4. Die Chronologie der Tauchgeschichte: 1501-1600

Die Anfänge des Tauchens

4. Die Chronologie der Tauchgeschichte: 1501-1600

Beitragvon Tauch-Info-Büro » Mi 21. Mär 2012, 21:03

Der Text des vierten Kapitels aus „Meine illustrierte Chronologie und Bibliografie der Tauchgeschichte - Bd. I: Zeittafeln und Bilder“ (http://www.gierschner.de / ISBN 978-3-937522-24-1).

Und wieder der übliche Satz: Ist ja wohl kein echter Forumsbeitrag, ist aber wenigstens etwas. Und vielleicht wisst ihr - zufällig - Berichtigungen oder Ergänzungen? Meine „Verlagstechnologie des Book-on-Demand“ erlaubt es, jederzeit Änderungen vorzunehmen. Also, weiter geht es so:

1501-1560
- Olaf Magnum berichtet in seiner mehrfach übersetzten „Historia de gentibus septentrionalibus„ von grönländischen Kosaren, die auch mithilfe tauchender Nachen ihre Gegner angreifen können.

1501
- Etwa um diese Zeit vollendet der Ritter Ludwig von Eybe zu Hartenstein seine auf das Werk von Kyser (>1405) basierende Arbeit. Sie gilt nach Feldhaus als die letzte technische Bilderhandschrift von Bedeutung. Das umfangreiche Werk enthält auch die Zeichnung eines Tauchers mit schweren Schuhen, Leiter und einem Haken (siehe auch 1460-1500).

1505
- Ungefähr zu der Zeit, als die portugiesischen Eroberer auf Ceylon landen und die westlichen Küstengebiete und den Norden besetzen, sind auf der Insel in jeder Saison über 50 000 Menschen - Taucher, Seeleute, Hilfskräfte, Händler - in dem Geschäft mit Perlen engagiert. Um 1656 verdrängen Niederländer die Portugiesen und übernehmen auch das blühende Perlen- und Perlmuttgeschäft. Durch die Reiseberichte Taverniers aus dem 18. Jh. werden Schilderungen aus dem Taucheralltag überliefert.

1512-1561
- Umfasst in etwa die Wirkungszeit der um 1486 in Yorkshire geborenen Mutter Shipton, eigentlich Ursula Shipton. Sie gilt als populäre Prophetin des 16. Jhs. Und sie wird gelegentlich in UW-Chroniken genannt. Ihre langen geschwätzigen Strophen enthalten hier und da auch Bemerkenswertes: „Menschen werden unter Wasser gehen, werden fahren, werden schlafen, werden sprechen„ (Cowan 1992). Wohl wahr, aber der für 1880 vorhergesagte Weltuntergang fiel dann glücklicherweise ins Wasser.

1521
- Magellans (eigentlich Fernão de Magalhães, span. Fernando de Magallanes) Schiff Trinité liegt vor der Insel Tadore (Molukken) und ist wegen eines Lecks nicht mehr einsatzfähig. Der König von Tadore schickt einheimische Taucher mit langen Haaren. Diese tauchen am Schiff entlang und lassen dort ihre Haare wallen in der Hoffung, dass die Haare den ins Schiff eindringenden Wasserstrom anzeigen und man so den Ort des Lecks erkennt. Wie der Schiffsschreiber Pigaphetta berichtet, wird so das Leck gefunden und das Schiff repariert.

1524
- In diesem Jahr erscheint Buonaiuto Lorinis „Le Fortificationi„ (Nachauflage 1592), ein kriegstechnisches Buch. In dem Abschnitt über die Fundamentierung von Bauwerken unter Wasser werden eine hölzerne Taucherglocke und eine Art Taucherröhre beschrieben. Letzteres vom Prinzip her eigentlich ein überdimensionaler Schnorchel!

1531
- Guglielmo di Lorena konstruiert für Francesco de Marchi eine kleine hölzerne Einmann-Taucherglocke (fast ein überdimensionaler Taucherhelm) und unternimmt damit erste Tauchversuche im italienischen Lago di Nemi (>1446), die vielleicht früheste zuverlässige Nachricht über den Einsatz der Taucherglocke. Marchi soll eine entsprechende Mitteilung 1599 veröffentlich haben.

1532
- Anfang des 16. Jahrhunderts (1511, 1532, 1553) erscheinen mehrere illustrierte Nachdrucke der „Epitoma rei militaris„, den berühmten vier Kriegsbüchern das römischen Militärschriftstellers Flavius Renatus Vegetius (>410-450). Diese Druckwerke enthalten auch Tafeln mit Bildern von Tauchern. Die Abbildungen aus der Pariser Ausgabe von 1532 sind jene, die man am häufigsten in diversen Tauchbüchern findet. Text und Tafeln stehen jedoch in keinem Zusammenhang.

1535
- Francesco de Marchi lässt mit Hilfe von Lorenas Taucherglocke (>1531) nach den beiden Luxusbarken im Lago di Nemi (>1446) tauchen und einige Gegenstände bergen. Nach Bass (1968) soll de Marchi selbst getaucht sein. Er nimmt Messungen vor und birgt Muster der Holzverschalung.

1538
- Zwei griechische Taucher zeigen - wie Johannis H. Taisnier 1562 schreibt - im Fluss Tagus, heute Tajo (portugiesisch Tejo), bei der spanischen Stadt Toledo vor Kaiser Karl V und rund 10 000 Schaulustigen Tauchvorführungen mit einer Taucherglocke.
- In dem ältesten Schwimmbuch der Welt berichtet Nikolaus Wymann von erstaunlichen Tauchversuchen junger Leute im Zürichsee und in der Donau.

1547
- J.-A. Foëx (1966) schildert mit viel Fantasie den Angriff des Kalabresen Paolo di Cassia auf Schiffe des Osmanen Khayr ad-Din auf der Insel Titan (heute Ile du Levant) an der französischen Mittelmeerküste. Schwimmend und tauchend erreicht Paolo die türkischen Reparaturwerkstätten und setzt Magazin und Schiffe in Brand.

1549
- Der Dominikanerabt Gabriel de Guzman erhielt von Kaiser Karl V das Privileg (zurzeit des Absolutismus = Konzession zum Betreiben eines Gewerbes) für ein „Tauchgerät zur Unterwasserarbeit“. Nach dem Tod Karls im Jahr 1559 bestätigte Kaiser Ferdinand I. das Privileg erneut.

1551
- Nicolo Tartaglia ersinnt eine Taucherglocke, in der ein Taucher auf einem hölzernen Trittbrett steht. Über seinen Kopf ist eine Glasglocke gestülpt. Auf dem Brett ist eine mit einem Grundgewicht verbundene Winde montiert. Der Taucher soll damit sein Gerät selbst zum Grund niederholen. Er skizziert zwei Versionen: eine für einen stehenden und eine für einen sitzenden Taucher. Der amerikanische Filmemacher Al Giddings initiierte einen Nachbau und Pete Romano demonstrierte damit einen Tauchabstieg in 10 m Tiefe.

1551-1558
- Der Schweizer Gelehrte Konrad Gessner veröffentlicht seine „Historia animalium„, die wenig später ins Deutsche übersetzt wird und unter dem Titel „Tierbuch„ lange Zeit das zoologische Standardwerk bleibt. Gessner beschreibt eine Vielzahl von heimischen und fremdländischen Tieren, nimmt allerdings auch zahlreiche dubiose Arten, Fabelwesen und Meeresungeheuer in seine Darstellung auf. In den Kapiteln, die den Fischen gewidmet sind, erscheinen auch Wale, Delfine, Robben, Weichtiere, Seesterne, Krebse und andere Meeresbewohner (Jung).

1552
- Vor venezianischen Dogen und Senatoren führen Fischer in der Adria eine 3 m hohe und ebenso weite Taucherglocke vor. Einer der Taucher soll damit 2 Std. unter Wasser geblieben sein. Davis (1962) datiert diese Begebenheit mit dem Jahr 1538.

1559
- Samuel Champlain berichtet über Tauchgänge bis in 20 oder 25 Meter Tiefe durch karibische Taucher.

1565
- Während der Belagerung von Malta durch Mustapha-Pacha: Als Soleiman Valletta angreifen will, behindern schützende Palisaden seine Schiffe. Der Wesir ordert Taucher mit Äxten ins Wasser, um diese zu zerstören. Doch die Türken werden von einheimischen Tauchern attackiert. Die Malteser gelten seinerzeit als die geschicktesten Taucher. Nach mörderischem Kampf flüchten die überlebenden Türken, dezimiert um die Hälfte, zu ihren Schiffen zurück.

1578
- Der englische Philosoph und Mathematiker William Bourne beschreibt in seinem Buch „Inventiones and Devises„ ein Tauchfahrzeug mit durch Gewindespindeln mechanisch zu lenzenden Tauchzellen und einem Belüftungsmast.
- Stradanus zeigt in seinem naturkundlichen Buch „Venationes Ferarum, Avium, Piscium“ u. a. die Bergung von Korallen durch mit Taucherbrillen ausgerüstete Nackttaucher.

1588
- Die 980-t-Galeone Duque di Florencia oder je nach Quelle heißt sie auch Admiral of Florence - ein flüchtendes spanisches Flaggschiff der im Kampf gegen England und das Wetter geschlagenen spanischen Flotte von Philipp II - sucht Schutz im schottischen Sound of Mull. Am 15. November sprengt eine schottische Geisel das Schiff vor der Ortschaft Tobermory in die Luft. Die Reste einschließlich der auf 35 Mio. Golddublonen geschätzten Kriegskasse versinken in über 15 m Tiefe. Die Galeone und ihr Schatz werden später begehrtes Objekt vieler Spekulationen und Schatzsucher, aber sie wird nie gefunden und sicher identifiziert. Am erfolgreichsten in der Bucht bleibt vermutlich Archibald Miller (>1665, ein Schatz wird jedoch nie geborgen. Siehe auch 1731!
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Re: 4. Die Chronologie der Tauchgeschichte: 1501-1600

Beitragvon Franz » Mi 28. Mär 2012, 09:40

Hallo Norbert,
danke für diese interessanten Chronologien, ich bin schon auf die nächste gespannt. An der Zahl der Zugriffe sieht man das sie fleißig studiert werden.

Gruß,
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