheinend wenig erfolgreich, denn man hört von ihr nie wieder.

1806
- Die Ostindische Kompanie erteilt der Firma John Braithwaites (>1783) erneut einen Bergungsauftrag, und zwar für die seit Februar 1805 vor dem Hafen von Weymouth in 20 m Tiefe liegenden Earl of Abergavenny. Die Arbeiten beginnen im Februar und endeten kurz vor Weihnachten. Die Braithwaites bergen u. a. 44 Bleibarren und 62 Kisten mit Silbergeld und erhalten von der Kompanie als Provision 13 000 Pfund - damals viel Geld.

1808
- Am 17. Juni stellt der Chevalier de Beauve, Sieur Touboulic, von der Marine in Brest mit einer kleinen Schrift seine Tauchmaschine „l ‘Ichtioandre“ vor: Wie bei Klingert (>1779) ist sie praktisch ein über den Oberkörper reichender Metallzylinder. Arme und Beine bleiben dem Wasserdruck ausgesetzt. Aber die Konstruktion ist technisch ausgeklügelter und auch schon mit einer autonomen Sauerstoffversorgung ausgestattet.
- C.-Antoine Brize-Fradin beschreibt ein Atemgerät mit komplettem Anzug, Helm, einem Luftbehälter auf dem Rücken und einer Schlauchverbindung zwi¬schen Helm und Kanister. Über eine praktische Ausführung ist nichts bekannt.

1810
- Der ehemalige Justizbeamte namens Castéra projektiert das erste Tauchfahrzeug mit Rädern und Taucherschleuse.
- Am 24. Dezember erhält Chauncey Hall das erste amerikanische Patent für Tauchausrüstungen. Das handgeschriebene Patent für einen „diving dress to work in the company of a boat or alone“ ist nach Vorosmarti recht kompliziert und ungenau erklärt. Der Taucher trägt einen dreiteiligen doppelschichtigen Anzug aus geöltem Stoff und Leder und steckt in einem Käfig aus Kupferringen. Noch unklarer ist der Verwendungszweck eines geschlossenen Kastens, der von der Oberfläche über Blasebälge mit Luft versorgt werden soll.

1811
- Friedrich von Drieberg stellt in einer Publikation seine abenteuerliche Tauchmaschine namens Triton vor. Sie besteht im Wesentlichen aus zwei auf dem Rücken zu tragenden Blasebälgen. Ein Gestänge verbindet die Bälge mit einem kronenförmigen Stirnreif. Durch nickende Kopfbewegungen soll dann Luft von der Oberfläche hinab und zurück gepumpt werden.

1812
- Der englische Ingenieur James Rennie (bereits erfolgreich bei Gründungsarbeiten an der Lary Bridge unweit Plymouth’ mit einer hölzernen Taucherglocke) setzt bei weiteren Bauarbeiten im Hafen von Ramsgate ein von Smeaton (>1788) inspiriertes gusseisernes Modell ein. Es wird durch eine Pumpe von der Oberfläche her belüftet und kann via einem ausgeklügelten Hebesystem über Grund versetzt werden.

1813
- Der 25-jährige deutsche Artillerieoffizier Christian Augustus Siebe kämpft während der Völkerschlacht bei Leipzig gegen Napoleon auf den Seiten der Preußen. Er wird verwundet, überlebt aber. Nach seiner Genesung siedelt er nach Kiel über und beginnt als Uhrmacher zu arbeiten.

1816
- Der Franzose Alexandre Bideau birgt vor der Küste von Vendée aus geringer Tiefe einige Kanonen aus einem gesunkenen Kriegsschiff. Er benutzt dazu ein Tauchgerät ähnlich dem von Peter Kreeft (>1800) mit einem Lederanzug, Kupferhelm, zwei Schläuchen und belüftet über einen Blasebalg.
- Augustus Siebe (>1813) emigriert nach England. Durch seine glänzenden Zeugnisse findet er schnell eine Anstellung als Uhrmacher.

1818
- Der Schotte Sir John Ross entwickelt einen Tiefsee-Bodengreifer, um damit aus einer Tiefe von etwa 1000 Faden (= 1829 Meter) Schlammablagerungen an die Oberfläche zu holen. Es werden darin Würmer gefunden, die eine Existenz von tierischem Leben auch in größeren Wassertiefen des Ozeans beweisen. Diese Entdeckung wird jedoch noch nicht bekannt (Jung).

1819
- Augustus Siebe (>1816) eröffnet in der Londoner High Holborn eine Maschinenbauwerkstatt. Diese teilt er sich mit William Downe & Co., einer Klempnerei.
- In England, so heißt es, wird die erste praktikable via Pumpe mit Druckluft gespeiste Kombination aus offenem Taucherhelm und Tauchanzug eingeführt. Die Erfindung wird gewöhnlich August Siebe zugeschrieben. Nach Recherchen von John Bevan aber soll dieser Verdienst den Deane-Brüder gebühren, die einige Jahre später in die Geschichte eintreten. Offen bleibt aber noch, was hat es mit dem Datum von 1819 auf sich?

1820
- Der französische Arzt Dr. Hamel berichtet in einem Brief an Professor Pictet über seine Beobachtungen zur Verschlechterung des gesundheitlichen Zustandes von Arbeitern in Taucherglocken, besonders über deren Probleme mit schmerzenden Trommelfellen. Hamel taucht selbst mit der Glocke in über 12 m Tiefe.
- Am 8. September taucht der Schweizer Arzt Dr. Theodore Colladon, Mitglied etlicher medizinischer Gesellschaften, in Begleitung von zwei Arbeitern mit einer Taucherglocke auf den 10 m tief liegenden Meeresgrund in der Nähe Dublins. Er bleibt dort eine Stunde und untersucht u. a. auch den Seeboden. Colladon berichtet später von medizinischen Problemen, wie sie auch Dr. Hamel beobachtete.
- Wenn man von Aristoteles (>330 v. Chr.) u. a. mangels Beweisen einmal absieht und E. Halley (>1691) rein technisches Interesse unterstellt, können - so weit bekannt - die Doktoren Hamel und Colladon, als die ersten tauchenden Wissenschaftler gelten.
- Der Engländer Thomas Hancock entwickelt ein Verfahren zum Verarbeiten von Kautschuk und eine patentierte Methode, um „Artikel elastischer zu machen“, indem er Baumwolle oder Leder mit Gummi (Naturkautschuk) überzog - nach Samuel Peal (>1791) und vor Charles MacIntosh (>1823) der nächste Schritt in Richtung des klassischen Helmtaucheranzugs.

1821
- Ein englischer Schmuggler, bekannt als Kapitän Johnson (auch Johnston geschrieben), baut ein 30 m langes Tauchfahrzeug, um damit Napoleon auf St. Helena zu befreien. Doch bevor es dazu kommt, stirbt Napoleon.

1822
- Charles Anthony Deane, ein Schiffskalfaterer aus London, stellt seine „Rauch¬schutzausrüstung“ der Manchester Assurance Company vor. Sie ist praktisch Ahnherr späterer Schlauchtauchgeräte.

1823
- F. von Drieberg veröffentlicht die Beschreibung eines Schnorcheltauchgerätes, das er ebenfalls als „Tauchermaschine“ bezeichnet. Der Taucher soll über zwei mit beweglichen Gelenken versehene „Kettenrohre“ atmen. Zur Steuerung des Luftstromes ist eine Klappe im Mundstück vorgesehen, die nach jedem Atemzug mit der Zunge umgelegt wird.
- Am 4. November meldet Charles A. Deane (>1822) ein Patent an für „An Apparatus or Machine to be Worn by Persons Entering Rooms or Places filled with smoke or other Vapour, for the Purpose of Extinguishing Fire or Extricating Persons or Property therein“.
- Der Amerikaner Charles MacIntosh findet heraus, dass sich Naphtha sehr gut zum Lösen von Kautschuk eignet, und entwickelt die in seinem U.K.-Patent 4808 geschützte Methode zur Herstellung von gummibeschichtetem Gewebe. In seiner Fabrik in Manchester beginnt er ab 1824 mit der Produktion verschiedener Artikel, von denen der Regenmantel, der „MacIntosh“ das bekannteste wird.

1824
- Kapitän Johnson (>1820) bietet der französischen Marine fünf Tauchboote mit Druckluftversorgung zum Kauf an. Frankreich lehnt ab. Es bleibt ungeklärt, ob Johnson sie überhaupt hätte liefern können ...
- Charles A. Deane erhält am 1. April das angemeldete Patent (U.K. 4869) auf einen „Rauchschutzhelm“ (>1823) und sein Bruder John demonstriert ein Modell in einem rauchgefüllten Raum. Deanes Arbeitgeber Edward Barnard kauft ihm das Patent für 417 £ ab.
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