2. Die Chronologie der Tauchgeschichte: 1. Jahrtausend

Die Anfänge des Tauchens

2. Die Chronologie der Tauchgeschichte: 1. Jahrtausend

Beitragvon Tauch-Info-Büro » Fr 4. Nov 2011, 10:37

Der Text des zweiten Kapitels aus „Meine illustrierte Chronologie und Bibliografie der Tauchgeschichte - Bd. I: Zeittafeln und Bilder“ (http://www.gierschner.de / ISBN 978-3-937522-16-6).

Ist ja wieder wohl kein echter Forumsbeitrag, ist aber wenigstens etwas. Und vielleicht wisst ihr - zufällig - Berichtigungen oder Ergänzungen? Meine „Verlagstechnologie des Book-on-Demand“ erlaubt es, jederzeit Änderungen vorzunehmen. Also, weiter geht es so:


10-50
- Der römische Astronom Marcus Manilius erwähnt in einem Lehrgedicht Taucherarbeiten. Ich durchforste daraufhin seine Gesamtausgabe und finde im 4. Buch, Vers 273-277: „Wen das letzte Gestirn, die doppelten Fische, hervorbringt, / hat eine Neigung zum Meer und vertraut sein Leben der Tiefe, / Schiffe erbaut er, oder er rüstet Schiffe mit allem / aus und was immer das Meer verlangt für ein Seefahrerleben. / Zahllos sind die Berufe; es reichen dafür kaum die Namen ...“. Und im 5. Buch lauten die Verse 431-435: „Andere suchen aus Freude im Meer das Meer zu ergründen, / tauchen hinein in die Flut und versuchen in Grotten / Nereus selber zu schauen mitsamt den Nymphen des Wassers, / bringen die Beute des Meeres herauf und das Raubgut der Tiefe / bei einem Schiffbruch und wühlen begehrlich ganz unten im Sande.“

77
- Gaius Plinius Secundus, bekannt auch als Plinius der Ältere, ist ein lateinischer Schriftsteller und einer der ersten Naturphilosophen des alten Rom. Von seiner Naturgeschichte („Naturalis historia“) blieben 37 Bücher erhalten. Plinius nun berichtet von Kriegstauchern, die mit Rohren ausgerüstet sind, deren Ende ein Floß über Wasser halten soll. Und er beschreibt 176 verschiedene Arten von Meereslebewesen und glaubt, damit alle erfasst zu haben.

100-199
- Eine peruanische Vase zeigt einen Taucher mit Fischen in den Händen und - möglicherweise - einer „Taucherbrille“.

127-151
- Der griechische Astronom und Naturforscher Claudius Ptolemaios aus Alexandria entwickelt eine Theorie des Universums, die auf der Kugelgestalt der Erde beruht. Damit leistet er den bis zum Zeitraum der Entdeckungen wohl bedeutendsten Beitrag zur Naturwissenschaft (Jung).

150- Der griechische Schriftsteller und Philosoph Oppian widmet in seiner „Halieutica“ mehrere Seiten auch dem Leben der Schwammtaucher und er klagt: „Keine Schinderei ist schrecklicher als die der Schwammtaucher und keine Arbeit ist anstrengender für Männer.“

196
- Während der 3-jährigen Belagerung von Byzanz durch Kaiser Lucius Septimius Severus kappen Taucher die Ankertaue der Belagerer und befestigen neue Taue, um die Schiffe damit an Land in Reichweite der Byzantiner zu ziehen.

410-450
- Vegetius, ein römischer Beamter, sammelt in seinem vierbändigen Lehrbuch über Militärkunde „Epitoma ...“ Berichte älterer Historiker über das Kriegswesen. Um 1900 kennt man über 150 erhalten gebliebene Handschriften. Die ersten Drucke erscheinen zwischen 1473 und 1476, in der Übersetzung von R. Hohenwang 1475 auch als Erstes technisches Druckwerk in deutscher Sprache. Zur Illustration verwendet Hohenwang Tafeln aus Valturios Werk. Die „Epitoma rei militaris“, so der Einheitssachtitel, wird oft und häufig bis in die Gegenwart neu verlegt und übersetzt und enthält in manchen Ausgaben (>1532) auch Abbildungen von Tauchern.

750
- Die umfassendste Unterwassersuchaktion des ersten Jahrtausends erfolgt Zeit unter Harun al-Rashid. Der junge Kalif von Bagdad lässt seinen magischen Ring in den Tigris werfen. Bald reut ihn dies und er lässt Nackttaucher den Ring suchen. Rund 500 Mann, gewöhnlich Sklaven, fahnden fünf Monate lang Tag und Nacht, ehe sie den Ring finden. In dieser Zeit ertrinken über 100 Taucher und viele erkranken und sterben bald darauf.

934
- Der arabische Geograf und Reisefan Mas’údî berichtet in seinem Buch „Medows of gold and mines of gems“ über Perlentaucher des Persischen Golfes und Roten Meeres: „Die Taucher leben von Fisch und Datteln und andere Nahrung dieser Art. Ihre Trommelfelle sind durchbohrt, um ihnen das Atmen zu ermöglichen, da, wenn sie tauchen, sie ihre Nasenlöcher mit einer aus Schildkrötenpanzer gefertigten Vorrichtung zuklemmen. Ihre Ohren sind mit ölgetränkter Baumwolle verschlossen und ein bisschen von dem Öl wird ins Wasser ausgepresst, wenn sie am Grund sind. Dies hellt die Dunkelheit auf wie eine Lampe“ (Latil et Rivoire 1956, S. 64). Die Schilderung ähnelt den Berichten Oppians (>150. In einer gekürzten deutschen Übersetzung „Buch der Goldwäsche“ findet sich nur der Satz „Man taucht dort nach einer Art von Perlen, die nach der Insel Chârakî-Perlen genannt werden.“ Und über den Bau einer Mauer im Meer auf aufgeblasenen Rinderhäuten: „Als sie den Grund des Meeres erreichten, tauchten Männer mit Dolchen und Messern hinab und schlitzten die Häute auf, worauf die Mauer fest auf dem Boden des Meeres stand.“

1000
- Verschiedene nordische Überlieferungen loben die Tauchleistungen von Stammesführern und Königen wie die Könige Agnar, Olaf Trygvason, Jorsalfar, Skallagrin und Eystein. Na ja, vielleicht auch Hofberichterstattung.
- Der schwedische König Eric sendet Taucher aus, um Löcher in die Schiffe des dänischen Piraten Oddo zu bohren. Als sich am nächsten Morgen die Schiffe zu neigen beginnen, greift Eric an und besiegt die Piraten.
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